Aus Linux-Magazin 04/2010

Vorschau: Linux und Open Source auf der Cebit 2010

Abbildung 4: Auf Acers Smartphone Liquid, hier in Rot, läuft Android.

Der Anziehungspunkt für die Anhänger von Linux und freier Software nimmt auf der Cebit vom 2. bis 6. März 2010 einen prominenten Platz ein: Das Open-Source-Forum (Abbildung 1) liegt diesmal in Halle 2. Dort finden täglich Vorträge zu verschiedensten Themen statt, von der Münchner Linux-Migration über den Nagios-Fork Icinga bis zur E-Mail-Archivierung.

Abbildung 1: In Vorträgen auf dem Open-Source-Forum in Halle 2 präsentieren Projekte und Firmen ihre Arbeit mit freier Software.

Abbildung 1: In Vorträgen auf dem Open-Source-Forum in Halle 2 präsentieren Projekte und Firmen ihre Arbeit mit freier Software.

Besondere Highlights versprechen die Referate von Dirk Riehle, dem ersten deutschen Open-Source-Professor, und Klaus Knopper, der seine Live-Distribution Knoppix in der Cebit-Version 6.3 vorstellt. Das Programm gibt es unter [1], die Vorträge sind zudem im kostenlosen Live-Videostream zu sehen (siehe Kasten “Live dabei mit Linux-Magazin Online”). Auf der Bühne des Forums findet am Donnerstag, 4. März, ab 17 Uhr die Verleihung der Linux New Media Awards 2010 statt. Der Verlag des Linux-Magazins prämiert besondere Leistungen in der Open-Source-Welt in sechs Kategorien. Die Jury besteht aus rund 300 Personen aus der internationalen Community und Industrie. Zur Verleihung sind prominente Gastredner geladen.

Platz für Projekte

Um das Forum herum erstreckt sich die Open Source Project Lounge, in der sich 15 Projekte sowie der Sponsor Mozilla präsentieren. Dort sind beispielsweise die Firefox-Entwickler zu treffen, Koffice präsentiert seine freie Bürosuite, und die Initiative EGEE erläutert das wissenschaftliche Rechnen im Grid. Ebenfalls dabei: WordPress, Nexenta, Bind, PostgreSQL, Cacert und Project-Open. Noch mehr Vorträge gibt es auf den Bühnen beim Linux-Distributor Univention und dem Zertifizierungsanbieter LPI. Die Initiative unter dem Motto “Cebit für alle” geht auf eine Idee von Reinhard Wiesemann (Linuxhotel) zurück und bietet Referate von Open-Source-Projekten und Firmen [2].

Das Linux Professional Institute (LPI) veranstaltet zudem eine Jobbörse am Stand und führt während der Messe vergünstigte Prüfungen durch. Im Dunstkreis des Open-Source-Forums finden sich noch weitere Messe-Auftritte zum Thema, vom Linux-Server bei Thomas Krenn über Linux-Backup von SEP bis hin zu Schulungen und Support von der Firma Heinlein.

Das übergeordnete Thema von Halle 2 lautet “Business-IT”. Daher hat sich dort auch IBM eingerichtet. Das Unternehmen sieht die wirtschaftliche Talsohle durchschritten und erwartet nun Investitionen in die IT. Ein unverändert großer Stand mit der Nummer A10 trägt dem Rechnung und soll zu Abschlüssen führen. Das Motto des Branchenriesen für die Messe lautet “Smarter together”. Unter diesem Leitmotiv präsentiert er Business Intelligence sowie als Kollaborationslösung Lotus, das sich laut IBM auch hervorragend in der Cloud betreiben lässt.

Live dabei mit Linux-Magazin
Online
Während der Cebit versorgt Sie Linux-Magazin Online mit dem Neuesten über Linux und Open Source direkt von der Veranstaltung. Unter [https://www.linux-magazin.de] erscheinen laufend aktuelle News in einer eigenen Cebit-Rubrik. Außerdem gibt es dort einen kostenlosen Live-Videostream der Vorträge aus dem Open-Source-Forum.

Der Verlag, die Linux New Media AG, ist in Halle 2, Stand F34, vertreten, direkt am Open-Source-Forum. Dort finden Sie Linux-Magazin, LinuxUser, EasyLinux, Linux Technical Review, Ubuntu User sowie das Admin-Sonderheft und haben Gelegenheit zu einem Plausch mit Redakteuren.

Kostenbewusste IT

Big Blue prophezeit eine weitere Industrialisierung der IT unter strengen Kosten-Nutzen-Vorgaben und bietet dafür Ressourcenplanung, Systemmanagement und Automatisierung mit Tivoli sowie Virtualisierung. Daneben sind im Ausstellungsbereich “Smarter Cities” Einsatzszenarien von Computernetzwerken etwa in der Verkehrslenkung zu sehen.

Konkrete Angebote gibt es für den Mittelstand, den IBM weg von “ein paar Intel-Kisten im Ikea-Regal” hin zu höherwertiger Hardware aus dem eigenen Haus führen möchte. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Server-Reihe X5, die der Hersteller bis zur Messe vorstellen möchte.

