Aus Linux-Magazin 01/2011

Im Test: Open IT Cockpit

© MBCH, Photocase.com

Rechner und deren Dienste überwachen, das übertragen Admins gern an aufmerksame Tools wie Nagios. Ein neues, halbkommerzielles Projekt aus Hessen bündelt und verbirgt alles unter einer Oberfläche.

Wer seine IT mit Open-Source-Werkzeugen überwachen will, kommt mit einem Monitoringsystem wie Nagios oder Icinga, mit Cacti zur Erstellung von Performancegrafiken und einem Wiki für die Dokumentation ganz sicher zum Ziel. Gerade in kleinen bis mittleren Umgebungen verursacht die Integration der einzelnen Programme zu einer Gesamtlösung jedoch einen vergleichsweise hohen Aufwand. Dieses Problem versucht ein neues Projekt anzugehen.

Die Software stammt von der Beratungsfirma It-novum, die sich in ihren Projekten neben Systems Management auch um Dokumentenmanagement, Business Intelligence, SAP oder CRMs kümmert. Als Ergebnis aus Kundenprojekten hat die Fuldaer Firma nun in einer Basisvariante Open IT Cockpit auf einer eigenen Projektseite [1] als Open Source veröffentlicht. In der Hauptsache fasst das Projekt verschiedene Open-Source-Tools unter einer zentralen Administrationsoberfläche zusammen, wobei das Thema Availability Monitoring mit Nagios den Kristallisationskern bildet. Darum herum lagern sich weitere Komponenten an:

  • Nagvis [2], ein Visualisierungs-Addon für Nagios und Icinga.
  • Dokuwiki [3], ein einfaches File-basiertes Wiki-System.
  • PNP4Nagios [4], eine Erweiterung zur Langzeitanalyse von Performancedaten für Nagios oder Icinga.
  • Optionale Komponenten, die It-novum für Kunden programmiert hat (siehe Kasten “Erweiterungen”.

Darüber spannt Open IT Cockpit ein zentrales Managementinterface zur Konfiguration und Präsentation dieser Komponenten und Werkzeuge. Im Vordergrund steht hier weniger die Installation der einzelnen Komponenten, sondern ein vereinheitlichter Zugriff darauf.

Die Installation von Open IT Cockpit ist auf zwei Wegen möglich. Der eine führt übers manuelle Installieren aller benötigten Komponenten wie Nagios, PNP4Nagios und Nagvis und anschließend der Open-IT-Cockpit-Oberfläche. Das gestaltete sich im Test recht mühsam, weil jede Form von Beschreibung dafür fehlt. Laut »INSTALL« -File ist aber eine in Planung. Das Installieren der Oberfläche geschieht mit einem Assistenten.

Ein zweiter und einfacherer Weg ist der Einsatz des ebenfalls auf der Seite verlinkte Installationstools von Nezztek [5]. Das Werkzeug erleichtert die Installation und Integration der Komponenten erheblich, setzt derzeit jedoch ein SLES-11-System mit SP2 voraus. Für die Benutzer anderer Distributionen bleibt nur die komplizierte manuelle Variante.

Ein solches Umbrella-System sollte gerade das Aufspielen und Konfigurieren der darunter liegenden Komponenten erleichtern, weshalb Open IT Cockpit in der vorliegenden Version einen dicken Minuspunkt kassiert. Dass die Installationskomponenten in ein eigenes Projekt ausgegliedert sind, empfanden die Tester ebenfalls als umständlich und irreführend. Vielleicht schafft die für das dritte Quartal 2011 geplante Folgeversion Abhilfe.

Oberflächliches

Nach erfolgreicher Installation darf sich der Admin erstmals per Browser anmelden – als Authentifizierungsmethoden kommen Htaccess und Cacert zum Einsatz. Dann landet der Benutzer im so genannten Cockpit-Modul. Dort nimmt er, ähnlich wie in der Nagios Tactical Overview, einen ersten Rundblick über die Systemlandschaft. Zudem bekommt er alle Host- und Service-Downtimes aufgelistet. Die Einstiegsseite mit ihren Tachometeranzeigen ist übersichtlich gestaltet, in Umgebungen mit sehr vielen Hosts bleiben einzelne Ausfälle in den Graphen allerdings leicht unentdeckt, sodass der Admin stets die darunter stehenden Counter im Blick behalten sollte.

