Aus Linux-Magazin 04/2007

Abgefahrenes Profil

Die Zusammenarbeit Microsoft-Novell gewinnt an Profil. Bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz (“Brücken bauen”) in einem schicken Münchner Hotel Mitte Februar mühten sich Vertreter beider Firmen zudem um Transparenz.

Das klappte beim Thema gegenseitiger Haftungsausschluss überhaupt nicht. Auf Drängen bekam die anwesende Journaille zu hören, man habe sich gegenseitig nichts vorzuwerfen und es handele sich lediglich um ein Marketing-Ding. Dummerweise hatte Microsoft-CEO Ballmer im Vorfeld über Linux’ angebliche Urheberrechtsverletzungen gegrätzt. Eine Woche nach der Münchner Veranstaltung sollte er seine Anwürfe übrigens wiederholen.

Der Rest des Vormittags lief etwas besser. Das lag beim Thema Dokumentenkompatibilität zuförderst daran, dass die Details schon bekannt waren: Microsoft hat auf Sourceforge ein Projekt am Laufen, das MS-Office das Open-Document-Format beibringt. Und Novell bastelt sich bis Mitte 2008 ein eigenes Open Office, das Open-XML-Dateien liest und schreibt.

Jetzt liegen detaillierte Virtualisierungs-Pläne auf dem Tisch. Die Partner wollen, dass das jeweils andere System als Gast sauber auf der eigenen Lösung läuft. Das dürfte Microsoft besonders freuen, hatte man doch mit dem Kauf von Virtual-PC früh aufs richtige Pferd gesetzt, auch wenn es sich auf Servern als Zwerghengst erwies. Heute wird die Software verschenkt. Bis zu Longhorn, dem Nachfolger von Windows Server 2003, der eine Para-Virtualisierung anbieten soll, ist es für den Konzern gut, Xen-mäßig mit Novell galoppieren zu dürfen.

Interessant, wenngleich unkonkret sind die Verlautbarungen zum Systemmanagement: Landschaften aus Windows-Servern und Novell-Linuxen bis zu heterogenen Rechenzentren sollen einheitlich managebar werden. Novell bekommt als Aufgabe, unter Zuhilfenahme der Community den “Web Services for Management”-Stack von Microsoft als Open Source zu programmieren. Den Schleier über den Details wollen die Protagonisten zwar später lüften. WS-Management wird aber wohl 2007 in Zenworks Orchestrator Einzug halten.

Noch schwammiger klingen die Verlautbarungen zur Interoperabilität zwischen Active Directory und Novells E-Directory. Da sich beide Verzeichnisdienste schon jetzt per LDAP unterhalten, ist hier mehr zu erwarten als reiner Datenaustausch – vermutlich in Richtung Authentifizierung und Identity-Management. Je nach Ausgestaltung der Schnittstellen können möglicherweise Kunden, die beide Directories in der Firma einsetzen, eines zu Lasten des anderen zurückfahren. Ob sich Novell damit einen Gefallen tut?

Am Rande war zu erfahren, dass Novell (“Software for the Open Enterprise”) alle selbst geschriebenen Tools für die Directory-Zusammenarbeit proprietär vertreiben will. Auf Nachfrage erklärte ein früherer Suse-Grande, man wolle Geld verdienen und Firmen wie Oracle verschenkten schließlich auch nichts. Zudem seien die Schnittstellen bekannt und wer möge, könne die Tools ja nachprogrammieren. Ganz schön abgefahren. Die gleichen Argumente waren die letzten, die ich vor Jahren von den Unix-Firmen und -Initiativen hörte, bevor sie als Blatt an einem verdorrten Zweig des Unix-Historien-Baums eine letzte Ruhestätte fanden.

Könnte bitte mal eine einflussreiche Lichtgestalt hier auf
der Erde erscheinen und dieser Firma Folgendes erklären: Es
gibt kaum eine andere Softwaregattung, bei der man mit Open Source
so leicht Geld verdienen kann wie mit Infrastruktur-Tools. Denn
hierbei geht es um Integratio

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