:Herzlichen Glückwunsch, die Wikipedia feiert ihr Zehnjähriges! Allein die deutschsprachige Ausgabe umfasst knapp 1,2 Millionen Artikel – jede Menge Information, gespeichert in Bits und Bytes. Tatsächlich ist “Bit” auch die Maßeinheit für “Information” – für jedermann nachzulesen in Wikipedia. Bei der Gelegenheit erfährt man auch, dass 1948 ein gewisser Claude Shannon von den AT&T Bell Labs das Bit im Rahmen seines Aufsatzes “A Mathematical Theory of Communication” entdeckt hat. Shannon gilt seither als Begründer der Informationstheorie.
:Er war der Erste, der Information nicht als ein Element einer elektromagnetischen Welle ansah, sondern als mess- und vergleichbare physikalische Größe. Seither lassen sich Übertragungstechniken und Kodierungen bewerten. Nur ein Jahr später schuf er mit dem Artikel “Communication Theory of Secrecy Systems” die formalen Grundlagen der modernen Kryptographie und machte sie wissenschaftlich hoffähig. Zwischen den beiden epochalen Artikeln muss es Shannon wohl kurz langweilig geworden sein, sodass er schnell noch eine Theorie der Kanalkapazität erarbeitet hat. Ohne die heute als Whittaker-Kotelnikow-Shannon-Abtasttheorem gehandelte Theorie wäre die Funktionsweise von 90 Prozent unserer elektronischen Alltagsgeräte nicht erklärbar.
:Apropos praktische Wissenschaften: Der 1916 geborenen Mathematiker und Elektrotechniker konstruierte mit der Labyrinthmaus Theseus eine der ersten KI-Anwendungen der Welt. Der Speicher des Blechtiers bestand aus 50 Telefonrelais. Shannon, der auf den Fluren der Labors und Uni, wo er arbeitete, nicht eben selten auf einem selbst gebauten Einrad mit Bällen jonglierend anzutreffen war, vermaß mit seinem “Jugglometer” zudem die Flugzeiten von Ringen und Bälle. Und er ertüftelte eine Maschine, die ohne elektronische Steuerung drei Bälle jonglierte, oder raketengetriebene Frisbees.
:Zusammen mit Ed Thorp entwickelte Shannon 1955 einen am Körper tragbaren Roulettekugel-Vorhersage-Computer. Der Überlieferung nach gewannen Thorp, Shannon und seine Frau Betty dank dieses ersten Wearable Computers in Las Vegas 10 000 Dollar. So war dieser Claude Elwood Shannon: Gewitzt, neugierig, bienenfleißig, verschroben, hochintelligent.
:Der mit Auszeichnungen überhäufte Shannon krönte sein Lebenswerk mit der Konstruktion der Ultimativen Maschine. Nach ihr konnte und kann nichts mehr kommen, kein Supercomputer wird sie je besiegen: Die Maschine ist äußerlich eine schlichte Holzkiste mit einem Schalter an der Vorderseite, der auf Aus steht. Legt jemand den Schalter um, erklingt ein zorniges Brummen und der Deckel der Kiste öffnet sich langsam. Heraus kommt eine Hand, die den Schalter auf Aus stellt. Die Hand verschwindet wieder in der Kiste, der Deckel fällt zu und das Brummen verstummt.
:Vor genau zehn Jahren, am 24. Februar 2001, in Medford, Massachusetts, fiel der Deckel für Claude Shannon. Einen Monat zuvor hatte die Wikipedia das Licht der digitalen Welt erblickt. Ohne Shannon wäre dies und vieles Andere wohl nicht passiert. Das Brummen seiner Ultimativen Maschine sollte uns fehlen.






