Aus Linux-Magazin 02/2006

Gesprächsfetzen

Jan Kleinert, Chefredakteur

Kleinert: [Das nächste Linux-Magazin ist fast fertig, fehlt nur noch das Editorial. Da könnte ich doch Achim ein bisschen ärgern.] Du, Achim?

Leitner: Ja, Jan? [Was will er denn jetzt wieder?]

Kleinert: Du bist doch mein Sicherheitsberater … [Ich glaube, er hasst solche Gesprächsanfänge.]

Leitner: Aber klar doch. [Was will er mir jetzt ans Bein binden?]

Kleinert: Ich kriege da gerade ‘ne Pressemitteilung von der TU München. Die entwickeln digitales Rechtemanagement für Linux. OpenTC heißt das Projekt, TC wie Trusted Computing. HP, AMD Deutschland, IBM, Infineon sowie etliche europäische Unis und Forschungseinrichtungen sind mit dabei, laut Mitteilung auch eine Firma “Suse Linux”.

Leitner: Gib mal her. [Wow, die sagen in aller Offenheit, dass sie mit dem Fritzchip Kopierschutz betreiben wollen.] So ganz einfach, wie der Text tut, ist es nicht. Und sie sind auch weder die einzigen noch die ersten, die den TPM-Chip unter Linux nutzen wollen. Da gibt’s zum Beispiel den TPM-Treiber, den IBM selbst entwickelt. [Und von wegen “Interessen der Anbieter sowie der Benutzer gleichermaßen geschützt”, das wäre wirklich neu.]

Kleinert: Das ganze Ding ist 17 Millionen Euro schwer – die Kohle kommt von der EU. Der Münchner TU-Lehrstuhl ist mit 350 000 dabei. [Hat Achim da nicht studiert?] Du Achim, ich ruf’ den Prof jetzt mal an.

Leitner: [Hoffentlich hat Jan vergessen, dass ich bei dessen Vorgänger promoviert habe.] Mach’ mal, bin gespannt, was er sagt.

Etwa ein halbe Stunde und ein Telefonat später.

Kleinert: Der Professor, mit dem ich da geredet habe, ist ja ganz ein Netter. Kennst du den?

Leitner: [Na klar.] Weiß nicht …

Kleinert: Der sagt, dass er sowieso aus der MPEG-21-Entwicklung käme und rein aus wissenschaftlicher Neugier an DRM forsche. Die EU spuckt das Geld wohl hauptsächlich aus, um ein Gegengewicht zum amerikanisch dominierten DRM-Markt zu schaffen.

Leitner: [Die EU gibt für jeden Schwachsinn Geld aus.] Ob das mal nicht nach hinten losgeht.

Kleinert: Sag’ mal: Hast du da an der TU nicht studiert?

Leitner: [Mist!] Verdammt lange her.

Kleinert: Ich habe den Professor gefragt, ob er’s nicht bedenklich findet, wenn DRM außer für Copyright-geschützte Multimediadaten auch für jede andere Art Daten eingesetzt würde.

Leitner: Und?

Kleinert: Er sagt nein, Linux müsse da jetzt aufholen. Und dass es Diskussionen geben würde, findet er eher gut. [Jetzt bin ich gespannt!]

Leitner: [So ein Unfug. Eine DRM-Infrastruktur wird irgendwann auch meine eigenen Files vor mir schützen. Ich hoffe, Linux bleibt da ganz weit hinten.] Rein wissenschaftlich ist’s schon interessant. [Genauso wie in den 40ern die Atomkraft.]

Kleinert: Du, ich geh jetzt. Das Editorial ist plötzlich auch fertig. Guten Rutsch!

Leitner: Guten Rutsch! [Würde auch lieber heimgehen.]

Jan Kleinert, Chefredakteur

Jan Kleinert, Chefredakteur

Dr. Achim Leitner, stellv. Chefredakteur

Dr. Achim Leitner, stellv. Chefredakteur

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über DRM, wäre es, zu wissen, was Sie über diese
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