Aus Linux-Magazin 07/2003

Report: Spenden an freie Softwareprojekte

Das Spenden an freie Softwareprojekte erweist sich als nicht immer ganz einfach, denn die Methoden der einzelnen Projekte sind oft unterschiedlich. Wir erklären die Hintergründe und beschreiben die Wege zu einigen dieser Spendentöpfe.

Man glaubt es kaum: Selbst freie Softwareprojekte brauchen Geld. Soll ein Mitglied auf einem Entwicklertreffen einen Vortrag halten, wollen Übernachtung, Verpflegung und die Reise bezahlt sein. Registrierungsgebühren für Domains, CD-Rohlinge oder PR-Material reißen weitere Löcher ins Budget. Kommerzielle Unternehmen stellen für solche Ausgaben einfach einen Teil der Einnahmen bereit – freie Projekte haben aber keine. Woher also nehmen, wenn nicht stehlen?

Es gibt mehrere Lösungsansätze: Einer lautet, dass jeder Entwickler seine eigenen Kosten trägt. Wer viel Öffentlichkeitsarbeit leistet, viel reist und oft in Hotels übernachtet, ist dann bald arm. Spenden sind daher die Finanzierung der Wahl, so wie bei den großen Projekten Debian, Gnome oder KDE. Nicht nur Geld ist gern gesehen, auch Sachspenden zaubern ein Lächeln aufs beschenkte Gesicht – gerade bei Projekten, die Software für viele Plattformen entwickeln oder portieren. Und schließlich taugt selbst der älteste PC noch als Web- oder FTP-Server.

Non-Profit und 501(c)(3)

Bei den großen Open-Source-Projekten hat sich in den vergangenen Jahren das Konzept der so genannten Non-Profit-Organisation für die Spendenverwaltung durchgesetzt. Die Details variieren dabei allerdings von Projekt zu Projekt. Um die Hintergründe besser zu verstehen, ist zunächst ein kleiner Exkurs in das US-amerikanische Steuerrecht notwendig, denn aus diesem Umfeld kommen die immer wieder auftauchenden Begriffe der Non-Profit- oder Not-for-Profit-Organisation. Die häufig benutzte Abkürzung 501(c)(3) hat ebenfalls hier ihren Ursprung.

Ein Großteil der amerikanischen Steuergesetze gilt jeweils nur in einem Bundesstaat. Die Art, wie Firmen zur Steuer herangezogen oder fiskalisch behandelt werden, unterscheidet sich denn auch von Staat zu Staat. Die Attribute Non-Profit oder Not-for-Profit bedeuten in diesem Zusammenhang nur, dass ein Unternehmen bestimmte Merkmale erfüllt. So müssen diese Firmen gemeinnützige Zwecke verfolgen und dürfen in den meisten Bundesstaaten auch keine Aktien ausgeben.

Das Kürzel 501(c)(3) erklärt sich aus einer besonderen Steuer, einer Einkommenssteuer, die in den gesamten USA gilt. Sie wird vom Internal Revenue Service (IRS) verwaltet, einer Unterabteilung des US-Finanzministeriums. Im IRS-Gesetzbuch findet sich der Untertitel A, Kapitel 1, Unterkapitel F mit dem Titel “befreite Organisationen”. Teil 3, Sektion 501 dieses Unterkapitels ist mit “Voraussetzungen für eine Befreiung” betitelt. Genau von diesem Kapitel rührt die Abkürzung 501(c)(3) her. Es beschreibt die Voraussetzungen, die ein Unternehmen in den USA erfüllen muss, um von der Einkommenssteuer befreit zu werden, und zwar auch bezüglich sämtlicher Spendeneinnahmen. Diese Befreiung beinhaltet auch die Erlaubnis, abzugsfähige Spendenquittungen auszustellen.

Organisationsformen

Ein weiteres Problem, das es bei Non-Profit-Organisationen zu klären gilt, ist die Frage, ob sie sich als Verein oder auf andere Weise definieren. Das hat Auswirkungen auf die Funktion und unterschiedliche Konsequenzen: Ein Verein sollte grundsätzlich jedermann die Mitgliedschaft ermöglichen. Unterscheidungen nach zahlenden und beitragsbefreiten Mitgliedern sind möglich.

Außerdem kann die Mitgliedschaft an Bedingungen geknüpft sein, etwa an die Auflage, sich aktiv in einem bestimmten Projekt zu engagieren. Der Vereinsvorstand, das so genannte Board, wird von der Gemeinschaft gewählt. Bei Organisationen, die nicht als Verein strukturiert sind, ist das anders: Hier kann beispielsweise ein Gründungsvorstand weitere Mitglieder oder Nachfolger nach eigenem Ermessen ernennen.

