Der Außerfriesische denkt bei Ostfriesland vielleicht nicht sofort an Computer und schon gar nicht an Linux. Doch im Norden gibt es einen der größten Computerclubs Deutschlands und eine kleine, aber feine LUG. Sie trifft sich regelmäßig – nicht nur zum Witze reißen.
Wie so viele vor und nach ihm war der Autor dieses Artikels früher einmal Windows-Nutzer. Durch einen glücklichen Zufall fielen ihm fast zeitgleich Minix und eine Broschüre des Computerclubs Ostfriesland, kurz CCO, in die Hände. In besagtem Blättchen war neben Dingen wie Anwendergruppe, Oldie-Gruppe und Jugendgruppe auch eine Linux-Gruppe verzeichnet. Das las sich nicht schlecht und so stand fest, bei der Linux-Gruppe einfach mal vorbeizuschauen.
CCO
Die Linux-Gruppe trifft sich regelmäßig im großzügig ausgestatteten Clubheim des CCO in Hesel. Eine feste Tagesordnung gibt es eigentlich nicht, jedoch ein Ritual: Jedes Mal wird zwecks Förderung der lokalen Wirtschaft ganz uneigennützig eine stattliche Anzahl von Pizzen bestellt und in gemütlicher Runde in der Küche verzehrt. Das ist jedoch nicht nur der Gesundheit der Mitglieder abträglich, sondern erfüllt auch gängige Hacker-Klischees. Ansonsten sind die Mitglieder der Linux-Usergroup aber überaus normale Menschen, die aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten stammen.
Darüber hinaus betreiben Mitglieder der Linux-Gruppe den internen sowie einen angemieteten Server. Auf fast allen anderen Rechnern im Clubheim ist neben dem obligatorischen Windows ebenfalls Linux installiert und per NFS und YP hat jeder Zugriff auf sein Homeverzeichnis auf dem Clubserver. Natürlich sind für Mitglieder der Zugriff von außen und das Anlegen einer kleinen Homepage über Webdav möglich.
Erst vor kurzem bastelte die Linux-Gruppe mit der Mikrocontroller-Gruppe ein Schließsystem für den Schlüsselkasten des Clubheims, um die wertvollen Besitztümer des CCO stilecht zu sichern. Die Konstruktion Marke Eigenbau umfasst viele Features wie Webcam, Sprachausgabe und Zugang über Telefonkarten – an ausgefallenen Ideen mangelt es den Bastlern nicht gerade und die Umsetzung ist immer mit viel Spaß verbunden.
Artenvielfalt
Obwohl es Ausnahmen (OpenBSD, Caldera, Mandrake) gibt, benutzt die Mehrheit der Linux-Gruppe-Mitglieder mittlerweile die freie Distribution Debian GNU/Linux. Gerade im harten Server-Betrieb hat sich für den Club diese Wahl gelohnt.
Aber auch für mehrere Hardwareplattformen gibt es Platz: So haben sich einige Mitglieder an RS/6000 und Sun-Sparc-Maschinen versucht, die von großzügigen Spendern zur Verfügung gestellt wurden. Bei einem Tag der offenen Tür des CCO zeigte die Linux-Gruppe Sun und Alpha unter Linux.
Die Installation von Linux auf einer SGI und auf der VAX-Hardware des Autors scheiterte jedoch an diversen technischen Probleme. Die beiden weigerten sich schlicht und einfach, mit einem artfremden Betriebssystem ihren Dienst zu verrichten.
LUG mobil
Bei den Treffen wird meist als Erstes ein Switch ausgepackt, um dann die mobilen Begleiter der Mitglieder mit Internet und Intranet zu versorgen. So ist es problemlos möglich, auch beim gemeinsamen Essen Konfigurationen auszutauschen, zu verfeinern oder schnell mal nachzusehen, welche Kernelversion gerade aktuell ist.
Weil die Installation und Konfiguration von Notebooks aber nicht immer ganz so einfach ist, kommt es durchaus vor, dass jemand fragt, wie er denn seinen X-Server oder ein externes USB-Laufwerk zum Laufen bringt. Ein regelmäßiger Statusbericht über den Fortgang der Arbeit an dem Problem ist beim Eintreffen im Club natürlich Pflicht. Schließlich lernen auf diese Weise alle etwas.
Neuerdings erfasst die Notebook-Jünger der Linux-Gruppe eine besondere Welle: WLAN. Per Access Point und PCMCIA-Karten erfüllt sich der ostfriesische Linux-Anwender den Traum von der großen Freiheit jenseits der Kabel – wenn da nur nicht diese Akkus und die geringen Laufzeiten wären.
Auch wenn das jetzt alles ziemlich wichtig klingen mag, die Linux-Gruppe ist offen für alles und jeden – außer für Windows-Probleme natürlich ;-). Wer also Schwierigkeiten hat – sei es Software oder Hardware -, kann einfach an den Abenden vorbeikommen und die Mitglieder der LUG um Rat fragen oder auch nur einfach bei Tee und Pizza eine Runde klönen.
