Aus Linux-Magazin 01/2002

Konsole, SuSE, Star Office, Emacs und die Einheitswährung

 Bei Erscheinen dieser Ausgabe sind es nur noch wenige Wochen bis zur Einführung des Euro als grenzüberschreitende Währung. Ist Ihr Desktop bereits Euro-fähig?

 Mit unseren Tipps zur Umstellung auf Truetype-Fonts (siehe “Kanten aalglatt” auf Seite 32) sind Darstellung und Ausdruck des Euro-Symbols mit [AltGr]+ [E] kein Problem, soweit man einen verbreiteten Microsoft-Truetype-Font wie etwa Verdana oder Arial verwendet.

 Grundsätzlich gehört aber schon etwas Hintergrundwissen über Zeichensätze, Tastaturlayouts und X11-Zeichentabellen beziehungsweise den Aufbau der Xmodmap sowie über hard- und softverdrahteten Tastaturtabellen dazu. Erst dann sind die Zusammenhänge zu verstehen, die mit der Verfügbarkeit des Euro-Symbols zu tun haben. Nähere Ausführungen zu diesem Thema findet man beispielsweise unter [1] und [2].

Euro für junge …

 Hier ein paar Tipps zu aktuellen Distributionen. Am einfachsten ist die Methode der Änderung des Tastaturlayouts. Seit der Version 7.2 verfügt SuSE Linux über eine richtige Euro-Unterstützung. Hier kommt es insbesondere auf die Verfügbarkeit in KDE 2 an. Um Sonderzeichen für sämtliche Applikationen verfügbar zu machen, muss prinzipiell das Tastaturlayout geändert werden. KDE 2 enthält beim Update von KDE 1.x einen Bug, der verhindert, dass Tastatur-Anpassungen übernommen werden können – die Datei »Xmodmap« wird nicht ausgewertet.

 Damit Tastatur-Änderungen trotzdem unter KDE 2 geladen werden, kann man etwa ein kleines Startskript für den Autostart-Ordner basteln (siehe Kasten “Bekannte Fehler …”). Dazu wird die Tastaturtabelle wahlweise in der eigenen benutzerspezifischen »~/.Xmodmap« oder global in »/usr/X11R6/lib/X11/ Xmodmap« oder »/etc/X11/Xmodmap« erweitert, wodurch nicht nur weitere Symbole verfügbar werden, sondern sich auch interessante neue Optionen ergeben. So lassen sich die ziemlich überflüssigen Win95-Tasten auch für andere, selbst definierte Zwecke einsetzen, die Win95-Menü-Taste ist etwa auch in Star Office verwendbar. Das Startmenü von KDE kann man zum Beispiel auf die linke Win95-Taste legen. Damit Änderungen an der Datei wirksam werden, muss der X-Server neu gestartet werden. Alternativ kann man auch das Programm »xmodmap« verwenden. Die Key-Bindings und Codes sind mit dem Programm »xev« abfragbar.

 Übrigens können Symbolnamen auch durch ihren hexadezimalen Wert aus der Zeichensatztabelle ersetzt werden (Euro-Symbol = 128 = 0x0080). Bei Schreib- oder Syntaxfehlern wird die Datei nicht geladen. Außerdem überschreiben alle Einträge in der privaten »~/.Xmodmap« die entsprechenden Einstellungen der globalen »Xmodmap«.

