Aus Linux-Magazin 06/2009

Knüppel aus dem Sack

Vor Zeiten war ein Schneider, der drei Söhne hatte und nur eine einzige Ziege. Einmal brachte sie der älteste Sohn auf den Kirchhof, wo die schönsten Kräuter standen, ließ sie da fressen und herumspringen. Abends, als es Zeit war heimzugehen, fragte er: "Ziege, bist du satt?" Die Ziege antwortete: "Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: meh! meh!"

Wie zuhause wollte sich der Schneider selbst überzeugen und fragte „Ziege, bist du auch satt?“ Die Ziege antwortete: „Wovon sollt’ ich satt sein? Ich sprang nur über Gräblein, und fand kein einzig Blättlein: meh! meh!“ „Was muss ich hören!“, rief der Schneider und sprach zu seinem Jungen: „Ei, du Lügner, sagst, die Ziege wäre satt?“ In seinem Zorn nahm er die Elle und jagte ihn mit Schlägen hinaus.

Anfang April 2009 ließ sich Berndes als Referenz bei einer Microsoft-Veranstaltung für Migrationen von Open- nach MS Office herumreichen. Hier wusste Harald Risse auch zu berichten, wie aufwändig Linux-Systeme zu administrieren sind, dass Drucker sehr teure Treiberlizenzen benötigen, Linux’ Updatestrategie, Zuständigkeiten und der Support nicht klar und Open-Source-Spamfilter wirkungslos seien, es keine Schulungen und kaum Dokumentation gäbe und dass Open Office falsch rechne, wenn Excel-Dateien von Kunden oder der Hausbank kämen. Auch vergaß er nicht zu erwähnen, wie einfach, intuitiv und unterm Strich kostengünstig seine lupenreine Microsoft-IT jetzt liefe.

Am anderen Tag war die Reihe an des Schneiders zweitem Sohn. Der suchte an der Gartenhecke einen Platz aus, wo lauter gute Kräuter standen, und die Ziege fraß sie rein ab. Abends, als er heim wollte, fragte er: „Ziege, bist du satt?“ Sie antwortete: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: meh! meh!“

Wer den Geschäftsführer der Linux-Firma Gonicus dazu befragt, bekommt hingegen erzählt, dass im Zuge der ERP-Umstellung vor zwei Jahren immer mehr proprietäre Software bei Berndes eingezogen sei, irgendwann Schnittstellenprobleme aufgetauchten und die Zusammenarbeit langsam entschlafen wäre. Beschwerden habe es nie gegeben, was er mit einem ausgefüllten Kundenzufriedenheits-Formular belegt. In dem vergibt Herr Risse von Berndes für die Linux-Dienstleistungen durchgängig gute Noten. Das Datum des Lobes: 13. Februar 2009, sieben Wochen vor seiner Microsoft-Präsentation.

Wie „Tischlein, deck dich“ weitergeht, ist Gebrüder-Grimm-Freunden bekannt: Der Schneider kantet alle Söhne aus dem Haus, weidet darum die Ziege selbst und erkennt dabei seine Leichtgläubigkeit. Erbost schert er der Ziege mit seinem Bartmesser den Kopf kahl und versetzt ihr solche Hiebe, dass sie in gewaltigen Sprüngen davonläuft. So märchenhaft grausam ist das IT-Leben selten.

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