Niedrige Preise bei steigender Kapazität haben RAIDs mit IDE-Festplatten zum Durchbruch verholfen. Das Easy-RAID X12 von Starline mit zwölf IDE-Platten und einer Gesamtkapazität von 1,4 TByte bereitet Linux jedoch ungeahnte Probleme.
Die Easy-RAID-Serie von Starline [1] ist für einfache und schnelle Inbetriebnahme konzipiert. Werksseitig ist das X12 als RAID-5 über alle zwölf Platten mit einer Hot-Spare-Reservefestplatte konfiguriert und hat eine Gesamtkapazität von knapp 1,4 TByte. Von den zwei SCSI-Host-Kanälen, über die zwei Rechner gleichzeitig angeschlossen werden können, ist nur der erste aktiv.
Auch das Bedienfeld des RAID sieht nur Grundeinstellungen wie SCSI-ID, LUN oder Auto-Termination am ersten SCSI-Host-Kanal vor. Weitere Optionen sind über die serielle Schnittstelle auf der Rückseite per ANSI-Protokoll einstellbar.
Problematisches Passwort
Die Bedienoberfläche teilt sich in zwei Bereiche, die Menü-Führung links und die Status-Ausgaben rechts. Beim Aufruf des Menüs wird ein Administrator-Passwort verlangt: Das ist entweder eine vierstellige Zahlenkombination oder ein spezielles Master-Passwort, das detaillierte RAID-Konfiguration ermöglicht.
In dieser erweiterten Konfiguration kann der Administrator die SCSI-Kanäle einrichten, RAID-Level und Hot-Spare-Platten anpassen und das Easy-RAID in mehrere virtuelle Laufwerke (Slices) aufteilen und verschiedenen LUNs auf den beiden SCSI-Kanälen zuordnen.
Tückisch ist das Master-Passwort: Es ist anders als das normale Admin-Passwort nicht änderbar. Damit steht jedem, der Zugriff auf die serielle Schnittstelle hat, die Tür für Missbrauch offen. Es ist also besser, nach Einrichtung das Schnittstellenkabel zu entfernen. Unpraktisch ist, dass es keine Taste zum Auffrischen der Bedienoberfläche gibt. Wird das Terminalprogramm erst nach Einschalten des RAID gestartet, muss man die Einstellungen fast im Blindflug treffen, da nur neu geöffnete Menüs angezeigt werden.
Die 1-TByte-Grenze
Unerwartete Linux-Probleme bereitete die Größe des Easy-RAID: Blockgeräte mit mehr als 1 TByte Kapazität werden erst seit Kernel 2.4.11 unterstützt. Mit Kernel 2.4.10 einer SuSE Linux 7.3 ist lediglich der Lesezugriff möglich, Schreibzugriffe werden stets mit »cannot write to /dev/sdb« oder entsprechenden Fehlermeldungen quittiert.
Auch LVM ist erst in neueren Versionen für Volumes über 1 TByte ausgelegt. Das Zusammenfassen zweier 550 GByte großer Laufwerke funktionierte unter SuSE Linux 7.3 zwar zunächst, die Initialisierung misslang aber.
Problemfall Server-Distributionen
Das Problem der 1-TByte-Grenze trifft besonders die Server-Distributionen von SuSE und Red Hat. SuSE Enterprise 7 arbeitet noch mit Kernel 2.4.7, im Maintenance-Web der Nürnberger [2] liegt allerdings der zertifiziert Kernel 2.4.16 mit SuSE-Anpassungen bereit. Nach dem Update gibt es aber noch Probleme mit »mke2fs«, am Ende der Partition konnten die Inodes nicht mehr angelegt werden. Mit ReiserFS und Kernel 2.4.16 gab es keine Probleme.
Red Hats Advanced Server 2.1 wird mit Kernel 2.4.9 ausgeliefert und verträgt ebenfalls keine Blockgeräte mit mehr als 1 TByte. Anders als bei SuSE gibt es keinen aktualisierten Kernel, der größere Festplatten verwalten könnte, wie uns Dirk Haaga von Red Hat Deutschland bestätigte. Aber auch mit Kernel 2.4.18 sind noch nicht alle Probleme für große Festplatten gelöst. So ist die Angabe der verfügbaren Blöcke im Kernel negativ, was auf einen Überlauf hindeutet.
Leistungsdaten
Als Vergleichsgerät im Leistungstest diente das IDE-RAID-System IFT-6300U3 von Starline aus [3]. Beim Lesen mit Bonnie++ (Version 1.09) erreichte das Easy-RAID X12 mit 52,2 MByte/s und 16,4 MByte/s beim Rebuild nur zwei Drittel der Leistung des IFT-6300U3. Anders beim Schreiben, hier hat das Easy-RAID mit 68,9 MByte/s gegenüber 58,4 MByte/s und während des Rebuilds mit 52,5 gegenüber 38,6 MByte/s klar die Nase vorn.
Im Vergleich mit einem reinen SCSI-RAID macht das Easy-RAID keinen Stich: So erreichte das Starline SR2500 aus [3], das mit acht Ultra-160-Festplatten und einer Gesamtkapazität von 250 GByte ausgestattet war, Transferraten von 91,2 MByte/s beziehungsweise 98,7 MByte/s beim Schreiben und Lesen – unerreichbar für das Easy-RAID X12.
Fazit
Mit reinen SCSI-RAIDs kann das Starline Easy-RAID X12 nicht mithalten, Datenraten von über 50 MByte/s beim Lesen und knapp 70 MByte/s beim Schreiben sind aber durchaus respektabel. Die beiden SCSI-Host-Adapter erlauben zudem den Anschluss von zwei Servern. Durch den Einsatz preisgünstiger IDE-Festplatten bleibt das Easy-RAID X12 mit 8500 Euro bezahlbar – bei einem gleich großen SCSI-RAID würden insgesamt 20 Festplatten benötigt, die allein rund 16000 Euro kosten.
Die angeblich niedrigere Qualität der IDE-Laufwerke, wie sie von Befürwortern reiner SCSI-Lösungen immer wieder ins Feld geführt wird, spielt beim Easy-RAID keine Rolle: Mit Hot-Spare-Platten ist das System gegen Ausfälle weitestgehend gefeit. Selbst bei einer – angenommenen – doppelten und dreifachen Ausfallhäufigkeit sind die IDE-Festplatten noch deutlich wirtschaftlicher, weil sie nur rund ein Achtel des Preises der SCSI-Laufwerke kosten.
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Starline Easy-RAID X12 |
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Hersteller: Starline Computer [www.starline.de] RAID-Level: 0, 1, 3, 5 Bauform: 19-Zoll-Rack, 4 HE RAID-CPU: Intel i80303 Cache: 128 MByte (max. 512 MByte) Netzteil: 2x 450 Watt, redundant Anschlüsse: 4x U160-SCSI, 9-pol. seriell Externes Bussystem: U160 SCSI, 2 Kanäle Internes Bussystem: IDE, UATA-100 Festplatten: 12x 3,5 Zoll, 120 GByte Bedienfeld: Display, Leuchtdioden, Tasten Kapazität: 1,4 TByte Transferrate Lesen (Rebuild): 52,2 (16,4) MByte/s Transferrate Schreiben (Rebuild): 68,9 (52,5) MByte/s Preis: 8500 Euro |
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Infos |
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[1] Starline Computer: [www.starline.de] [2] SuSE Maintenance-Web: [sdb.suse.de/en/psdb/html] [3] Mirko Dölle, Oliver Kluge: “Hoch gestapelt”, Linux-Magazin 11/01 |





