Am 1. Dezember jährte sich wieder Georg Wilhelms Todestag. Das juckt heute kaum jemanden, was nicht nur daran liegt, dass sein Ableben schon 365 Jahre zurück liegt. Dabei war der am 13. November 1595 im Stadtschloss in Cölln an der Spree geborene Hohenzoller nicht irgendwer, sondern Herzog von Preußen und von 1619 bis zu seinem Tod sogar Kurfürst von Brandenburg. Den Mangel an Popularität verdankt Georg Wilhelm seinem Wankelmut, doch eins nach dem anderen.
Der Pechvogel war als Calvinist Fürst eines lutherischen Staates. Mit 21 Jahren heiratete er Elisabeth Charlotte von der Pfalz, eine Schwester des geächteten Königs von Böhmen. Sein erster Minister war ebenso Katholik wie sein Kaiser Ferdinand II, dem er sich verpflichtet fühlte, obwohl der ihn oft provozierte, um ihm die Kurwürde abspenstig zu machen. Zu allem Überfluss lungerte seine böhmische Schwiegermutter bei ihm herum, die ihn ständig damit nervte, ihrem entthronten Sohn wieder zu Ansehen zu verhelfen.
Als der protestantische Schwedenkönig Gustav Adolf, schlachtenfreudiger Gegenspieler Ferdinands II, zwei Jahre nach Ausbruch des 30-jährigen Krieges seine schöne Schwester Marie Eleonore heiratet, steckt Georg Wilhelm gänzlich in der Klemme: Sein neuer Schwager richtet Kanonen auf das Schloss des militärisch Schwachbrüstigen. Der schickt Schwiegermutter und Frau, deren Wehklagen den Schweden aber herzlich wenig beeindruckt. Auf ein Saufgelage mit Georg lässt sich Gustav Adolf zwar freudig ein, trotzt ihm am nächsten Tag aber gleichwohl einen Vertrag ab, demzufolge Brandenburg den schwedischen Truppen monatlich 30000 Taler und die Festungen Spandau und Küstrin zur Verfügung stellen muss. Dass der Kaiser deswegen sauer war, bedarf keiner weiteren Erläuterung.
Von dem Vorsatz beseelt, neutral zu bleiben und es zugleich allen recht zu machen, schwankt Georg Wilhelm ungeschickt zwischen allen Lagern umher. Im Ergebnis plündern sowohl befreundete als auch feindliche Truppen sein Brandenburg. Im Jahr 1637 verdrückt er sich nach Königsberg, wo er 1640 stirbt – der heute vergessene Kurfürst von der traurigen Gestalt. Schade eigentlich, eignet er sich doch als Vorbild, wie man sich genau nicht verhält.
Mit ein paar europäischen Geschichtskenntnissen
ausgestattet hätte sich beispielsweise die Traditionsfirma
Novell ihr ungeschicktes Taktieren um KDE und Gnome glatt schenken
können (siehe Meldung auf Seite 18). Statt das recht
friedliche Patt um die beiden grafischen Umgebungen einfach zu
akzeptieren, erklärte die Firma, KDE zu Gunsten Gnomes
schleifen zu wollen, um nach den – nur für Novell
überraschenden – Protesten sofort wieder einzuknicken.
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