Mindmaps fördern die Kreativität, sagen die Psychologen. Wer davon profitieren will, dem stehen unter Linux gleich mehrere Programme zur Auswahl, die jeweils eigene Stärken und Schwächen haben.
Texte haben ihre Eignung als Wissensspeicher über Jahrtausende unter Beweis gestellt. Eine Funktion, die sie besonders effizient erfüllen, wenn sie strukturiert und geordnet sind. Dahin gelangen sie aber nicht von alleine, sondern nur als Ergebnis eines kreativen Prozesses. In ihm sind die Gedanken zuerst noch im Fluss. In diesem Stadium eignen sich besonders die baumartigen Darstellungen von Mindmaps als Gliederungen oder Stichpunktsammlungen.
Mindmapping ist eine vom britischen Lernforscher Tony Buzan vor rund 35 Jahren entwickelte Technik, mit der man das Denken organisieren kann. Schlagwörter landen dabei nicht unter- oder hintereinander auf dem Papier. Stattdessen sind sie ihrer thematischen Zusammengehörigkeit nach über das Blatt verteilt (Abbildung 1). Verbindungslinien zwischen Einträgen drücken deren Zusammengehörigkeit aus. Wer das Auge auf einen Stichpunkt fokussiert, hat daher automatisch dessen Konnotationen mit im Blick. Dies beflügelt das Gehirn beispielsweise beim Brainstorming. Mindmapping gilt als ausgesprochene Kreativtechnik.

Abbildung 1: Mindmaps gruppieren Stichpunkte nach ihrem thematischen Zusammenhang auf dem Papier. Das fördert den Überblick und die Kreativität.
Stürmisch
Daher eignet es sich gut, um die Ergebnisse eines Brainstorming-Prozesses festzuhalten, egal ob es sich um die Konzeption eines Computerprogramms oder der Neustrukturierung eines Unternehmens handelt. Gute Mindmaps können jedoch mehr, als farbige Textkästen auf der Anzeigefläche zu platzieren. Eine Mindmap im Anwendungsfenster allein nützt wenig, meist möchte der Anwender die gesammelten Ideen weiterverarbeiten. Damit dies im digitalen Zeitalter nicht in Abtippen ausartet, sind bei Mindmap-Programmen Exportfilter gefragt.
Auf dies Kriterien hin prüft diese Bitparade die Programme Freemind, Kdissert und Cmaptools. Nur die ersten beiden sind freie Software, Cmaptools ist in der Lite-Version kostenlos für private und geschäftliche Nutzung. Für den Download der Vollversion ist eine Registrierung erforderlich, allerdings fallen auch hier keine Kosten an.
Freemind
Freemind [1] ist eine plattformübergreifend lauffähige Java-Software (Abbildung 2). Das GUI wirkt etwas altbacken, die Bedienung folgt jedoch einem klaren Konzept: Die Anwendung ist für die Eingabe mit der Tastatur optimiert. Ist ein Mindmap-Knoten aktiv, tippt der Benutzer einfach los, um dessen Text zu editieren. [Einfügen] erzeugt einen Unterknoten, also ein neues Textkästchen, das mit einer Verbindungslinie am gerade aktiven anschließt. [Enter] bringt dagegen einen gleichgeordneten Knoten hervor, der vom selben Mutterknoten abhängt wie der aktive. [Enter] schließt auch die Texteingabe ab. Die Pfeiltasten bewegen den aktiven Knoten, die Leertaste oder ein Mausklick blenden Unterknoten ein oder aus. Versetzen lassen sich Knoten innerhalb der Mindmap durch Ausschneiden und Einfügen, mit [Strg]+[Pfeiltasten] oder durch Ziehen mit der Maus.

Abbildung 2: Die Onlinehilfe von Freemind liegt – wie könnte es anders sein – als Mindmap vor. Sie ist ein praxisnaher Einstiegspunkt, um das Programm kennenzulernen.
Alles in allem funktioniert das Bedienkonzept von Freemind, das weitgehend auf die Maus verzichtet, gut: Der Anwender tippt seine Stichpunkte damit genauso zügig ein wie in einer Textverarbeitung. Die Software zeichnet ohne weiteres Zutun eine Mindmap, um die Platzierung der Knoten muss sich der Benutzer nicht kümmern.
Gewöhnungsbedürftig ist allenfalls, dass Freemind gleich beim ersten Druck auf eine Ziffern- oder Buchstabentaste den gesamten Text des aktiven Node überschreibt. Allerdings lässt sich eine versehentliche Eingabe mit [Esc] abbrechen. Wer neuen Text zum bestehenden hinzufügen möchte, drückt dazu die Taste [F2]. [Alt]+[Eingabe] öffnet ein separates Editorfenster, das sich für längere Texte eignet. Mit ihm lassen sich auch mehrzeilige Texte für die Knoten der Map erstellen.
