Aus Linux-Magazin 03/2003

Bynari Insight Server

Die texanische Softwareschmiede Bynari hat viel Erfahrung mit dem Anbinden von Outlook-Clients an eigene Server-Produkte. Der Insight Server wiederum setzt auf bewährte Komponenten wie Exim und Cyrus IMAP. Stark ist das Produkt beim Filtern von Spam und in der Virenabwehr.

Der Groupware-Server Insight von Bynari lag dem Linux-Magazin in der Version 3.5.4 als TGZ-Datei zum Testen vor. Anhand der Readme-Datei wird schnell klar, dass es ohne ein paar Vorarbeiten nicht geht. In diesem Punkt fordert das Produkt mehr Kenntnisse als beispielsweise Communigate Pro. So muss der Admin die systeminternen Dienste FTP, Mail, HTTP, POP3 und andere deaktivieren. Andernfalls endet »./setup« mit einer Fehlermeldung.

Wer das Setup erfolgreich gestartet und ein paar Fragen beantwortet hat, bekommt die Meldung, dass er nun das Webinterface ansehen könne. Dafür wird der normale HTTP-Port 80 benutzt, was andere Webserver auf der Maschine natürlich nicht mögen (siehe oben).

Fremde Federn

Bei näherem Durchsehen des 104 Seiten dünnen Handbuchs stellt man fest, dass der Insight Server aus mehreren Fremdmodulen besteht. Zum Beispiel werden Cyrus IMAP und der Mail Transport Agent (MTA) Exim benutzt. Die Prozessliste zeigt, dass auch ein HTTP-Daemon (Apache) und Proftp laufen.

 

Insight Server 3.5.4

Hersteller: Bynari

Internet: [www.bynari.com]

Preise:

Family Standard Edition für 25 User ca. 600 US-Dollar

25 User zusätzlich ca. 500 US-Dollar

100 User zusätzlich ca. 1950 US-Dollar

500 User zusätzlich ca. 9500 US-Dollar

1000 User zusätzlich ca. 18000 US-Dollar

Preise für IBM i- und z-Series auf Anfrage

Die meisten Administrationsarbeiten erfolgen via Webinterface, das auch die wichtigste Eigenleistung von Bynari an dem Produkt ist, denn Insight Server ist im Kern ein Bündel von Fremdprodukten, das ein Webinterface zusammenfasst. Die Abbildung 1 skizziert den Aufbau von Insight Server mit seinen einzelnen Komponenten.

Abbildung 1: Aufbau des Bynari-Insight-Serversystems. (Quelle: Bynari)

Abbildung 1: Aufbau des Bynari-Insight-Serversystems. (Quelle: Bynari)

Ein allgemein bekannter Bestandteil ist Exim. Da die Konfiguration von Exim bei gängigen Distributionen nur hardcore über die jeweiligen Konfigdateien möglich war, erfreut nun eine auf den ersten Blick intuitive Oberfläche. Bei genauerer Betrachtung könnte sie aber durchaus noch etwas intuitiver gestaltet sein. Der Bereich »Basic Configuration« erlaubt das Einstellen von grundsätzlichen Daten wie Hostnamen, Domänen und Relay-Domains. Interessant sind auch die »Performance Options«, die die Leistung von Exim erheblich beeinflussen. So können zum Beispiel die maximalen Größen von Mail oder auch der Spoolspace festgelegt werden.

In den »Advanced Options« darf der interessierte Admin noch diverse Details einstellen. Unter anderem werden hier die LDAP-Defaultserver festgelegt sowie Host-Ausschlüsse (Rejects) und Fehlermeldungen angegeben. Die »Log Options« definieren den Umfang des Logfiles.

