Offensichtlich hat die Breisgaustadt nach der Abschaffung freier Software erhöhten Bedarf an IT-Personal. Die zusätzlichen Stellen werden nötig, um die Migration auf Microsofts neue Office-Produkte zu stemmen, meldet ein regionaler Radiosender.
Die Meldung ist kurz, aber im Tonfall eindeutig. Deutschlands ältester freier Radiosender Radio Dreyeckland meldete letzten Samstag, dass die Abschaffung freier Office-Software in Freiburg offenbar teurer werde als vorgesehen, weil es mehr neue Stellen brauche als bisher vorgesehen. Insgesamt seien durch die Re-Migration zu Microsoft Office sogar über 8 neue Stellen notwendig, wenn die 7 im Haupt- und Personalamt notwendigen Stellen plus 1,3 Beamte beim Amt für Bürgerservice einberechnet würden.
Allein “das Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung [sei] mit 5,3 Stellen am Stellenaufwuchs beteiligt. […] Als Grund wird das IT-Gutachten angegeben, mit dem in Freiburg Anfang Dezember das […] Open-Source-Experiment beendet wurde”, schreibt der als eher linkslastig geltende, aus Spenden und Rundfunkgebühren finanzierte, ehemalige Piratensender, der in seiner Meldung unter dem Titel “Prämie für Open-Source-Abschaffung” die grünen Stadtoberen deutlich kritisiert. Freiburg hatte nach einem mehrjährigen Experiment mit Open Office und Microsoft Office im Herbst einen Stadtratsbeschluss von 2009 gekippt, der eine Öffnung hin zu freien Standards vorgesehen hatte und dafür viel Kritik einstecken müssen (das Linux-Magazin berichtete).
Radio-Ente?
Update:Wir haben das Freiburger Grünen-Stadtratsmitglied Timothy Simms um eine Stellungnahme gebeten, was denn an der Meldung des Radiosenders dran sei, und unter anderem diese Antwort erhalten:
“Richtig ist, dass die IT-Abteilung personell verstärkt wird. Das ist auch richtig so. Es lag nicht zuletzt am knappen Personal, dass zwischen IT und Ämtern in den letzten Jahren ein eher angespanntes Verhältnis entstand und auch die Implementierung von Open Office letztlich nicht richtig ins Laufen kam. Begründet wird dieser Personalzuwachs mit der Organisationsuntersuchung des Amtes, was die IT verantwortet. Die Open-Office-/MSO-Sache ist zwar Teil dieses Gutachtens, aber eben nur ein kleiner Teil.
Nun zu behaupten, dass der gesamte Stellenzuwachs etwas mit der Migration zu MSO zu tun habe, ist [..] nicht nur schlecht recherchiert, […] sondern Spekulation aufgrund einer einer Gemeinderats-Drucksache, die wohl nicht verstanden wurde. Im Gegensatz zu RDL habe ich mehrfach mit dem Amtsleiter gesprochen und kenne auch die Teile der Organisationsuntersuchung, die nicht im Zuge der Officefrage öffentlich gemacht wurden. Insofern weiß ich, dass die Stellen im wesentlichen für einen vernünftigen Helpdesk und vernünftige Schnittstellen zu den Fachämtern gebraucht werden – also Maßnahmen, die vollkommen unabhängig von der Officefrage sind.

Timothy Simms, stellvertretender Vorsitzender der Grünen im Freiburger Gemeinderat. (Quelle: Die Grünen Freiburg)
Auch laut Auskunft des Amtsleiters handelt es sich um eine Stelle für die Abteilungsleitung IT. Die restlichen Stellen sind Helpdesk und Kundenbetreuung (also die Schnittstelle zu den Fachämtern und ihren Fachanwendungen). Für die MSO-Migration sind – wie auch in der Drucksache G12/223 vorgesehen – 0,5-1 Stellenanteile vorgesehen. Die 5 Stellen sind Folge der Organisationsuntersuchung, siehe die Anlage 9 der Drucksache. Deren Original findet sich zum Beispiel hier.
Mit anderen Worten: Die aktuelle Beschlusslage wird nun auch umgesetzt. Nichts anderes. Eigentlich ist die Meldung von Radio Dreyeckland damit eine Falschmeldung.”





Mehr Personal im Bereich Helpdesk / Support hätten auch die Migration zu OpenOffice / LibreOffice stark unterstützt, bzw. sie wären für einen erfolgreichen Wechsel wahrscheinlich notwendig gewesen. Wir haben in der Firma selbst von MSO zu LO/OOo migriert und ohne deutlich erhöhten Support wäre das ganze total den Bach runter gegangen. (War auch so schon schwer genug.) Mit mehr Personal hat die Einführung von MSO2010 natürlich eine viel bessere Voraussetzung.
Egal wieviel Support man bei der Migration leistet, es gibt einfach Dinge (sogar grundlegende), die kann LO/OOo nicht leisten. Daher ist ein Enterprise-Einsatz von LO/OOo mehr als fraglich.
Nach der Migration läuft LO/OOo ganz gut auch im Firmenumfeld. Klar ist nicht alles perfekt, das war es aber mit MSO zuvor auch nicht. Die wenigen Dinge, die MSO vielleicht besser kann, brauchen 98% der Nutzer nicht. Und die, die sie bräuchten, wissen sich anderweitig zu helfen. Bisher habe ich noch nichts gefunden, was nicht mit LO/OOo lösbar gewesen wäre.
Ich als Laie frage mich von welchen grundlegenden Dingen du redest