Optik unspektakulär, aber übersichtlich
Die Optik der Mindmaps, die Freemind mit den Standardeinstellungen zeichnet, ist schlicht und übersichtlich. Die Anwendung bietet viele Möglichkeiten, um das Aussehen der Mindmap zu beeinflussen: So lassen sich Schriftart, -größe und -farbe ebenso einstellen wie die Farbe des Textkastenhintergrunds, der Rahmen oder der Verbindungslinien. Bei den Verbindungen selbst darf der Anwender neben der Kolorierung und der Linienstärke auch noch unterschiedliche Linienformen auswählen.
Als Bonus gibt es bei Freemind zum Dekorieren der Knoten noch ein Set aus gut 30 Icons sowie die Funktion »Wolke«, die einen Knoten und seine Unterknoten mit einer farbigen Fläche hinterlegt (Abbildung 2, links unten). Optisch besonders aufpolierte Mindmaps, die bei einer Präsentationen beeindrucken könnten, kann das Programm trotz aller Formatierungsmöglichkeiten aber nicht erstellen, die Stärke der Software liegt eher im Zweckmäßigen.
Angehängt
Außer Icons lassen sich den Textkästen in den Mindmaps auch externe Grafiken im Jpeg-, PNG- oder Gif-Format einfügen. Außerdem kennt die Software Links auf Internetadressen und externe Dokumente auf der Festplatte. Zudem kann der Anwender Notizen anhängen, also längere Texte, die die Software nicht direkt in der Mindmap anzeigt. Vielmehr blendet Freemind dazu ein Unterfenster am unteren Bildrand ein.
Freemind exportiert Mindmaps als Bitmap (PNG, Jpeg) oder verlustlos skalierbare Vektorgrafik (SVG) sowie als HTML. Der HTML-Export erzeugt allerdings keine Mindmap, sondern bildet die Mindmap auf eine lineare Gliederung ab. Freemind erzeugt auch PDFs, in die die Software die Mindmaps allerdings als Bitmap mit sichbaren Kompressionsartefakten einbettet, nicht – wie es mit Blick auf Qualität und Dateigröße sinnvoll wäre – als Vektorgrafik und Text. Zudem bietet Freemind einen Export in das alte Open-Office-SWX-Format und einen XML-Export auf Basis einer XSLT-Datei wie beim Latex-Beamer-Export von Florian Thiel [2].
Kdissert
Wem der Funktionsumfang von Freemind ausreicht, der findet auch in Kdissert [3] alles, was er braucht: Wie die Java-Software zeichnet auch das KDE-3-Programm Mindmaps aus farblich anpassbaren Textkästen. Sie dürfen ebenfalls Symbole und externe Grafiken enthalten. Wie bei Freemind kann der Benutzer externe Dateien oder Internetlinks anhängen. Das Zeichnen der Mindmaps funktioniert ähnlich reibungslos: Auch in Kdissert erzeugen [Einfügen] und [Eingabe] unter- oder gleichgeordnete Nodes, deren Text sich durch einfaches Tippen editieren lässt. [Strg]+Cursortaste bewegt den Fokus durch die Mindmap.
Für längere Textanhänge gibt es in Kdissert ein Dock am unteren Fensterrand. Dort darf der Anwender den Text buchstabenweise fett, kursiv und unterstrichen formatieren. Anders als in Freemind lässt sich allerdings die Textformatierung in der Mindmap selbst nur auf Textkastenebene anpassen.
Der größte Unterschied zu Freemind ist die in Kdissert integrierte Gliederungsansicht, in der sich Unterpunkte per Mausklick ein- und ausblenden lassen. Etwas Ähnliches bietet Freemind nur als Export in eine DHTML-Datei, die der Anwender allerdings bei jeder Änderung an der Mindmap per Hand aktualisieren muss. Gerade wenn die Mindmap als Basis für einen Text dient, erweist sich der schnelle Wechsel zwischen Mindmap- und Gliederungsansicht in Kdissert als großer Vorteil. Ein nicht unbedeutender Nachteil ist es hingegen, dass sich untergeordnete Textkästen nicht ausblenden lassen.
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Tabelle 1: Mindmap-Software im |
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Exportschlager
Die Exportfunktion erzeugt außer reinen Textdateien Latex-Beamer-Präsentationen, Latex-Dokumente der Klasse »Buch«, Open-Office-Texte und -Präsentationen, HTML im Gliederungsstil, ein Java-Applet mit ein- und ausklappbaren Ästen sowie eine PNG-Datei. Optisch wirken die Mindmaps in Kdissert etwas edler als in Freemind. Das liegt zum Teil daran, dass Kdissert Nodes immer als farbige Kästchen darstellt, während sie in Freemind in der Standardeinstellung als gerade Striche mit darüberlaufendem Text erscheinen.