Die Oberfläche ist in PHP verfasst, für Mini-Aktualisierungen machen die Entwickler auch von Ajax Gebrauch. In einer kleineren Testumgebung waren alle Elemente performant bedienbar. Der Oberfläche gelingt die Balance zwischen dem technisch Möglichen und dem Abbilden der Kernfunktionen. An einigen Stellen, zum Beispiel beim Ändern der Sprache, kommt es noch zu kleinen Fehlern. Für eine erste Version ist die Qualität aber absolut in Ordnung.

Kernaufgabe Monitoring

Das Monitoring-Modul ist erkennbar das Kernstück von Open IT Cockpit und verbindet die aktuellen Nagios-Informationen sowohl mit Nagvis-Maps als auch PNP4Nagios-Graphen. Fans der klassischen Nagios-Oberfläche erreichen diese unter »http://Host/openitc/old/« . Dort offenbart sich auch, dass der Installer die betagte Nagios-Version 3.0.6 mitbringt. Die macht an den Tagen der Sommer-Wintertzeit-Umstellung Probleme, weil sie alle Überwachungen für 24 Stunden aussetzt. Hier hätte Open IT Cockpit besser auf ein neueres Nagios gesetzt.

Bereits auf der Startseite offeriert ein Suchdialog dem Admin, die überwachten Hosts und Services zu durchsuchen, was bei großen Umgebungen praktisch ist. Erweiterte Suchfilter schränken die Treffermenge auf Basis von Namen oder Status ein. Kleine Stolperfalle: Ein frisch installiertes System zeigt in den Listen für Such- und Filterergebnisse keine Hosts und Services an. Die Ursache dafür ist, dass die Anzahl der sichtbaren Seitenelemente in den persönlichen Einstellungen auf 0 steht. Ein passender Wert beseitigt das Problem.

Der Zugriff auf konfigurierte Objekte gelingt entweder über den Objektbrowser oder in den Service- und Hostübersichten. Die übersichtliche hierarchische Strukturierung empfiehlt sich (auch unabhängig von Open IT Cockpit) beim Verwalten der Einzelelemente. Während sich der Browser an die hierarchische Konfiguration des Systems über Standorte und Servergruppen angleicht, setzen die allgemeinen Übersichten auf die Klassiker Host- und Servicelisten. Die in Nagios bekannten Ansichten für Ereignisse, Kommentare, Benachrichtigungen und Downtimes sind ebenfalls in Open IT Cockpit implementiert.

Nicht enthalten sind dagegen die Reports und Auswertungen von Nagios. Als Ersatz bietet das System ein eigenes Reporting-Modul. Dessen Basisversion backt einen Verfügbarkeitsbericht der gewählten Hosts- und Services in Form eines Tortendiagramms wie in Abbildung 1, auf Wunsch auch als PDF. Um Benachrichtungen, Trends und Events ausgewertet zu bekommen, muss der Anwender auf Nagios-Sichten ausweichen.

Abbildung 1: Torte und Worte: Das Reporting-Modul liefert einen Verfügbarkeitsbericht der gewählten Hosts und Services ab.

Abbildung 1: Torte und Worte: Das Reporting-Modul liefert einen Verfügbarkeitsbericht der gewählten Hosts und Services ab.

Einzelheiten erfahren

Open IT Cockpits Detailansicht zeigt nach der Wahl eines Hosts umfassende Informationen über ihn und erlaubt es zudem, einige Nagios-Kommandos auszuführen, beispielsweise eine Bestätigung zu setzen (Acknowledgement) oder ein Reschedule, also einen Check, manuell auszulösen (Abbildung 2). Die einzelnen Informationen teilt diese Ansicht mit Hilfe eines Akkordeon-Steuerelements in einzelne Gruppen. Das erleichtert zwar den Überblick, kostet im Produktivbetrieb aber möglicherweise Zeit.

Abbildung 2: Die Detailansicht zeigt nach Wahl eines überwachten Hosts über diesen umfassende Informationen an.

Abbildung 2: Die Detailansicht zeigt nach Wahl eines überwachten Hosts über diesen umfassende Informationen an.

Erweiterungen

It-novum hat für seine Kunden Open IT Cockpit um mehrere Module erweitert, deren Lizenzbedingungen je nach Vorgeschichte unterschiedlich ausfallen und deren Entwicklungsstand mangels einer öffentlichen Versionsverwaltung auch schwer zu beurteilen ist. Laut Anbieter befinden sie sich aber alle in einem stabilen Zustand, sind lizenzkostenfrei und ihre Implementierung und Schulung wird in Projekt-Manntagen abgerechnet.

