
Abbildung 1: Irish folk: Die altehrwürdigen Mauern des Trinity College gaben die Kulisse für das diesjährige KDE-Entwicklertreffen.
Rund 200 Mitarbeiter des KDE-Projekts trafen sich Ende September im Trinity College in Dublin. Während der gut einwöchigen Konferenz pflegten die Entwickler die Kontakte, formulierten Ziele für das kommende Jahr und legten die technische Basis für Version 4 der Desktopumgebung.
Beziehungen untereinander pflegen, die Anwenderbasis und die Kontakte zu anderen Communities ausbauen sowie hervorragende freie Software produzieren – diese Ziele formulierte KDE-Vorstandsmitglied Aaron Seigo in seiner Begrüßungsrede zur Akademy, der jährlichen Entwicklerkonferenz des freien Desktop-Projekts KDE [1]. Schauplatz des Community-Treffens war Ende September das Trinity College Dublin (Abbildung 1) mit historischem Ambiente und modern ausgestatten Hörsälen.

Abbildung 1: Irish folk: Die altehrwürdigen Mauern des Trinity College gaben die Kulisse für das diesjährige KDE-Entwicklertreffen.
Volles Programm
Am Beginn der achttägigen Veranstaltung stand ein Vortragswochenende mit Referaten im Halbstundentakt. Das Projekt nahm seine Vorsätze ernst: Unter den eingeladenen Sprechern war John Palmieri vom Gnome-Projekt, der das Verhältnis beider Desktopumgebungen als eine “Konkurrenz und Kooperation” definierte. Er forderte die KDE-Entwickler auf, mit Gnome nicht um die derzeit fünf Prozent des Marktes zu wetteifern, sondern gemeinsam die Anwenderbasis von freien Desktops zu erweitern, etwa durch Zusammenarbeit in Freedesktop.org.
Jens Herdens Vortrag zu KDE in Kambodscha und weitere Beiträge zu KDE in Asien zeigten, wie freie Software durch Internationalisierung und Lokalisierung die Benutzer gewinnen kann, die Hersteller proprietärer Software vernachlässigen. Holger Freyther rückte Unterhaltungselektronik und Mobilgeräte in den Blickpunkt. Für den Berliner Studenten ist der typische Computer heute ein Handy oder ein MP3-Player. Setzen diese Geräte Linux als Betriebssystem ein, möchte er KDE darauf sehen.
Dazu müssten die KDE-Komponenten allerdings schlanker werden und weniger Abhängigkeiten aufweisen, Apple habe das mit dem portablen KHTML-Ableger Webkit vorgemacht. Daneben solle KDE auf dem PC Integration für alle Arten von Mobilgeräten bieten. Ins selbe Horn stieß John Cherry (Abbildung 2) von der Desktop Linux Initiative des OSDL: Linux müsse für die “Generation I-Pod” attraktiver werden.

Abbildung 2: Alan Horkan vom Dubliner Akademy-Organisationsteam (rechts) diskutierte mit John Cherry vom OSDL.
Open Document Day
Der Schwerpunkt Open-Document-Format (ODF) begleitete die Programmiersitzungen der folgenden Tage. Das XML-basierte Dokumentenformat steht kurz vor seiner Verabschiedung als ISO-Standard. Die Linux-Implementierungen aktueller Open-Office- oder KOffice-Versionen sind allerdings weder vollständig noch einheitlich, wie Lotzi Bölöni von der University of Central Florida anhand einer Testsuite [2] demonstrierte. Anwesende Entwickler wie David Faure von KOffice schmunzelten über die bloßgestellten Fehler und begrüßten die umfangreichen Testmöglichkeiten.
Rob Weir von IBM regte an, ein Entwicklerkit für Open Document zu schaffen, um das Format nicht nur in Office-Anwendungen zu nutzen. Mit einem passenden API könnten Programmierer Dokumente mit wenigen Zeilen C/C++, Java, Perl oder Python umformatieren, übersetzen, signieren oder ODF als Ausgabeformat für die Ergebnisse ihrer Programme verwenden. Einige Szenarien beschreibt er unter [3]. Schwerpunkt bei den meisten Vorträgen bildete jedoch die nächste große Release des K Desktop Environment.
KDE 4 rollt an
Im neuen KDE sollen spezielle Frameworks mit einheitlichen Schnittstellen die Programmierarbeit erleichtern. Matthias Kretz und Kevin Ottens stellten als Beispiele das Multimedia-System Phonon [4] und das Hardware-Framework Solid [5] vor. Auch die Vorträge von Tobias König und Tobias Hunger zum KDE-4-PIM-Framework Akonadi [6] und zur Kommunikationslösung Decibel [7] waren gut besucht. Dem neuen Desktop Plasma [8] widmete Aaron Seigo einen 30-Minuten-Vortrag. Technische Details und Eye Candies blieben aber weitgehend aus.
David Faure zeigte in seinem Referat mit Workshop-Charakter, wie Entwickler am einfachsten ein Build-Environment aufsetzen, um mit KDE 3 und 4 parallel arbeiten zu können. Lubos Lunak gab einige Tipps, wie Programmierer den Start von Anwendungen beschleunigen. Einige dieser Anregungen setzten die KDE-Entwickler während des folgenden Hacking-Marathons (Abbildung 3) gleich in die Tat um.

Abbildung 3: Für ausgedehnte Programmiersitzungen standen den KDE-Entwicklern zwei Rechnerräume zur Verfügung.
Noch viel zu tun
Nach der intensiven Woche in der irischen Hauptstadt geht es nun an die Umsetzung der Pläne. Dass die Konferenz mit dichtem Tagesprogramm und dem abendlichen Fachsimpeln im Pub so reibungslos über die Bühne ging, verdanken die Teilnehmer den lokalen Organisatoren. Marcus Furlong und seine unermüdliche Mannschaft in den blauen T-Shirts sorgten für Kubuntu-Rechner, Kaffee, Kekse und Konnektivität. Die KDE-Gemeinde dankte ihnen mit stehendem Applaus.
|
Infos |
|---|
|
[1] Akademy 2006: [http://conference2006.kde.org] [2] ODF-Testsuite: [http://netmoc.cpe.ucf.edu/Projects/OpenDocument/] [3] ODF-API: [http://opendocu-ment.xml.org/node/154] [4] Phonon: [http://phonon.kde.org] [5] Solid: [http://solid.kde.org] [6] Akonadi: [http://pim.kde.org/akonadi/] [7] Decibel: [http://decibel.kde.org] [8] Plasma: [http://plasma.kde.org] |