Manchmal erfährt man im Gespräch nebenbei Tipps und Tricks, die vielleicht erst sehr viel später mal bei einem ganz anderen Problem helfen. Aus diesem Geist sind schließlich die Linux-Usergroups entstanden – Anwender helfen Anwendern. Und so sollte es auch in Zukunft weitergehen. Schließlich ist der große Vorteil von Linux ja die Offenheit des Systems und die daraus resultierende Tatsache, dass jeder lernen kann, wie die Dinge im Betriebssystem und den Anwendungen funktionieren.
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Infos |
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Homepage: [http://linux.cco-ev.de/] Leitung: Henning Schröder [henning@cco-ev.de], Jürgen Fischer [fischer@cco-ev.de] Mailingliste: [mailto:linuxgruppe@cco-ev.de] Treffen: Regelmäßig jeden ersten und dritten Freitag im Monat ab 19 Uhr im Clubheim des CCO, Kirchstraße 15, 26835 Hesel Aktivitäten: Wartung des Clubservers und des Netzwerks, Präsentation auf regionalen Ausstellungen |
Mitglied werden
Wer regelmäßig dabei sein möchte, sollte es sich allerdings überlegen, dem CCO als Mitglied beizutreten: Irgendwo muss auch bei aller Freiheit der Software das Geld für den Unterhalt der Räumlichkeiten und die mittlerweile recht umfangreiche Ausstattung schließlich herkommen. Und außerdem bekommt man als Mitglied bei der Linux-Usergroup ja auch eine Menge geboten für den kleinen Betrag, den es monatlich zu berappen gilt.
Demnächst wird es bei der LUG Ostfriesland sogar multimedial, denn neuerdings umfasst das Inventar des Clubs einen eigenen Videoschnittplatz, er läuft allerdings (noch) nicht unter Linux. Xandros, eine auf Debian basierende Distribution, die besonders anwenderfreundlich ist, wurde aber schon mal testweise installiert und hat sich ganz gut geschlagen.
Also: Es gibt offiziell keine bessere Beschäftigung für einen Linux-Anwender, als ein Mal im Monat am Freitagabend, dem Computerclub Ostfriesland einen Besuch abzustatten. (agr)
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Mitmachen |
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Das Linux-Magazin möchte auch in Zukunft regelmäßig Linux-Usergroups die Möglichkeit geben, sich und ihre Aktivitäten hier vorzustellen. Wer Interesse an einem LUG-Portrait hat, meldet sich einfach bei der Redaktion unter: redaktion@linux-magazin.de |
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Interview mit |
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Linux-Magazin: Wie bist du zu Linux gekommen? Henning Schröder: In einer Computerzeitschrift las ich damals von Linux 1.0 und war sofort fasziniert. Als ich dann irgendwann eine größere Festplatte hatte, schaffte ich mir als Erstes eine Slackware an. Linux-Magazin: Was hat dich am freien Betriebssystem fasziniert? Henning Schröder: Als Schüler konnte ich mir damals keine teure Software leisten und DOS bot mir auch keine großen Herausforderungen mehr. Da ich schon damals gerne programmierte, weckte auch der ganze Quellcode mein Interesse. Linux-Magazin: Wofür setzt du GNU/Linux hauptsächlich ein? Henning Schröder: Eigentlich überall – auf dem Desktop genauso wie auf dem Server. Ich setze nur freie Software ein, sowohl privat als auch für das Studium. Ganz Microsoft-frei ist mein Rechner aber nicht, da ich ein (wirklich gutes!) MS Natural Keyboard besitze. Linux-Magazin: Wie bist du zur Linux-Gruppe gekommen? Henning Schröder: Seit der Gründung bin ich mit dabei. In unserem Computerclub wurde bei einigen das Interesse am Erfahrungsaustausch immer größer, also trafen wir uns dann jeden ersten Montag und jeden dritten Freitag im Monat zu diesem Thema unter dem Motto “Ein kompliziertes Betriebssystem braucht komplizierte Termine”. Linux-Magazin: Was bietet dir ein Linux-Gruppenabend, was du nicht auch im Netz finden kannst? Henning Schröder: Fachsimpeln beim Pizzaessen, Grillen im Sommer, direkter Erfahrungsaustausch, gemeinsames Lösen von Problemen und Hacken bis fast in den Morgen. Es ist die soziale Komponente, die einem das Netz nicht bieten kann. Unsere Mitglieder reichen vom Anfänger bis zum Kernelprogrammierer. Gerade diese Mischung macht einen Linux-Abend interessant. Linux-Magazin: Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft freier Software aus? Henning Schröder: Insgesamt sehr positiv. Freie Software ist jetzt kaum noch aufzuhalten und wir können uns bestimmt noch auf einige Überraschungen gefasst machen. |