Die Module erweitern Open IT Cockpit um klassische Enterprise-Features:

  • Das End-to-End-Monitoring überwacht Geschäftsprozesse aus Sicht der Endanwender, indem es Arbeitsplatzsituationen simuliert und parallel die Systemleistung misst.
  • Das Business Process Monitoring eröffnet einen Gesamtblick auf die IT aus Geschäftssicht und zeigt die Abhängigkeiten der Prozesse.
  • Service Level Agreement Reporting überwacht und dokumentiert rechtskonform die Qualität von Servicevereinbarungen.
  • Das Modul SAP-Monitoring erweitert den SAP-Monitor zu einer vollständigen Systemmanagement-Suite.

Auf Nachfrage gibt es ein erweitertes Reporting, Dashboards, Host- und Service-Discovery, System- und Applikationschecks für SAP, Microsoft, VMware, Cisco und so weiter, Integration von HP Openview, Tivoli, BMC, Ticketsystemen und einiges mehr.

Wiki zum Dokumentieren

Gegenüber der normalen Nagios-Oberfläche bietet Open IT Cockpit in der Detailansicht zwei interessante Verbesserungen. Zum einen kann sich der Admin hier direkt die zugehörigen Konfigurationseinstellungen listen lassen, ohne in den Konfigurator zu wechseln. Zum anderen hat It-novum ein Wiki-System in die Oberfläche integriert, in dem der Nutzer beispielsweise eine Dokumentation für den Betrieb oder detaillierte Handlungsanweisungen hinterlegen darf.

Konfiguration

Um die Monitoringobjekte zu konfigurieren, hat Open IT Cockpit kein bestehendes Tool aus der Community integriert, sondern eine eigene Lösung geschaffen. Das Menü umfasst grob fünf Teile:

  • Systemkonfiguration fürs Verwalten der Nagios-Objekte Hosts und Services.
  • Berechtigungen für Mandanten, Gruppen und Benutzer.
  • Kartenverwaltung des Nagvis-Moduls.
  • Systemkonfiguration für die Module und Systemparameter.
  • Im- und Export zum Validieren und Aktivieren des Systems beziehungsweise Import von Konfigurationsfiles.

Im Test funktionierten alle Dialoge der Nagios-Objekte-Konfiguration reibungslos (Abbildung 3). Dank Wizards und der mitgelieferten Check-Templates sind kleinere Umgebungen schnell konfiguriert, bei sehr vielen Hosts und Services machen seitenlange Selectbox-Dialoge das Navigieren jedoch sehr aufwändig. Darum sollte man beim Setup von Anfang an auf Templates setzen.

Abbildung 3: Gut im Test funktionierte das Konfigurieren von Nagios-Objekten, hier eines Hosts.

Abbildung 3: Gut im Test funktionierte das Konfigurieren von Nagios-Objekten, hier eines Hosts.

Gruppen- und Benutzer-Rechte vergibt das Tool auf Basis von Mandanten, was das Abbilden mehrerer virtueller Umgebungen auf einer Plattform erlaubt. Wie bei vielen anderen Oberflächen für Nagios, erzeugt Open IT Cockpit nach Änderungen neue Konfigurationsfiles und startet den Nagios-Prozess neu. Weitere Menüpunkte öffnen den Zugang auf Nagios-Makros und zum Setup der eigentlichen Cockpit-Oberfläche. Als hilfreich bei Fehleranalysen erweist sich die Änderungshistorie, die Erweiterungen und Änderungen nachvollziehbar macht.

Fazit

Das Konzept von Open IT Cockpit adressiert Anwender, die Nagios und die beschriebenen Addons einsetzen wollen, ohne sich um deren Integration zu kümmern. Leider funktioniert der Installer zurzeit nur auf SLES 11 und spielt eine veraltete Nagios-Version auf. Die Alternative, eine manuelle Installation von Basiskomponenten und der Oberfläche, erweist sich mangels Installationsbeschreibung als recht mühsam. Wem die Installation gelingt, dem verschaffen die Web-basierte Konfiguration und das vorhandene Plugin-Set einen leichten Einstieg ins Monitoring per Nagios. (jk)

Der Autor

Bernd Erk ist technischer Leiter der Netways GmbH [http://www.netways.de], die seit über 10 Jahren im Open Source Systems Management und mit Datacenter-Solutions tätig ist. Er hat langjährige Erfahrung im Bereich verteilter Architekturen sowie Server- und Datenbank-Tuning.

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