Spam bleibt draußen

Der Insight Server kann dank Exim eine Realtime Blackhole List (RBL) verarbeiten. Sie dient zur aktiven Abwehr von Spam über eine Liste, die dezentrale Server verwalten und auf dem neuesten Stand halten. Hierzu werden unter »RBL Options« Domänen und Hosts eingetragen, die eine solche Liste verwalten. Eine weitere Möglichkeit der Spam-Kontrolle bieten die Exim-Filter. An eine Änderung der Voreinstellungen sollte sich jedoch nur ein Exim-erfahrener Admin wagen. Es ist bei der Vielzahl der Möglichkeiten sonst ganz schnell passiert, dass der User nach einer Änderung gar keine Mails mehr bekommt.

Als interessantes Feature bietet Exim die tiefer gehende Konfiguration seiner SMTP-Optionen. Hier könnte der Systemadministrator zum Beispiel die maximale »Alive time« einstellen, ebenso wie einen »Receive timeout«. Diese Werte sollten aber nach Möglichkeit nicht verändert werden, da sie an und für sich optimal eingestellt sind.

Zu guter Letzt lässt sich noch das Handling von Nachrichten näher definieren. So kann ein Headertext beim Nachrichtenempfang hinzugefügt oder die maximale Anzahl an gleichzeitig zu empfangenden Headern festgelegt werden. Im Großen und Ganzen ist die Konfiguration von Exim über das Interface des Insight Servers recht vollständig und leicht zu bedienen.

Den Viren weniger Chancen

Dank RAV gibt es für Viren beim Insight Server kaum noch eine Chance. Leider liefert Bynari nur eine 60-Tage-Testversion des RAV-Antivirus-Pakets mit. Dafür zuständig ist der Menüpunkt »RAV Setup« (siehe Abbildung 3). Interessant ist hierbei, dass die »RAV Action Configuration« nicht nur einzelne Aktionen bei Virenbefall verändert, man kann darüber hinaus auch eigene Aktionen anlegen. Die Zuordnung legt der Admin über die »RAV Groups Configuration« fest. RAV benutzt Gruppen, um eingehende Mails zu behandeln.

Abbildung 2: Weboberfläche zur Konfiguration von Exim.

Abbildung 2: Weboberfläche zur Konfiguration von Exim.

Abbildung 3: Die RAV-Konfiguration. Leider wird nur eine 60-Tage-Testversion mitgeliefert.

Abbildung 3: Die RAV-Konfiguration. Leider wird nur eine 60-Tage-Testversion mitgeliefert.

An dieser Stelle wird auch definiert, wann und wie das System Mails scannt und was bei einem Virenbefall zu geschehen hat: Von der selbstverständlichen Benachrichtigung des Empfängers über die Warnung des Absenders bis hin zu der heimlichen Behandlung der E-Mail ist vieles möglich – zum Beispiel Gruppen für einzelne Domains anlegen, damit Mails aus dem Intranet anders behandelt werden als solche aus dem Internet.

Für die Benutzerverwaltung ist nicht unbedingt das Webinterface erforderlich, der Admin kann auch alles von Hand einstellen, da Bynari Open-LDAP und Cyrus zum Adress- und Mail-Handling nutzt. Zum Einstellen dient eine LDIF-Datei (LDAP Directory Information File). Das Format dieser Textdatei ist einfach: In einer Zeile stehen Parameter und der zugehörige Wert.

Leider gibt es offenbar keine Möglichkeit, mehrere Benutzer gleichzeitig zu importieren. Admins, die noch programmieren können, schreiben sich aber dafür anhand von Readme- und FAQ-Dateien kleine Tools, mit denen sie das LDIF-File aus anderen Dateien oder gar einer Datenbank herausholen und in den Insight Server übertragen.

 

SCO Office Mail Server 2.0

Erst nach Redaktionsschluss – zu spät für einen richtigen Test – erreichte uns der SCO Office Mail Server (ehemals Volution Messaging Server) in der brandaktuellen Version 2.0. Die ausführliche HTML- und PDF-Dokumentation vermittelte einen ersten Eindruck. Das deutsche Benutzerhandbuch für den Client ist enthalten; die Erste-Schritte-Anleitung und der Administrator-Guide sind nur in englischen Versionen auf der CD. Das Produkt selbst kommuniziert in Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Polnisch.