Simpel: Debian

Das größte freie Softwareprojekt, Debian[1], sammelt und verwaltet seine Spenden über eine Non-Profit-Organisation namens Software in the Public Interest, Inc. (SPI)[2]. Ursprünglich eigens für das Debian-Projekt gegründet, ist die SPI doch grundsätzlich unabhängig und unterstützt inzwischen jedes Projekt, das freie Hard- oder Software erstellt und Hilfe beantragt, sofern die SPI-Satzung gewahrt bleibt.

Software in the Public Interest ist eine Organisation in Vereinsstruktur. Sie unterscheidet zwei Arten von Mitgliedern: Auf der einen Seite gibt es die beitragsfreien Mitglieder. Diese Mitgliedschaft unterliegt keinen Restriktionen, man muss sich lediglich auf der SPI-Website anmelden. Daneben gibt es beitragende Mitglieder, die freie Projekte unterstützen (müssen), indem sie beispielsweise Code beisteuern.

SPI fungiert als eine Art Spenden-Verwaltungszentrale für Debian und andere Projekte: Sie nimmt Spenden entgegen, leitet sie an die Projekte weiter und stellt – sofern gewünscht – Spendenquittungen aus. Zudem kümmert sich SPI auch um andere, nicht unbedingt finanzielle Angelegenheiten, um die Interessen freier Software und ihrer Macher zu schützen. So versucht man zum Beispiel, Patente aus Standardisierungs-Organisationen wie dem W3C herauszuhalten.

Eine Spende an Debian gilt in Deutschland als kompliziert und aufwändig – das Gegenteil ist der Fall. Man kann zwar noch nicht online, etwa per Pay Pal, spenden (Tests laufen bereits), SPI kooperiert aber mit dem Verein zur Förderung Freier Informationen und Software e.V. (Ffis). Der gemeinnützige Verein kann steuerabzugsfähige Spendenquittungen ausstellen, bei einer Überweisung auf sein (deutsches) Bankkonto fallen keine weiteren Gebühren an.

Natürlich sind auch Hardwarespenden willkommen. Das Projekt benötigt dringend Maschinen, um Debian auf eher exotische Architekturen zu portieren: Computer der PowerPC- und Mipsel-Architekturen (little endian Mips). Neben zwei x86-64-Rechnern fehlen auch sh3-, sh3eb- (big endian), sh4- und sh4eb- Rechner (big endian) – alles Prozessoren aus dem Hause Hitachi.

Wer Hardware spenden will, muss voluminöse oder bisweilen kostbare Geräte nicht unbedingt zu den Projekten bringen; dort ist man bereits zufrieden, einen Remote-Zugang zu bekommen – nach Möglichkeit mit hoher Bandbreite. Potenzielle Spender in Deutschland finden Informationen sowie die Bankdaten des Ffis auf[3], eine Spendenquittung gibt\’s bei[4]. Wer Hardware zur Verfügung stellen möchte, wendet sich an Benjamin Hill[5].

Abbildung 1: Auf ihren Homepages bitten die Großen der Gemeinschaft wie KDE ...

Abbildung 1: Auf ihren Homepages bitten die Großen der Gemeinschaft wie KDE …

Unpraktisch: Gnome

Die Spenden für Gnome verwaltet ebenfalls eine eigens für diesen Zweck gegründete 501(c)(3)-Organisation. Sie heißt The Gnome Foundation[6] und ist – anders als SPI – fest an das Gnome-Projekt gebunden. Kein Wunder, denn die Gnome Foundation hat sich mehr auf die Fahnen geschrieben, als nur Spenden zu verwalten. Sie möchte neue Releases koordinieren und allgemein Öffentlichkeitsarbeit leisten, um Gnome bekannter zu machen.

Auch sie arbeitet auf Mitgliederbasis. Die Regeln sind allerdings strenger: Es gibt nur eine Art der Mitgliedschaft, und die setzt auch noch voraus, sich aktiv bei der Entwicklung des Gnome Desktop Environments zu beteiligen. Die Gnome-Website nennt das “Become a Friend of Gnome”. Tatsächlich erhält man, je nach Höhe der Spende, den Titel “Friend”, “Associate”, “Benefactor”, “Sponsor”, “Patron” oder “Philanthropist” und wird auf Wunsch auch so auf der Website der Gnome Foundation gelistet. Eine Besonderheit ist, dass man bei Gnome für eine Spende – abhängig von der Höhe des Betrags – eine Gegenleistung bekommt. Für eine Spende zwischen 25 und 50 US-Dollar zum Beispiel ein Gnome-Mauspad. Wer ein Gnome-Friend werden möchte, findet Informationen und Präsente auf[7].