Außerdem kann der Anwender die Textkästchen per Hand verschieben. Last but not least gibt es in Kdissert mehrere Funktionen zur automatischen Anordnung der Nodes: Die »Schnelle Reorganisation« verteilt sie geradlinig auf der Zeichnenfläche, sodass sich die Kästchen nicht überlappen. Die »Intelligente Reorganisation« ordnet sie dagegen in einer organisch wirkenden Fächerform an.
Allerdings überlappen sich die Kästchen zunächst ein wenig. In der Praxis muss der Anwender nach der »Intelligenten Reorganisation« deshalb noch ein- oder mehrmals die dritte Anordnungsfunktion namens »Mindmap entwirren« einsetzen, bis sich ansprechend wirkende Ergebnisse wie in Abbildung 3 einstellen.

Abbildung 3: Mit ein bisschen Nachhilfe entstehen mit der intelligenten Reorganisation in Kdissert sehr übersichtliche und optisch ansprechend layoutete Mindmaps.
Zu bemerken ist noch, dass die letzte Kdissert-Version im Jahr 2005 erschien, die Software sich also offenbar nicht mehr in aktiver Entwicklung befindet. Der Nachfolger heißt Semantik [3], eine stabile Release gibt es aber noch nicht.
Cmaptools
Während sich Freemind und Kdissert in vielem ähneln, überwiegen im Vergleich mit Cmaptools [4] die Unterschiede. Das beginnt schon bei der Bedienung: In Cmaptools arbeitet der Anwender hauptsächlich mit der Maus. Zum Erstellen neuer Nodes zieht er einen Griff an die Stelle der Zeichenfläche, an der der neue Kasten entstehen soll. Benutzt er den Griff eines Textkasten, entsteht ein untergeordneter Knoten, aus den Griffen der Verbindungslinien zieht er gleichgeordnete heraus.
In Cmaptools trägt jede Verbindungslinie einen beschreibenden Text (Abbildung 4). Darin zeigt sich, dass Cmaptools eine andere Zielsetzung hat als klassische Mindmap-Tools: Geht es bei ihnen darum, den kreativen Fluss durch optische Darstellung verwandter Aspekte zu fördern, so entstehen in Cmaptools richtige Ontologien.

Abbildung 4: Mit den Cmaptools lassen sich die optisch ansprechendsten Mindmaps zeichnen, die man ohne Weiteres auch in Präsentationen übernehmen kann.
Auch bei den optischen Gestaltungsmöglichkeiten lässt Cmaptools jene Mindmap-Software, bei der es mehr um zügiges Zeichnen als um ausgefeiltes Layout geht, hinter sich. Der Anwender bestimmt Platz und Größe der Textkästen, sie können verschiedene Formen annehmen. Stärke, Farbe, Form und Verlauf der Verbindungslinien lassen sich verändern, außerdem dürfen sie mit einer Pfeilspitze die Verknüpfungsrichtung anzeigen. Neben den üblichen Optionen zur Textformatierung gibt es auch einen einfachen Formeleditor.
Viel Freiheit
Obwohl der Benutzer anders als bei Freemind die Kontrolle über die Platzierung der Nodes behält, gibt es in Cmaptools auch eine Autolayout-Funktion, die mit zahlreichen Parametern die der anderen beiden Programme im Leistungsumfang übertrifft. Cmaptools eignet sich wegen seiner Komplexität anders als Freemind oder Kdissert weniger für zügiges Festhalten der Ideen beim Brainstorming. Die Entwickler nennen ihr Programm auch nicht Mindmap-Editor, sondern “Werkzeug zur Wissensmodellierung”.
Seine Stärken spielt es dann aus, wenn es um ausgefeilte Konzepte geht. Auch bei Präsentationen erweisen sich die grafischen Stärken der Software im Vergleich zu den beiden anderen Programme als deutliches Plus. Außerdem bringt Cmaptools anders als Freemind und Kdissert umfangreiche Kollaborationsfunktionen für das gemeinsame Arbeiten mehrerer Anwender im Netz mit.
Je nach Bedarf
Freemind ist die geeignetste Anwendung, um schnell schlichte, aber ordentlich formatierte Mindmaps zu erstellen. Kdissert verfolgt eine ähnliche Richtung, glänzt aber zusätzlich durch Gliederungsfunktion und einen Exportfilter für Open Office. Die Cmaptools brauchen mehr Zeit, bedienen dafür aber auch höhere Ansprüche. (jcb)
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Infos |
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[1] Freemind: [http://freemind.sourceforge.net] [2] Beamer-XSLT: [http://www.noroute.de/blog/projekte/freemind-latex-beamer-konverter/] [3] Kdissert und Nachfolger Semantik: [http://freehackers.org/~tnagy/kdissert.html] [4] Cmaptools: [http://cmap.ihmc.us/] |






