Aus Linux-Magazin 07/2007

Rütli Ultimate Edition

Es bedarf keiner weiteren Bilder sich prügelnder Hauptschüler, um Sozialpädagogen darüber in Kenntnis zu setzen, dass Aggressivität und Gewalt als vermeintlich legitime Mittel der Konfliktbewältigung zurzeit mehr hip als hop sind.

Auch Steve Ballmer, im Hause Microsoft eher der Mann fürs Grobe, setzt auf die Karte Aggression, wenn er den Anwalt Brad Smith dieser Tage erklären lässt: Die gängige freie Software verstoße gegen 235 Patente – gegen 42 allein der Linux-Kernel, gegen 65 die grafischen Oberflächen. Open Office sei mit 45 Verletzungen dabei, E-Mail-Programme mit 15 und allen anderen seien 68 Rechtsbrüche zur Last zu legen.

Der Konzern stützt sich auf die Studie einer Beratungsfirma für Risikominderung. “Open Source Risk Management” summiert in ihrer Untersuchung sogar 283 Verletzungen auf. Dan Ravicher, Autor der Studie und Director der Public Patent Foundation, wirft nun aber Ballmer vor Tatsachen zu verdrehen: “Die Studie hat ergeben, dass Linux eventuell, aber nicht eindeutig 283 ungeprüfte Patente verletzt, während es gegen kein einziges gerichtlich als gültig befundenes Patent verstößt.”

Dadurch bekommt Microsofts Argumentation ein Stichhaltigkeitsproblem. Mehr noch: “Open Source sieht sich nicht größeren, sondern eher geringeren rechtlichen Risiken gegenüber als proprietäre Software. Der Markt muss zur Kenntnis nehmen, dass die von Microsoft aktuell zitierte Studie das Gegenteil dessen beweist, was sie behaupten.” Das sieht Linus Torvalds in einer ersten Stellungnahme genauso und gibt sich kämpferisch, wenn er den Konzern auffordert vor Gericht zu ziehen. Dann müssten nämlich die betreffenden Patente und inkriminierten Codestellen auf den Tisch.

Dabei verdonnerte erst im Februar ein US-Gericht Microsoft wegen Verletzung eines MP3-Patents zur Zahlung von 1,52 Milliarden Dollar an Alcatel-Lucent. Die auch für Redmonder Verhältnisse erwähnenswerte Summe wird fällig, obwohl der Konzern MP3-Lizenzen beim Fraunhofer-Institut erworben hat. Microsoft betrachtet das Urteil als ungerechtfertigt und warnt, das Urteil eröffne Alcatel-Lucent die Möglichkeit, auch gegen andere vorzugehen.

Ist Microsoft aus Schaden klug geworden? Erkennt Ballmer Patente als Innovationsbremse? Nö. Solch unlogisches Verhalten deckt sich mit den Erkenntnissen von Psychologen: Wer oft durch aggressive Drohgebärden und Gewaltausbrüche, aber auch durch Autoaggressivität auffällig wird, hat zuvor meist selbst Gewalterfahrungen als Opfer sammeln müssen. Diese Probanden adaptieren das Erlebte, also dass verbale und nonverbale Gewalt als Konfliktlösungsstrategie erfolgreich sein kann.

In dieser Tradition darf man die “Gangs of Redmond”
sehen – Cliquen, die durch Schaden nie klug werden, sondern
durch ihre schw

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