… und angegraute Herrschaften

 Bei älteren SuSE-Systemen (etwa 7.0) sind einige Handgriffe erforderlich. Die »$LANG«-Umgebungsvariable ist zuerst auf »de_DE.ISO-8859-15« zu setzten. Zudem braucht man wie erwähnt einen Euro-fähigen MS-Truetype-Font wie Arial. (»KDE-Kontrollzentrum | Erscheinungsbild Schrift«, Schrift »Arial«, Zeichensatz »iso-8859-15«). Der Euro-Symbol-Keycode ist übrigens »26 = e E 0x00a4 0x0080«. Auch ist die Xterm-Schrift in »~/.Xdefaults« zu ändern:

xterm*font: -misc-fixed-medium-r-normal U --15-140-75-75-c-90-iso8859-1

 

 Abschließend empfiehlt es sich zu überprüfen, dass es die Schriften auch gibt, zum Beispiel mit:

xfd -fn '-microsoft-arial-medium-r-normal U -*-*-110-*-*-p-*-iso8859-15'

 

 Die entsprechenden Änderungen werden erst wirksam, wenn sie in »~/ .bashrc« oder »~/.profile« eingetragen wurden. Nach Abschluss der ganzen Prozedur ist ein Neustart des X-Servers via KDM fällig.

 Noch ein Hinweis zu Star Office: Normalerweise liegt das Euro-Symbol (auch bei der Verwendung von MS-Truetype-Fonts) in Star Office auf [AltGr]+[E]. Bei Verwendung der Star-Office-eigenen Schriften (etwa Times, Helmet) jedoch ist das Euro-Symbol über [AltGr]+ [Shift]+[E] zu erreichen, weil die Star-Office-Schriften aus Kompatibilitäts-Gründen über eine Windows-cp1252-Kodierung verfügen.

Kommandozeilen-Euro

 Weit profaner als bei integrierten Paketen geht es zu, wenn man den Basisanwendungen das Euro-Zeichen beibringen möchte. Das gilt vor allem dann, wenn es um die Aktualisierung einer bestehenden älteren Installation geht und kein generelles Upgrade in Frage kommt.

 Im Grunde besteht die Einführung des Euro in einer Anwendung immer aus zwei Schritten:

  •  Bereitstellung des richtigen Fonts
  •  Tastaturmapping von [Alt]+[E]

 

 Das Beispiel zeigt die Euro-fizierung eines Systems mit SuSE Linux 6.4 und Kernel 2.2.19. Auf der Konsole ist recht wenig zu tun – die Keymap »de-lat1-nd« enthält »de-latin1« und diese wiederum enthält auch »euro.map«.

 Den Konsolenfont stellt die Variable »CONSOLE_FONT« in der »/etc/rc.config« ein:

CONSOLE_FONT="lat0-16.psfu.gz"

 

 Etwas mehr Handarbeit ist unter X11 erforderlich. Zunächst ist es wichtig, die aktuelle Version von Xfree86 zu installieren, derzeit 4.1.0. Sie beinhaltet auch die Euro-tauglichen Fonts für ISO-8859-15. Die Font-Pakete »Xfnts.tgz« und »Xf100.tgz«[3] werden in vielen Fällen ausreichen, die anderen Fonts für 75 dpi et cetera befinden sich an gleicher Stelle. Die Tar.gz-Archive braucht man nur unter »/usr/X11R6« auszupacken und anschließend mit

for i in lib/X11/fonts/* ; do
    if test -d $i ; then
       echo $i
       mkfontdir $i
    fi
done

 

 dem X-Server zur Verfügung zu stellen. Von Hand anpassen muss man allerdings die Einträge in »/usr/X11R6/lib/ X11/fonts/*/fonts.alias«, damit die wichtigsten Fonts per Alias ansprechbar sind, beispielsweise für Xterm mit 6×13-Font unter »fonts/misc«:

6x13euro     -misc-fixed-medium-r- U semicondensed--13-120-75-75-c-60-iso8859-15
6x13Beuro    -misc-fixed-bold-r U -semicondensed--13-120-75-75-c-60-iso8859-15
6x13Oeuro    -misc-fixed-medium-o- U semicondensed--13-120-75-75-c-60-iso8859-15

 

 In »$HOME/.Xmodmap« sorgt zudem der Eintrag

keycode  26 = e E currency

 

 für das richtige Tastaturmapping, weil unter SuSE 6.4 merkwürdigerweise nicht das »EuroSign« das Euro-Zeichen bringt, sondern »currency«.