Die Spendenhandhabung der Gnome Foundation ist für Deutsche unpraktisch: Die einzigen Möglichkeiten, Geld zu spenden, sind die Online-Überweisung per Pay Pal oder ein Scheck per Post. Und weil Spendenquittungen von amerikanischen Organisationen bei deutschen Finanzämtern nicht anerkannt werden, lässt sich eine Spende auch nicht von den Steuern absetzen.

Abbildung 2: ... oder das Debian-Projekt ...

Abbildung 2: … oder das Debian-Projekt …

Anders: KDE

Anders als Debian und Gnome steht hinter KDE keine 501(c)(3)-Organisation. Der Grund liegt im deutschen Ursprung des Projekts – die anfänglichen Entwickler kamen aus Hamburg, Lübeck, Nürnberg und Tübingen. Der Verein hinter dem KDE-Projekt nennt sich KDE e.V. Die Gemeinnützigkeit ist bereits beantragt, stand bei Redaktionsschluss allerdings noch nicht fest.

Wie die Gnome Foundation kümmert sich auch der KDE e.V. um mehr als nur Spenden. Zunächst nur eine KDE-Vertretung in der “KDE Free Qt Foundation”, ist er heute ein Förderverein, der sich um finanzielle und rechtliche Interessen der KDE-Entwickler kümmert. Außerdem gehört dem KDE e.V. die Hardware des Projekts, sofern sie keine ständige Leihgabe ist.

Informationen gibt es auf der Spendenseite[8] des KDE e.V. Die Möglichkeiten, Geld an KDE zu spenden, sind zahlreich: unter anderem Überweisungen per Pay Pal. Und für alle, die das nicht mögen, über ein ganz normales Bankkonto. Um nachträglich eine Spendenquittung zu bekommen, kann man sich direkt an den Schatzmeister Mirko Boehm wenden.

KDE testet derzeit eine völlig neue Form der Hardwarespenden: Das Projekt heißt Adopt-A-Geek. Viele KDE-Entwickler sind Studenten oder Lehrlinge, die sich ständig neue, schnelle Hardware einfach nicht leisten können. Das ist bei der Größe einer aktuellen KDE-3-Distribution schon ein Problem, dauert es doch auf langsamen Rechnern gut und gerne fünf bis acht Stunden, KDE ganz zu kompilieren.

Es gibt aber auch viele dankbare KDE-Nutzer, die den Entwicklern gerne Hardware zur Verfügung stellen würden. Weil es bisher niemanden gab, der beide Seiten zusammenbrachte, machte sich kurzerhand Scott Wheeler selbst zur zentralen Vermittlungsstelle. Und genau das ist Adopt-A-Geek. Wer also glaubt, einem KDE-Entwickler mit Hardware aushelfen zu können, findet weitere Informationen zu Adopt-A-Geek auf[9].

Abbildung 3: ... oder die Freunde von Gnome um Spenden.

Abbildung 3: … oder die Freunde von Gnome um Spenden.

Messen und andere Methoden

Die genannten Methoden für die jeweiligen Projekte sind die offiziellen Wege. Manchmal geht es auch schneller und unkomplizierter, denn fast jedes größere Projekt nimmt auf Messen wie etwa dem Linuxtag Spenden entgegen. Daneben bieten manche CD-Versender, zum Beispiel LinISO.DE[10], die Möglichkeit, kleinere Spenden an bestimmte Projekte mit auf die Rechnung zu nehmen und weiterzuleiten. (fan)

Abbildung 4: Hier kann jeder Mitglied werden: Software in the Public Interest.

Abbildung 4: Hier kann jeder Mitglied werden: Software in the Public Interest.

Infos

[1] Debian: [http://www.debian.org/]

[2] SPI: [http://www.spi-inc.org/]

[3] Ffis: [http://www.ffis.de/Verein/spi-de.html]

[4] Spendenquittungen: [joey@ffis.de]

[5] Hardware-Spenden: [hardware-donations@debian.org]

[6] Gnome: [http://foundation.gnome.org/]

[7] Become a friend: [http://www.gnome.org/friends/]

[8] KDE-Spendenseite: [http://www.kde.org/areas/kde-ev/donations.php]

[9] Adopt-a-Geek: [http://devel-home.kde.org/~wheeler/adopt-a-geek/]

[10] Lin ISO: [http://www.LinISO.DE/]

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2 Kommentare
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Volker
1 Jahr her

Hallo.Kann ich über die Klarna-Bank an Sie Spenden?
MfG Volker

Himmelblau
6 Monate her

Hallo, vielen Dank für den interessanten Beitrag! Für Projekte spenden, die sinnvoll sind und der Allgemeinheit zugutekommen, ist eine für alle Seiten lohnenswerte Aktion. Liebe Grüsse

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