Voll im Mittelpunkt des Desktop Summits 2011 stehen die Gemeinsamkeiten der KDE- und Gnome-Communities. Mehrere Keynotes widmeten sich denn auch dem Thema User Interface (UI) DEsign.
Einträchtig veranstalten die Entwickler die Beach Party am Spree-Ufer, das Vortragsprogramm, erstellten die Dokumentation, und auch eine gemeinsame Pressekonferenz zeugt von guter Zusammenarbeit. Zu Mirko Böhm (Desktop Summit Organisation), Lydia Pintscher (Desktop Summit Programmkommittee), Sebastian Kügler (KDE e.V. Vorstandsmitglied) und Aaron Seigo (Kernentwickler des KDE-Projekts) gesellten sich da Karen Sandler (Geschäftsführerin der GNOME Foundation), Stormy Peters (GNOME Foundation Vorstandsmitglied) und Dave Neary (Kernmitglied der GNOME Community).
Sandler spricht von einem “neuen Level an Kooperation”, Seigo fordert gar, man müsse daran arbeiten, dass “dass solche Zusammenarbeit keine Überraschung für die Leute mehr” sei. Ebenfalls einig sind sich die Protagonisten, dass noch viel Arbeit bei der Kommunikation mit Unternehmen, für den Enterprise-Desktop nötig sei, aber leider sind die Erfolgsstorys rar. Nicht weil es sie nicht gäbe, sondern weil die Unternehmen — anders als etwa Behörden — nicht darüber reden wollen. Der KDE e.V. mit seinem neuen Marketing Team hat die Zeichen erkannt, man arbeitet an der Publicity, und nicht zuletzt habe man mittlerweile auch die finanziellen Mittel, um da etwas zu bewirken, so Kügler und Böhm.
Kügler definiert den Begriff “Open Culture” als eine Art Weiterentwicklung des Free-Software-Projektes, und Seigo erzählt von den Schwierigkeiten, mehr Designer zu gewinnen. Auch Gnome habe Usablity-Studien betrieben, erzählt Peters, was vor allem für Tablets und Touchscreens von großer Bedeutung sei. Gerade bei Gnome 3 erhalte die Community derzeit sehr viel Feedback.
Gefragt nach den Schwierigkeiten oder etwaigen Reibungsflächen bei der Organisation des Summits gibt man sich einträchtig: Eine “Amazing story” (Seigo) sei das, Traditionen aus beiden Communities habe man integriert, zum Beispiel das übliche Fußball-Match der Guadec-Teilnehmer (Montag abend), gemeinsam zeigt man viel positive Energie und fordert jeden zur Mitarbeit auf, an Summit, Guadec und Akademy. Der Summit soll auch weiterhin alle zwei Jahre stattfinden, Guadec und Akademy in den Jahren dazwischen.
Design matters!
Mehrere Vorträge von Designern sorgten denn auch für viel Aufsehen: Claire Rowland definiert die App(likation) als einen Touchpoint für Services. Mit der wolle man zwar beispielsweise die Waschmaschine steuern, keinesfalls aber all die Knöpfe der Steuerung eines Küchengerätes bedienen müssen. Ein klares mentales Modell sei dafür nötig. Dazu kommt die Tatsache, dass bereits 2020 aktuellen Studien zufolge pro Anwender durchschnittlich sechs Devices kommen sollen. Daher müssten Apps und Daten Kontinuität und Konsistenz über Device-Grenzen aufweisen, wozu im wesentlichen Online-Services (Cloud) zum Einsatz kämen. Dann könnte beispielsweise das Smartphone den User fragen: “Akku ist fast leer, wollen sie auf dem Desktop weiterarbeiten?” Der Desktop werde so, meint Rowland, zu einem Teil eines freien Ökosystems.
Build your own Toaster!
Auch Thomas Thwaites ist Designer, und in einer seiner jüngsten Arbeiten beschritt er beschwerliche Wege, um ein Gerät from Scratch zu bauen: Einen Toaster. Inspiriert von einem Douglas-Adams-Zitat, versuchte er, aus selbst hergestelltem Stahl, mit eigenem Kupfer, Nickel und Plastik alle Bauteile selbst zu erstellen und so das alltägliche Gerät zu bauen. Das Ergebnis (nach 9 Monaten, vielen Reisen, Aufenthalten in Erzgruben und Gesprächen mit Spezialisten) sah dann eher wie ein Kunstwerk aus, konnte aber immerhin ein Brot leicht aufwärmen – aber nur einmal, dann “brannte irgendwas durch”. Mit seiner Webseite und den dort enthaltenen Videos und seinem bald erscheinenden Buch zeigt Twaite aber eines: “Uns umgeben alltägliche Dinge, die unglaubliche Komplexität und unglaubliche Kollaboation erfordern. Und wir widmen ihnen nur wenige Sekunden am Tag.” Der Toaster-Eigenbau kostete 1200 Pfund, das Einzelstück landete (für ein Foto) auch in einem Shop, wobei Waite lakonisch meinte: “Patente habe ich – glaube ich – nicht verletzt, wohl aber einige Gesetze, vor allem bezüglich der Sicherheit.”






