Aus Linux-Magazin 09/2010

Die KDE-Anwendung Marble zeigt mehr als Google Earth

Pannen und Zoomen auf einem digitalen Modell der Erde, das war bisher das Metier von Google Earth, dem Westentaschenglobus für PC begeisterte Anwender mit Nasa-Satellitenbildern und hervorragendem Kartenmaterial.

Doch jetzt kriegt Google Konkurrenz. Wer das nicht glaubt, sollte sich die Qt-Anwendung Marble [1] ansehen. Sie informiert mit historischem und aktuellem Kartenmaterial aus Online- und Offline-Datenquellen und stellt auch die Oberflächen von Mars, Mond und Venus auf digitalen Höhenmodellen dar.

Datenkrake

Während Earth auf Googles Karten beschränkt bleibt, präsentiert Marble die Erde mit Satellitenbildern, auf die es die aktuelle Wolkenverteilung projiziert. Im Hintergrund des Openstreetmap-Globus, der vielleicht gerade klimageo- oder ozeanografische Darstellungen zeigt, zeichnet Marble den zur aktuellen Weltkugel passenden Sternenhimmel (Abbildung 2). Wer ein paar – lizenzrechtlich durchaus fragwürdige – Hacks nicht scheut, kann sogar auf Googles Bildmaterial zurückgreifen. Das vermisst aber angesichts der freien Datenflut, die selbstverständlich auch als Download zur Offline-Nutzung parat steht, eigentlich niemand.

Trotz des ohnehin schon umfangreichen Portfolios haben die Entwickler noch einige Leckerbissen in petto: Mit KDE 4.5 (Marble 0.10.0) kommt Online-Routing mit Open Route Service [2] samt In-Place-Editing der vorgeschlagenen Strecken und GPX-Export.

Interessante Details wie die Karte aller Amateurfunk-Stationen drohen in der Datenfülle fast schon unterzugehen. Dazu gibt\’s überblendbare Kartenebenen mit professionellen WMS-Daten (Web Map Service, [3]), die Openstreetmap-Karten lassen sich direkt in Marble editieren.

Viel Neues

Die schlanke Murmel kommt dabei komplett ohne Open GL aus. Für KDE 4.6 ist geplant, Marble auch an andere Routingdienste wie Yours anzubinden und mit Gosmore [4] offline-routingfähig zu machen (Abbildung 2). Ein eigener Navi-Modus steht ebenso auf der Todo-Liste wie die Integration von Bookmarks.

Abbildung 2: Dank Gosmore mit Marble 0.11 möglich: Offline-Routing.

Abbildung 2: Dank Gosmore mit Marble 0.11 möglich: Offline-Routing.

Und ist erst die freien Geodatenbank Geo Names [5] integriert, dann wächst die Murmel zum Almanach, dem Google Earth wenig entgegenzusetzen hat. Dort finden sich bereits heute Informationen zu mehr als acht Millionen Orten weltweit, natürlich unter der Creative Commons Lizenz, ebenso wie die zahlreichen Fotos und Wikipedia-Einträge. Ach ja, die kann Google Earth ja auch.

Infos
[1] Marble: [http://edu.kde.org/marble]

[2] Open Route Service: [http://www.openrouteservice.org]

[3] Web Map Service: [http://www.opengeospatial.org/standards/wms]

[4] Gosmore: [http://wiki.openstreetmap.org/wiki/Gosmore]

[5] Geo Names: [http://www.geonames.org]

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