Daneben gibt es auf IBMs Stand Demopunkte zum Ausprobieren, beispielsweise mit dem “IBM Open Collaboration Client” auf Ubuntu, der die neue Generation der Lotus-Anwendungen wie Sametime und Symphony demonstriert (Abbildung 2). Mit offenen Standards wie ODF, in Java und auf Eclipse-Basis sollen sie das Unternehmen plattformunabhängig machen. Für Softwarehersteller und IT-Abteilungen gibt es Schnittstellen, um eigene Programme anzudocken. Open Source ist die Software aber nicht.

Das Thema Cloud Computing, mag man es als Trend oder nur als Hype sehen, ist an mehreren Orten vertreten: Amazon Web Services zeigt in Halle 2, Stand B26, was man in der Elastic Compute Cloud EC2 machen kann, nämlich beispielsweise das Enterprise-CMS von Alfresco betreiben.

Abbildung 2: IBM zeigt am Demopunkt neue Lotus-Anwendungen. Sie laufen dank Eclipse-Basis überall, wo es Java gibt, beispielsweise auf Ubuntu Linux.

Abbildung 2: IBM zeigt am Demopunkt neue Lotus-Anwendungen. Sie laufen dank Eclipse-Basis überall, wo es Java gibt, beispielsweise auf Ubuntu Linux.

Cloud und Grid

Die Group Live zeigt unweit am Stand B20 Platform as a Service. Das heißt nichts anderes, als dass Software-Anbieter hier die Infrastruktur finden, um ihre Programme zur Miete anzubieten.

Weitere Anwendungen von verteiltem Rechnen, sei es als Cloud oder Grid, sind in Halle 9 zu finden. Dort gastieren die deutschen Universitäten, die innovative Projekte präsentieren. Die Philipps-Universität Marburg zeigt Grid-Development-Tools und berichtet vom Pneumogrid, das der Diagnose und Behandlung von Lungenkrankheiten dient. Spielerischer ist das Projekt Gocloud der privaten FH Göttingen, das die Technologie für eine Studenten-Community nutzt.

Zum Anfassen

Wer es weniger wolkig mag, findet aber auch Ware zum Anfassen: Der Hersteller Asus zeigt in Halle 17, Stand H16, Neues aus der Eee-Produktfamilie, insbesondere die Modelle Eee-PC 1005P und Eee-PC 1005PE mit Atom-N450-Prozessor, die mit langen Akkulaufzeiten punkten sollen. Als Betriebssystem ist neben Windows 7 auch Xandros Linux im Angebot.

Hewlett-Packard stellt unter anderem das Probook 4720s vor (Abbildung 3). Das Gerät setzt auf Intels Calpella-Plattform mit Core i3/i5 und HM57-Chipsatz, schließt die Laufwerke per E-SATA an und kann mit Quickboot rasch ein alternatives Linux-System zum Surfen, Mailen und Skypen hochfahren.

Abbildung 3: Das HP Probook 4720s verbirgt sein leistungsstarkes Innenleben unter einer gediegenen Oberfläche aus gebürstetem Metall.

Abbildung 3: Das HP Probook 4720s verbirgt sein leistungsstarkes Innenleben unter einer gediegenen Oberfläche aus gebürstetem Metall.

Acer setzt auf andere Werte und präsentiert mit dem Notebook Aspire Timeline 3811TZ ein Gerät, das auf PVC und bromierte Flammschutzmittel verzichtet und bei der Entsorgung die Umwelt weniger belastet. Zudem soll der Energieverbrauch rund 40 Prozent unter dem durchschnittlicher Notebooks liegen. Daneben zeigt der Hersteller auch das neue Smartphone Liquid mit Snapdragon-Innenleben und Android-Betriebssystem (Abbildung 4).

Abbildung 4: Auf Acers Smartphone Liquid, hier in Rot, läuft Android.

Abbildung 4: Auf Acers Smartphone Liquid, hier in Rot, läuft Android.

In Halle 4 versammeln sich die fleißigen kleinen Angestellten der IT, die Thin Clients. Hier dominiert im Gegensatz zum Notebook-Sektor Linux als Betriebssystem. Der Spezialist Igel zeigt seine neue UD9-Serie, bei der der Computer im Monitorgehäuse verschwindet. Ihre hauseigene Linux-Distribution installiert die Firma nun auch auf Hardware von Acer.

Zu Igel gesellen sich in derselben Halle außerdem Wyse, Rangee und Fujitsu mit ihren Geräten. Openthinclient zeigt einen Lösung, bei der ein einziger Thin Client mit einigen Tastaturen, Mäusen und Displays mehrere Büroarbeitsplätze versorgt.

Wer nach so viel nützlichem IT-Einsatz rechtschaffen müde ist, kann zum Abschluss auf den “Intel Extreme Masters” den Profi-Computerspielern zusehen (Halle 23, kein Einlass unter 16 Jahren) oder bei der Cebit Sounds in Halle 22 bei ein wenig Livemusik entspannen.

Infos
[1] Vortragsprogramm Open- Source-Forum: [https://www.linux-magazin.de/Events/CeBIT-Open-Source-Forum-2010]

[2] Cebit für alle: [http://www.linuxhotel.de/cebit/]

[3] Linux Professional Institute [http://www.lpice.eu]

[4] IBM auf der Cebit: [http://www.ibm.com/de/cebit/]

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