SCO Office Mail Server 2.0 lässt sich auf den Linux-Distributionen von SCO installieren, auf United Linux und per Linux-Kernel-Personality auch auf Unixware 7.1.3. Das Produkt soll auf Standardhardware bis zu 2500 User gleichzeitig bedienen können.

Die wichtigsten Neuerungen sind der Webmail-Client Horde IMP 3.1 und der aktualisierte SCO Office Mail Connector für Microsoft Outlook; für Letzteren sind allerdings zusätzliche Lizenzgebühren pro Client fällig. Dann funktionieren aber auch Shared Folder, Gruppentermine und andere Groupware-Funktionen.

Neue Komponenten

Die Doku hebt den neuen IMAP-Server hervor (Cyrus 2.1.0). Weitere Komponenten sind:

  • Postfix Mail Transport Agent (MTA)
  • Cyrus Message Store
  • Apache-Webserver für die Admin-Oberfläche
  • Authentifizierung und Administration über OpenLDAP

Durch den Cyrus Message Store benötigen die Mail-User keinen Account auf dem Server; Cyrus benutzt OpenLDAP und das LDAP-PAM-Modul, um die Benutzer zu authentifizieren.

Dem Admin steht eine Menge Tools zur Seite: Mit über 30 speziellen Kommandozeilen-Programmen legt er Mail-Benutzer an, ändert ACLs, fragt Kalenderdaten ab oder setzt Passwörter. Wem das zu viel ist: SCO hat auch ein Webfrontend entwickelt; für die Administration des Linux-Systems steht zusätzlich Webmin bereit. Ein User-Account umfasst:

  • allgemeine Infos wie Name, Passwort und Telefon
  • E-Mail-Adresse mit zusätzlichen Parametern (etwa Mail-Weiterleitung)
  • Cyrus Inbox
  • Auto-Reply-Funktionen (Abwesenheitsmails)
  • Spam-Filter mit Realtime Blackhole List
  • Quotas
  • einfache Maillisten (Aliase)

Eine eigene Backup-Funktion ist nicht enthalten; der Admin-Guide verweist auf die Standard-Tools Tar, Cpio und Afio. Der Server enthält auch Programme, die eine Konfiguration für verschiedene Outlook-Versionen erzeugt. Für Netscape, Eudora, KMail und IMP bietet die Webapplikation detaillierte Anleitungen dafür, was der jeweilige Benutzer konkret in seinem Programm einstellen muss.

Sicherheit

Per Default verlangt der Open Mail Server POP-before-SMTP: Benutzer dürfen erst über den SMTP-Server Mails versenden, wenn sie vorher ihre Mailbox mit POP oder IMAP abgefragt haben. So stellt der Server sicher, dass er nicht als Open Relay missbraucht wird, die User aber trotzdem von beliebigen Netzen aus den SMTP-Server benutzen können.

Eine Antivirus-Software liefert SCO nicht mit. Sie lässt sich aber leicht nachrüsten, da Postfix über »content_filter« eine Schnittstelle für externe Scanner enthält. Der Admin-Guide beschreibt die nötigen Schritte. SSL-verschlüsselte Verbindungen sind für den Zugang zum Webserver vorgesehen; auch der IMAP- und der POP-Server lassen sich mit SSL sichern.

SCO Office Mail Connector

Mit dem SCO Office Mail Connector können Benutzer der Mircosoft-Outlook-Versionen 97 bis XP Funktionen nutzen, die ihnen sonst nur mit einem Exchange-Server offen stehen. Das Handbuch hebt die folgenden Features hervor:

  • gemeinsame globale Adressbücher
  • gemeinsame Nachrichtenordner
  • gemeinsame Kontakte
  • gemeinsame Kalender
  • Kalender- und Ordner-Delegierung
  • gemeinsame Formularbibliotheken

Der Connector blendet zudem eine zusätzliche Werkzeugleiste ein, mit der Anwender E-Mail-Konten konfigurieren, Ordneroptionen wählen, Ordner gemeinsam nutzen und Zugriffsberechtigungen für Ordner einstellen.

