Aus Linux-Magazin 06/2003

Exchange-Alternative: SCO Office Mail Server

Der SCO Office Mail Server greift – anders als sein Vorgänger Caldera Volution Messaging Server – dank guter Outlook-Anbindung den Groupware-Titelverteidiger Microsoft Exchange keck an. Nebenbei ist das Produkt auch ein scharfer Konkurrent zu SuSEs Openexchange.

Die bevorstehende Einstellung des Supports für Microsoft Exchange 5.5 bringt die Altkunden des Redmonder Unternehmens in arge Versuchung, einen Umstieg zu Linux-basierten Groupware-Alternativen zu wagen. SCO (einst Caldera) begibt sich mit dem SCO Office Mail Server in diesen illustren Kreis, denn auch die Amerikaner haben einen funktionalen MAPI-Connector für Outlook entwickelt.

Ergänzend zum Schwerpunkt im Linux-Magazin 3/03 – damals war das Produkt noch nicht lieferbar – haben wir es im Folgenden unter die Lupe genommen.

Den Server installieren und administrieren

Von der Client-Seite abgesehen war schon das SCO-Vorgänger-Produkt, der Volution Messaging Server, stabil und einfach zu installieren. Der SCO Office Mail Server führt dessen Konzept weiter. Er läuft auf vielen Linux-Distributionen und auf SCO Open Unix mit Linux Kernel Personality. Die grafische Installationsroutine startet von CD durch das Skript »install.sh«.

Der Installer erkennt fehlende, für den Betrieb des Mailservers zwingend erforderliche Pakete wie Cyrus IMAP oder Postfix und installiert sie. Im Anschluss an die Basisinstallation erledigt der Administrator seine Arbeit mit dem vom Volution Server bekannten Webfrontend über eine SSL-gesicherte Verbindung: »https:// Servername«.

Der zur Kommunikation mit dem Webfrontend erforderliche Webserver Apache wird im Zuge der Installation automatisch konfiguriert und gestartet. Man gelangt über die voreingestellte Username-Passwort-Kombination »admin | admin« in den Administrationsbereich. Hier bietet es sich zunächst an, das Standardpasswort zu ändern.

Das übersichtliche Webinterface ist gegenüber seinem Vorgänger optisch und funktionell kaum verändert. Elementare Konfigurationsmaßnahmen sind das Setzten des Domain-Namens und das Hinzufügen der Benutzer und ihrer Aliase (siehe Abbildung 1). Alle Angaben speichert das installierte LDAP-Verzeichnis dauerhaft.

Im Menüpunkt »System« ändert der Administrator sein Passwort oder lässt sich die laufenden Prozesse auf dem SCO Office Server anzeigen. Hier vergibt er auch erweiterte Zugriffsrechte für die Benutzer. Im Gegensatz zu SuSE Openexchange gibt es jedoch kein komfortables Postfix-GUI. Er muss den MTA per Editor konfigurieren.

Auch der normale Anwender kann das Administrations-Webfrontend über einen Browser aufrufen, sofern der Administrator dies zuvor im Zugriffsprofil erlaubt hat. Alle Benutzer dürfen in jedem Fall ihre persönliche Einstellungen anpassen und Mail-Weiterleitungen konfigurieren.

Abbildung 1: Das Web-basierte Administrationsfrontend des SCO-Mailservers ist sehr übersichtlich - vielleicht auch, weil der Admin Postfix von Hand konfigurieren muss.

Abbildung 1: Das Web-basierte Administrationsfrontend des SCO-Mailservers ist sehr übersichtlich – vielleicht auch, weil der Admin Postfix von Hand konfigurieren muss.

Outlook-Anbindung über MAPI oder IMAP

Anders als bei den Server-Komponenten hat sich gegenüber dem Volution Messaging Server bei der Windows-Client-Anbindung viel zum Positiven geändert. Der Mail-Connector erlaubt es nun, in Outlook die Nachrichten-, Kalender- und Kontakt-Informationen mit einem Internet Mail Access Protocol Service (MAPI) abzugleichen. Dazu müssen Outlook 98 und 2000 im Corporate-Workgroup-Modus laufen. Bei Outlook 97 und Outlook 2002 ist das nicht nötig, da bei denen diese Services zum Default-Funktionsumfang gehören.

Der MAPI-Connector integriert eine neue Werkzeugleiste für die Collaboration-Funktionen in das Outlook-Menü, die dem Benutzer das Einrichten seines E-Mail-Accounts oder das Anpassen der Synchronisation (Replikation) ermöglicht. Außerdem kann er hier Zugriffsberechtigungen für Ordner und dergleichen mehr einstellen. Damit ist SCO der Replikationsleistung des Openexchange- Servers von SuSE einen Schritt voraus, zumal SuSE trotz Ankündigung zur diesjährigen CeBIT eine Outlook-Echtzeitanbindung nicht vorweisen konnte.