 Xterm kann man global auf Euro-Fonts umstellen mit einem Eintrag in seiner »$HOME/.Xdefaults«:

xterm*font:    6x13euro

 

 Der allseits beliebte Texteditor Emacs (getestet mit Xemacs 21.4) lernt den Euro mit folgendem Eintrag in ».Xdefaults«:

Emacs.default.attributeFont: -adobe- U courier-medium-r-normal--12-120-75-75-m- U 70-iso8859-15

 

 Jeder andere Font mit ISO-8859-15 lässt sich hier gleichermaßen verwenden. Leider bietet Xemacs 21.4 über seine Pulldown-Menüs zwar die Einstellung von Fonttyp und -größe an, nicht aber die Codeseite.

 Wenn man dann noch in seiner ».emacs« einen kurzen Lisp-Schnipsel einbaut, fügt [Alt]+[E] das Euro-Zeichen an der aktuellen Cursorposition ein:.

(define-key global-map '(currency) '[Û])

 

 Statt »global-map« kann man auch jede andere vordefinierte Map nehmen, wenn beispielsweise das Euro-Zeichen nur im Textmodus, nicht aber im Perl-Modus erscheinen soll.

 [Alt]+[C] für das Cent-Zeichen funktioniert bereits unter SuSE Linux 6.4 ohne weitere Anpassungen.

 

Bekannte Fehler und Probleme

 Die Datei »Xmodmap« wird nicht eingelesen, wenn sie einen Tippfehler enthält. Hierbei wird zwischen Groß- und Kleinschreibung unterschieden. An einem X-Terminal ist die Fehlerfreiheit leicht zu prüfen: Wenn nach dem Befehl »xmodmap Xmodmap« keine Fehlermeldungen erscheinen, wurde die Datei akzeptiert.

 Einträge in der privaten »~/.Xmodmap« überschreiben immer die globale »Xmodmap«. Falls das Layout nicht in der gewünschten Form geändert wird, sollte man einmal beide Dateien überprüfen. Bei neueren Linux-Distributionen findet sich die globale unter »/etc/ X11/Xmodmap/«. Das Verzeichnis »/usr/ X11R6/lib/X11/« enthält dann nur noch einen symbolischen Link.

 KDE 2 lädt die »Xmodmap« oder »~/.Xmodmap« nicht und macht die Änderungen wieder zunichte. Das neue Tastaturlayout bleibt dann natürlich unwirksam. Zur Lösung des Problems kann man folgendes kleine Startskript übernehmen, das man am besten in den Autostart-Ordner, und zwar nach »~/.kde2/Autostart«, »~/Desktop/Autostart« oder global nach »/opt/kde2/share/autostart« kopiert. Hierdurch werden die Xmodmaps nach dem KDE-2-Start nochmals eingelesen:

#! /bin/sh
#global
test -r /usr/X11R6/lib/X11/Xmodmap && 
   xmodmap /usr/X11R6/lib/X11/Xmodmap
#local
test -r ~/.Xmodmap && xmodmap ~/.Xmodmap

 

 Leider ist der Autostart-Ordner bei SuSE 7.2 mit KDE 2 falsch eingestellt. Der Ordner der Desktop-Verknüpfung zeigt auf »~/Desktop/ Autostart«, der Pfad in der KDE-2-Systemeinstellung dagegen auf »~/.kde2/Autostart«. Es darf aber nur einen Ordner geben.

 

 

Infos

 [1] [http://www.teamstaroffice.org/de/howto/lineuro.html]

 [2] [http://www.zdv.uni-mainz.de/JoguBits/24/jogu24_4.html]

 [3] [http://ftp.xfree86.org/pub/XFree86/4.1.0/binaries/Common/]

 [4] [http://www.linux-verband.de/einsatz/euro/]

 [5] [http://www.linuxdoc.org/HOWTO/mini/Euro-Char-Support/]

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