“Dem Tapferen sind Glück und Unglück wie seine rechte und linke Hand, er bedient sich beider.” Den abgetrennten Kopf und einen Finger der Dame, die diese Worte sprach, hatte ich kurz zuvor besichtigt.
Aber nacheinander: Während meine Kollegen die letzten beiden Wochen fleißig um die Fertigstellung jedes Artikels des Magazins rangen, verlebte ich meinen Urlaub nebst Freundin in der Toskana. Damit Ungerechtigkeit nicht die Überhand gewinnen sollte, hatte ich mir ein Manuskript zum Bearbeiten mitgenommen. Nach einer Woche am chlorfreien Bio-Pool war es fertig zum Versand, was aber am geschlossenen örtlichen Internetcafé scheiterte. Die Luft auf unserem toskanischen Hügel war überdies sehr sauber, kein WLAN verschmutzte sie.
Einer der nächsten Ausflüge führte zum Glück nach Siena, wohl eine der schönsten Städte überhaupt, die neben ihrer italienischen Gotik auch eine Auswahl an Internetcafés vorhalten sollte. Zuvor besuchten meine katholische Begleiterin und ich jedoch die Basilika San Domenico. Im Inneren der Kirche lagern in einem Marmor-Ziborium ein in Silber gefasster Finger und der Kopf der Katharina von Siena.
Die 1347 geborene Ordensfrau, Mystikerin und Kirchenlehrerin wurde 1461 heilig gesprochen und 1999 zur Mitpatronin Europas erhoben. Bereits als Sechsjährige hatte sie ihre erste Vision. 1375 erschienen an ihrem Körper die Wundmale Jesu, erkennbar freilich nur für sie selbst. Ihr Ruf verbreitete sich und viele baten um ihren Rat, selbst der Papst. Sie starb 33-jährig in Rom. Ihr 1430 exhumierter Leichnam wurde mit päpstlicher Erlaubnis zerteilt, um Reliquien zu erhalten; letztmalig 1855.
Als Kreuzweg irdischer Natur gestaltet sich meine Suche nach Internet-Konnektivität. In einem Laden gab’s WLAN nur mit Dongle für Windows – der Besitzer hob nach meinem “It’s Linux” italienisch-theatralisch die Hände gen Himmel. Beim nächsten mit Ethernet mochte deren DHCP-Appliance nicht mit meinem Ubuntu. Im dritten musste ich zwar die gleiche DHCP-Inkompatibilität beklagen, die nette Asiatin hinterm Tresen konnte mir aber eine freie IP nennen und schob mir einen Zettel mit Netzmaske, Gateway und so weiter rüber.
Geschafft? Von wegen! Meine letzte Zu-Fuß-IP-Konfiguration lag bestimmt fünf Jahre zurück – und das rächte sich. Mit »ifconfig« der »eth0« die IP zuweisen, das kriegte ich sofort hin. Beim Legen der Routen aber wäre ich um eine Katharina’sche Vision dankbar gewesen: Irgendwie passte die Netzmaske nicht und irgendwann besaß ich zwei Default-Routen. Letzteres verschuldete ein aufgetauchtes »eth1«, das ich mir über ein umherschwirrendes WLAN eingefangen hatte; für das hatte mein »dhclient« offenbar Sympathie.
Nachdem ich »eth1« abgewürgt, meine bis dahin geduldig hinter mir stehende Freundin mit ein paar netten Worten bedacht und die verhunzte Routingtabelle notdürftig geflickt hatte, vermochte ich das Gateway anzupingen. Als dann mein händischer »/etc/resolve.conf«-Eintrag ohne Wirkung blieb, begann ich unchristlichen Neid auf die neben mir surfende Powerbook-Besitzerin zu entwickeln. Von der Mac-OS-Oberfläche inspiriert suchte und fand ich dann ein buntes Netzwerk-GUI – welche Schmach! – und drei Minuten später spoolten meine Mails in Richtung Redaktion.
Solche Fingerübungen wären für die Autoren
unseres Netzwerk-Schwerpunktes ab Seite 33 natürl