Das User-Handbuch beschreibt auch einen einfachen Migrationspfad für Exchange-Flüchtlinge: Nach dem Installieren der SCO-Software stehen im Outlook-Client beide Server zur Verfügung. Jeder Anwender kann seine Ordner aus dem Exchange-Postfach in das Postfach auf dem SCO Open Mail Server kopieren. Als Ersatz für die globale Adressenliste von Microsoft Exchange liefert SCO einen LDAP-Client für Microsoft Outlook mit.

Die Preise für den Office Mail Server sollen sich nach der Anzahl der eingeloggten Clients richten, sie lagen bei Redaktionsschluss aber noch nicht vor. ( fjl)

Wechselbäder

Damit ist Insight Server in der Lage, Benutzerinformationen aus Exchange 5.5 zu importieren – wenngleich das nicht ganz trivial ist. Der Kasten “Exchange-Migration” beschreibt die ersten Schritte. Mit Exchange 2000 funktioniert das beschriebene Verfahren allerdings nicht. Im Handbuch von Insight Server steht jedoch beschrieben, wie mit Daten von Exchange 2000 umzugehen ist.

 

Exchange-Migration

Mit ein paar Kniffen ist der Insight Server in der Lage, Benutzerinformationen aus Exchange 5.5 zu importieren. Wenn beispielsweise Daten vom Exchange-Server unter der IP-Adresse 192.168.1.13 importiert werden sollen, geschieht dies mit dem Kommando:

mail:/home/tom # ldapsearch -L -h 
192.168.1.13 "uid=*" > exchange.ldf

Sind nur bestimmte Felder aus dem Datenstamm des Exchange-Servers zu übernehmen, etwa weil einige Daten ausgetauscht oder manuell eingesetzt werden sollen, dann muss das Kommando nur wie folgt ergänzt werden:

mail:/home/tom # ldapsearch -L -h 
192.168.1.13 "uid=*" objectclass cn rdn 
Company uid givenName mail > exchange.ldf

Die ergänzten Felder stellen nur eine Referenz dar. Tatsächlich werden lediglich die praktisch benötigten Felder angegeben. Nachdem die Datei mit den Daten vom Exchange-Server erzeugt ist, müssen eventuell noch »dn:«-Parameter auf das Bynari-LDAP-Format angepasst werden. Jetzt kommt »ldapadd« (oder »ldapmodifi«, falls die zweite Zeile jedes Eintrags »changetype: add« enthält) zum Einsatz:

mail:/exchangedata # ldapadd -cv -D 
"cn-manager, c=US" -w Passwort -f U exchange.ldf

Damit kennt Insight Server den User-Bestand des Exchange-Servers. Der Cyrus-Mailserver weiß davon aber noch nichts. Er bekommt seine User-Basis über das »cyradm«-Kommando mitgeteilt, dem eine Tcl-Datei mitgegeben wird, die die User-Daten enthält. (Neuere Cyrus-Versionen würden hier ein Perl-Skript erwarten.)

Fazit

Der Bynari Insight Server ist ein gutes und durchdachtes Produkt, das über ein Webinterface zu administrieren ist – allerdings nicht durchgängig komfortabel. Als Vorteil gegenüber den Mitbewerbern ist zu sehen, dass Insight Server aus einzelnen Modulen besteht, die sich im Falle eines Updates einzeln erneuern lassen. (Oliver Kluge, jk)

 

Der Autor

Thomas Grahammer ist studierter Informatiker und war lange Jahre als Systemadministrator und Programmierer tätig. Seit Sommer 2002 betreibt er ein eigenes kleines Softwarehaus im tiefen Süden Bayerns. Er beschäftigt sich überwiegend mit LAMP-Programmierung und Linux-Administration.

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