Unter “Vermischtes” in verschiedenen Tageszeitungen im Sommer war zu lesen, dass sich eine Trauerschwänin in Münster in ein Tretboot verliebt habe, das auf dem Aasee dümpelte. Das Tier ist nicht blind – das menschliche Freizeitgerät ist nämlich einem Schwan nachgebaut, wenngleich einem weißen. Von besonderer Cleverness des Vogels zeugt das Ganze aber auch nicht. Nach Aussage des örtlichen Zoobetreibers, kämen solche Dinge schon mal vor: Eulen verlieben sich in Zapfsäulen, Kamele in Autos. Na ja.
So gesehen hätte die Verblüffung, als Novell und Microsoft kürzlich ihre Liaison bekannt gaben, nicht so groß sein dürfen, wie sie dann schließlich war (Bericht und Stimmen auf den Seiten 16 und 17). Novells Motive lassen sich aber leicht herleiten. Ein börsennotiertes Unternehmen ist gegenüber seinen Aktionären verpflichtet den Unternehmenswert zu stärken. Wenn der Aktienkurs nach der Ankündigung 15 Prozent steigt und zudem flockige 200 Millionen US-Dollar cash in die Kasse fließen – why not? Letztlich verkauft Novell Microsoft Linux-Distributionen. Das ist so, als würde Pepsi dem Erzrivalen Coca-Cola einen Lkw voll brauner Brause andrehen.
Und mit der Patentklagen-Freistellung kann Novell beim zögerlichen Kunden prima argumentieren: (Nur) bei uns kriegen Sie das saubere Linux. Erwartungsgemäß steht Red Hat jetzt blöd da und schiebt ein halb gares Garantieprogramm hinterher. Nur was hat Microsoft von dem Deal? Interoperabilität, nach eigener Aussage. Das mag beim Trendthema Virtualisierung stimmen; hier laufen die Ballmerianer beständig hinterher. (Ich habe jedenfalls noch keinen MS Virtual Server 2005 R2 irgendwo im Einsatz gesehen.)
Wo bitte sonst braucht Microsoft Hilfe von Novell? Die Redmonder betreiben schon länger ein eigenes Linux-Labor. Und um bei den Office-Formaten gut Wetter für Microsofts XML-Dialekt zu machen, wäre Sun die bessere Adresse. Aber beim Wort “Interoperabilität” klingelt’s dann doch: Die größte Softwarefirma der Welt steht rund um den Globus unter Daueranklage der Kartellbehörden, heftige Strafzahlungen inklusive. Ein wiederkehrender Vorwurf der Wettbewerbshüter ist, dass Microsoft die Interoperabilität mit Programmen anderer Anbieter durch Geheimniskrämerei verhindere.
Und da kommt der Deal wie gerufen. “Euer Ehren, wir arbeiten doch mit einer riesengroßen Linux-Firma genau deswegen zusammen!” Wahrscheinlich ist dieser Satz gerichtsnotorisch mehr Wert als die Kohle, die an Novell fließt. Microsoft müsste die Kosten des Deals darum eigentlich auf die Kostenstelle “Kartell-Trouble” buchen, statt auf die von “Fit durch Technik”. Und damit der Spaß nicht zu kurz kommt, stänkert Steve Ballmer genüsslich, es sei mit dem Patentabkommen amtlich, dass Linux geistiges Eigentum von Microsoft benutze – sonst hätte Novell die Klausel ja nicht unterschrieben.
Das ist aus Linux-Sicht schon ein bisschen schade, denn die
Wunde der SCO-Klage war mangels Beweissubstanz am Verheilen. Da
hilft es nicht, wenn Novell-CEO Ron Hovsepian jetzt wimmert, so
dürfe man das bitte nicht verstehen. In Europa gegen
Softwarepatente sein und sie in den USA als vermeintlichen Teil der
Geschäftsrealität akzeptieren – so etwa beschrieb
Holger Dyroff auf der Linuxworld Expo die Doppelstrategie seines
Arbeitgebers Novell. Ob dieses auf Kurzsichtigkeit der Gemeinde
bauende Kalkül funktioniert, bezweifle ich. Das Tre