Wer ohne MAPI seine Clients per IMAP mit dem Cyrus-Server synchronisieren will, freut sich über ein Feature der Server-Seite: Über das Menü »Client-Setup« ist es möglich, IMAP-Clients wie Outlook Express oder Outlook automatisch zu konfigurieren, also die dort benötigten Benutzerkonten zum Zugriff auf den Cyrus-MTA einzurichten. »Configure« erzeugt eine Visual-Basic-Skriptdatei mit den Konfigurationseinstellungen des jeweiligen Benutzers und führt sie aus – schon wird das Konto im Client wie von Geisterhand angelegt.

Eine umfassende Exchange-Alternative?

Schon beim Volution Messaging Server sprach Caldera von voller Kompatibilität mit Outlook, sie beschränkte sich aber auf den Umstand, dass Outlook POP, SMTP und IMAP versteht – so wie jeder andere Mailclient auch. Dass damit der Zugriff auf einen Cyrus-IMAP-Server gelingt, ist selbstverständlich. Der neue MAPI-Service des SCO Office Mail Server bietet nun (teilweise) einen echten Ersatz für Exchange-Funktionen, da sich damit Outlooks Mail-, Kalender- und Termindaten weitgehend abgleichen lassen (siehe Abbildung 2).

Bei Groupware-Funktionen wie bei anderen Teilnehmern Termine einplanen oder Zeiträume reservieren reicht das SCO-Produkt aber nicht an den Groupware-Funktionsumfang des SuSE Openexchange Servers oder der Skyrix Web-Groupware 4.1 heran. Für Letztere gibt es seit der CeBIT 2003 ebenfalls einen MAPI-Connector.

Linux-Anwender brauchen Outlook ohnehin nicht und greifen auf den SCO Office Mail Server mit Hilfe des mitgelieferten Webmail-Clients unter »https:// Rechner/horde/imp« zu. Der verwaltet selbstverständlich beliebige IMAP-Folder und erlaubt das Durchsuchen der LDAP-Datenbank. Dabei fungiert der Postfix-MTA als Herzstück der Kommunikationslösung – wie erwähnt leider ohne Administrations-Frontend.

Abbildung 2: Im Outlook-Setup taucht SCO Office als neuer Informationsdienst auf, sobald der MAPI-Connector installiert ist.

Abbildung 2: Im Outlook-Setup taucht SCO Office als neuer Informationsdienst auf, sobald der MAPI-Connector installiert ist.

Fazit: Sowohl als auch

Bei der Serversoftware gefallen Installation und Handhabung, was beim Vorgänger Volution Messaging Server schon so war. Von ihm erbt das Produkt auch die bedauerliche Eigenschaft, dass der Systemverwalter weiter gehende Mail-Funktionalität, etwa virtuelle Domänen, virtuelle Benutzer, Forwarding oder Relaying, manuell mit Postfix und Cyrus IMAP erledigen muss. Hier sind konkurrierende Produkte wie SuSE Openexchange Server überlegen.

Der große Fortschritt gegenüber dem Vorgänger kommt durch den MAPI Service Provider, der aus einer Server-Komponente und den Outlook-Connectoren für Windows besteht. Damit lässt sich der Datenbestand von Outlook tatsächlich mit dem IMAP- und LDAP-Server des SCO-Servers synchronisieren. Der SCO Office Server ist – in Grenzen – als Exchange-Alternative nutzbar. Jedoch ist der Groupware-Funktionsumfang des Produkts begrenzt, die Exchange-Kompatibilität bezieht sich ausschließlich auf Mail, IMAP-Ordner sowie auf Termin- und Kalender-Daten.

Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck: Einem hübsches GUI und der kinderleichten Installation steht gegenüber, dass der Systemverwalter danach umfänglich Hand anlegen muss. SCO ist aber auf dem richtigen Weg und überholt mit dem funktionierenden Connector einige andere Hersteller. Zudem ist das Produkt relativ preiswert. (jk)

SCO Office Mail
Server

Hersteller: SCO GmbH Norsk-Data-Straße 3, 61352 Bad Homburg E-Mail: [infod@caldera.de] Tel.: (61 72) 48 67 0 [http://www.caldera.de]

Internet: [http://www.sco.com/products/SCOoffice/mail/]

Preise: Mehrere Lizenzmodelle, zum Beispiel das Bundel für zehn Mail-Benutzer inklusive Outlook-Connector plus SCO Linux 4.0 und ein Jahr Support: rund 1400 US-Dollar

Anforderungen:

  • Pentium-II-CPU mit 400 MHz, 64 MByte RAM zuzüglich 1 MByte
    pro Benutzer
  • 40 MByte auf der Festplatte zuzüglich
    Mailbox-Speicher
  • Betriebssysteme: United Linux, Caldera Open Linux Server, Open
    Unix 8 mit Linux Kernel Personality
  • Der SCO Office Mail Connector für Outlook läuft mit
    Windows 98, NT, ME, 2000 und XP

Hard-/Software-Bundel: Die Friedrichshafener Firma Bytec bietet relativ günstige All-inklusiv-Angebote mit dem Office Mail Server, Support und Wartung: [http://www.bytec.de/prd/sft/index_de.html]

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