Die an abrupten Strategiewechseln reiche Geschichte des ehemaligen Palm-Betriebssystems soll sich in flachen Fernsehern fortsetzen.
Obwohl die beteiligten Firmen sich über die finanzielle Seite der Transaktion ausschweigen, lässt sich der gerade bekannt gewordene Deal auch als Business-Case Beispiel für ein Open-Source-Projekt betrachten: Hewlett-Packard verkauft das Open-Source-Projekt Web OS mit Mann, Maus, Dolumentation, Websites und den Nutzungsrechten an Patenten an LG. Der südkorianische Konzern übernimmt damit die Führung bei den Projekten Open Web OS und dem Javascript-Framework Enyo. LG war offenbar auf der Suche nach einem leistungsfähigen Linux-Betriebssystem für Smart-TV und weiterer Geräteklassen, bei denen sich Käufer zunehmend anhand der Softwarequalität von Firmware und Apps entschieden.
HP dagegen entledigt sich eines nur anfänglich geliebten Adoptivkindes: In den Besitz des Systems gekommen waren die Amerikaner im April 2010 als sie den Handheld-Pionier Palm für 1,2 Milliarden US-Dollar übernahmen. Ersten Ankündigungen zufolge prophezeite die neue Besitzerin des von der Kritik stets hoch gelobten Systems eine lichte Zukunft. Doch bereits im August 2011 verkündete der damalige HP-Chef Léo Apotheker das Aus. Die bereits produzierten Web-OS-2- und Web-OS-3-Smartphones und -Tablets wurden zu drastisch reduzierten Preisen angeboten, die betreffenden HP-Webshops brachen unter dem enormen Kundenantrang zusammen. Einen Monat später musste Apotheker seinen Hut nehmen.
Die neue HP-Chefin Meg Whitman revidierte zwar einige Entscheidungen ihres Vorgängers, bestätigte im Kern aber dessen Ablehnung von Web OS und setze stattdessen auf Windows Phone als HPs bevorzugtes Mobilsystem. Ende 2011 verkündete Whitman, es als Open-Source-Projekt Open Web OS auszulagern. Ende 2012 tauchten erste Gerüchte auf, dass LG Interesse habe, den ganzen Komplex zu übernehmen.




