Kommt Linux schon nicht auf die Desktops der User, kommen die freien Desktops eben zu Windows. Dank neuer Möglichkeiten der darunter liegenden Grafikbibliotheken könnten KDE und Gnome schon bald nativ mit dem proprietären Betriebssystem funktionieren.
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106Perl-Snapshot Der Weg zum bugfreien Programm führt nur über ausführliche Tests. Michael Schilli stellt Perl-Module vor, die bei allen Arten von Tests helfen. 110ISDN-Fax Die Bibliothek Libfritzhook bietet ein API zur Programmierung von ISDN-Karten im Userspace. Sie ermöglicht Faxen auch mit passiven Karten. 116Federlesen Für die beliebten Webservices existieren konkurrirende Standards. Eine Tcl-Erweiterung vereinfacht die Nutzung der SOAP-Schnittstelle. Außerdem: Portable Shader für moderne Grafikhardware mit der OpenGL Shading Language (Seite 52) |
Nach dem erfolgreichen Streifzug durch den Servermarkt träumten viele Linux-Entwickler vom Durchbruch auf die Desktops. Manche sahen ihn schon in greifbarer Nähe, doch nutzen auch heute noch über 90 Prozent der großen Masse unter den Desktop-Anwendern ausschließlich Windows.
Die Teams der beiden großen freien Desktop-Umgebungen, KDE und Gnome, geben natürlich nicht auf. Jede neue Version preisen sie als revolutionären Fortschritt an, der Gnome-Entwickler Jeff Waugh beispielsweise sieht Gnome in puncto Funktionalität und Usability schon seit Version 2.8 vor Windows. Bis 2010 will er auf 10 Prozent aller Desktop-PCs sein Gnome vorfinden.
Betriebssystem egal?
Vielen Desktop-Programmierern scheint es dagegen zweitrangig, welches Betriebssystem sich durchsetzt: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt eben KDE zu Windows. Schon seit Version 1.1.2 aus dem Jahr 1999 gibt es einen KDE-Port für Cygwin/X, dem X11-Server für Windows. Die Performance lässt allerdings aufgrund der vielen Schichten zwischen Desktop und Betriebssystem naturgemäß zu wünschen übrig; schließlich bildet den X-Server wiederum die Windows-eigene grafische Oberfläche ab.
Einen direkten Weg weist vielleicht das plattformübergreifende GUI-Toolkit Qt. Mit Version 4 stellt Hersteller Trolltech eine freie Variante der Grafikbibliothek erstmals auch für Windows zur Verfügung. Das ermöglicht es zumindest aus rechtlicher Sicht, die auf Qt 4 basierende künftige KDE-Version 4 ohne Lizenzprobleme als natives Windows-Programm zu betreiben. Wie viele Anpassungen wirklich notwendig sind, wird allerdings erst die Praxis zeigen.
Auch für Gnome deuten sich mit der brandaktuellen Version 2.12 betriebssystemübergreifende Möglichkeiten an. Es verwendet nun GTK 2.8, das wiederum auf die neue Grafikbibliothek Cairo des Freedesktop-Projekts zurückgreift. Diese zeichnet nicht nur auf X-Window-Systemen grafische Elemente, sondern auch unter Windows.
Ob die großen freien Desktop-Umgebungen eines Tages wirklich unter Windows funktionieren, hängt vom Ehrgeiz der Entwickler ab. Sie diskutieren jedoch bereits über die Sinnfrage. Wechseln Windows-Benutzer, die freie Software unter ihrem Betriebssystem kennen lernen, irgendwann zu einem freien Betriebssystem? Oder raubt ihnen gerade die Möglichkeit, ihren Lieblings-Desktop auch unter Windows zu verwenden, vielleicht die Motivation? (ofr)
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