Aus Linux-Magazin 05/2006

Nie gehört

Haben Sie schon den Begriff RFID gehört oder gelesen? Oder sich gar schon näher darüber informiert? Wenn Sie mit Ja antworten, wäre das logisch angesichts der vielen Artikel in der Fachpresse und der omnipräsenten RFID-Symposien am Rande großer und kleiner IT-Messen, vom Trommeln der Industrieverbände ganz zu schweigen.

Kurioserweise werden Sie aber mit “Ich kenne den Begriff nicht” antworten. Meine Vermutung speist sich aus den Ergebnissen einer Umfrage von Techconsult, die in 1044 Firmen genau diese Fragen gestellt hat. Danach verbinden 96 Prozent der Inhaber und Geschäftsführer mit dem angeblichen Barcode-Nachfolger und Logistikrevolutionär nichts, unter den Fachabteilungsleitern herrscht bei 62 Prozent Ratlosigkeit. Den für mich bedenklichsten Wert liefern die IT-Leiter: 70 Prozent kennen RFID nicht und nur 10 Prozent haben sich näher informiert.

Mich selbst amüsiert das Ganze eher, da ich die Chips wegen ihres unkalkulierbaren Schnüffelrisikos nicht auf meinen eigenen Sachen haben will und die breite Ahnungslosigkeit ein Garant für eine schleppende Einführung ist – wenn sie überhaupt flächendeckend kommen. Es bleibt festzuhalten, dass sie trotz Trommeln und Pfeifen der Protagonisten eine Sache für Eingeweihte sind.

Ein ähnliches Schicksal könnte den Entwurf der GPLv3 ereilen. Das Werk liest sich kompliziert und ist es wegen des Versuchs internationaler Rechtsverträglichkeit auch. Hinzu kommt das Ansinnen der Free Software Foundation, per Passus jede Form digitalen Rechtemanagements (DRM) aus dem Umfeld freier Software zu verbannen. Das ist politisch korrekt, tut der Akzeptanz der Lizenz aber offenbar keinen Gefallen.

Linus Torvalds hat in einem “Forbes”-Interview jedenfalls durchblicken lassen, dass er den DRM-Abschnitt in der aktuellen Fassung für nichts sagend ansieht. Dass der Linux-Kernel unter die GPLv3 gerät, scheint höchst unwahrscheinlich. Moderater gibt sich Kaj Arnö, Community-Mann bei MySQL, im Linux-Magazin-Interview auf Seite 97. Kein Wunder, er hat beratend an dem GPL-Entwurf mitgearbeitet. Doch auch er glaubt nicht, dass alles dem normalen Programmierer vermittelbar ist.

Vom Endanwender ganz zu schweigen. Bei dem Verwirrungspotenzial
ist eigentlich eine RFID-kompatible Ahnungslosigkeit der
vermeintlich interessi

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