Aus Linux-Magazin 01/2026

Linux auf Apple Silicon Macs: Asahi macht es möglich

© MR.A NON LOYSANG / 123rf.com

Macs mit Apples eigenen ARM-Prozessoren beeindrucken in vielerlei Hinsicht. Wer darauf Linux statt macOS nutzen wollte, hatte schlechte Karten: Die proprietäre Hardware war nicht dokumentiert und Treiber fehlten komplett. Das Asahi-Linux-Projekt ändert die Situation grundlegend.

Apple-Silicon-Macs verfügen über Apples eigene ARM-Prozessoren (siehe Kasten “M-Chips”). Sie glänzen mit starker Performance, hervorragender Akkulaufzeit und hochwertigem Design. Doch wer darauf lieber Linux statt macOS laufen lassen mochte, stand lange vor nahezu unlösbaren Problemen. Es gab keine Dokumentation der Hardware und es fehlten Treiber. Eine native Linux-Installation war schlicht unmöglich. Bisher war man also auf macOS angewiesen, um in den Genuss der Hardwarevorteile zu kommen.

M-Chips

Apple-Silicon-Macs sind die ab 2020 vorgestellten Macs, mit denen Apple seine dritte große CPU-Transition abschloss. Nachdem Intel die gewünschten Chips nicht liefern konnte, entwickelte das Unternehmen eigene Prozessoren auf ARM-Basis, die M-Chips. Sie können mit den Produkten etablierter CPU-Hersteller konkurrieren und brachten bei Energieeffizienz und Performance sogar erhebliche Verbesserungen .

Inzwischen ist es dem Asahi-Linux-Projekt [1] gelungen, die Hürden für den Betrieb von Linux auf Apple-Geräten deutlich zu senken. Nach fünf Jahren intensiver Entwicklungsarbeit läuft Linux auf M1- und M2-Macs erstaunlich gut, mit voller Grafikbeschleunigung, funktionierendem Audio und den meisten Hardwarefunktionen.

Hinter Asahi Linux [2] steckt kein klassisches Linux-Distributionsprojekt, sondern eine umfassende Initiative zur Entwicklung von Hardware-Unterstützung für Apple-Silicon-Macs. Der Großteil der Arbeit liegt in der Entwicklung von Treibern, Tools und Kernel-Patches, die für den Betrieb von Linux auf Apples ARM-basierten Systemen notwendig sind. Das Besondere dabei: Das Team arbeitet daran, alle Entwicklungen in die jeweiligen Open-Source-Projekte zu integrieren, primär in den Linux-Kernel und Mesa3D. Die GPU-Treiber befinden sich bereits vollständig in Mesa upstream, andere Komponenten folgen nach und nach.

Die Flagship-Distro des Projekts heißt Fedora Asahi Remix [3], eine enge Zusammenarbeit zwischen Asahi Linux und dem Fedora-Projekt. Sie dient sowohl als polierte Distribution für Endanwender als auch als Referenzimplementierung für andere Distributionen. Mittlerweile gibt es außerdem verschiedene Community-geführte Remixes wie Ubuntu Asahi [4], Gentoo und Arch Linux, die die Asahi-Arbeit einbeziehen.

Asahi

Der Name “Asahi” bedeutet auf Japanisch “aufgehende Sonne” und symbolisiert einen neuen Anfang. Gleichzeitig verbirgt sich dahinter eine clevere Anspielung: Asahi Ringo ist die japanische Bezeichnung für den McIntosh-Apfel (Abbildung 1) – jene Apfelsorte, die dem Mac seinen Namen gab. Eine passende Namensgebung für ein Projekt, das neue Möglichkeiten auf Apple-Hardware eröffnet.

Abbildung 1: Jef Raskin benannte Apples Computermodelle nach der in Nordamerika verbreiteten Apfelsorte. Ein "a" fügte er ein, um die Verwechslungsgefahr mit einem anderen Unternehmen zu minimieren. Quelle: MarkusHagenlocher, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2735605

Abbildung 1: Jef Raskin benannte Apples Computermodelle nach der in Nordamerika verbreiteten Apfelsorte. Ein “a” fügte er ein, um die Verwechslungsgefahr mit einem anderen Unternehmen zu minimieren. Quelle: MarkusHagenlocher, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2735605

Rechtliche Grundlage

Anders als bei iOS-Geräten erlaubt Apple auf seinen Macs das Booten unsignierter Custom-Kernels. Dabei handelt es sich weder um eine Sicherheitslücke noch um ein Versehen. Vielmehr ist es ein Feature, das Apple in die Apple-Silicon-Macs bewusst integriert hat. Dementsprechend benötigt man keinen Jailbreak und verletzt keine Garantiebedingungen, wenn man Linux installiert.

Rechtlich steht das Projekt also auf solidem Grund: Solang kein Code aus macOS entnommen wird, ist die Entwicklung und Nutzung von Linux auf Apple-Hardware vollkommen legal. Das Asahi-Projekt arbeitet ausschließlich mit Reverse Engineering und eigenen Implementierungen. Alle Treiber sind selbst entwickelt und nicht von Apples Betriebssystem abgeleitet.

Apple unterstützt die Entwicklung zwar nicht aktiv, steht ihr aber auch nicht im Weg. Die Bootloader-Architektur gestattet das Laden alternativer Betriebssysteme auf eine saubere, dokumentierte Weise. Die Secure Enclave Processor (SEP) Firmware ist dabei unter Apples Kontrolle, ähnlich wie bei x86-Systemen die Management Engine oder Platform Security Processor proprietär bleiben.

Warum Linux auf M-Macs?

Die Motivation für Linux auf Apple-Hardware ist vielfältig. Technisch gesehen bieten die M-Chips (Abbildung 2) eine beeindruckende Kombination aus Leistung und Energieeffizienz. Die ARM-Architektur gilt als modern, die Fertigungstechnik als hochentwickelt. Zudem ermöglicht die Integration von CPU, GPU und Neural Engine auf einem Chip einzigartige Performance-Charakteristiken.

Abbildung 2: Inzwischen hat Apple seine M-Chips deutlich erweitert und ist bei der fünften Generation angelangt. Der hier gezeigte M2 Max verfügte über 67 Milliarden Transistoren. Quelle: Apple

Abbildung 2: Inzwischen hat Apple seine M-Chips deutlich erweitert und ist bei der fünften Generation angelangt. Der hier gezeigte M2 Max verfügte über 67 Milliarden Transistoren. Quelle: Apple

Für viele Entwickler und Linux-Enthusiasten ist die Hardware attraktiv, das Betriebssystem allerdings nicht. Für manche Anwendungsfälle mag sich macOS als optimal erweisen, doch Linux-Anwender schätzen die Freiheit, Anpassbarkeit und Kontrolle ihres Systems. Hier kommt Asahi Linux ins Spiel – damit müssen sie nicht mehr zwischen bevorzugter Hardware und bevorzugtem Betriebssystem wählen.

Hinzu kommt ein philosophischer Aspekt: Open Source Software auf proprietärer Hardware zu ermöglichen, vergrößert die Wahlfreiheit. Das Asahi-Projekt zeigt, dass moderne ARM-Systeme nicht zwingend an ein herstellergebundenes Betriebssystem gekoppelt sein müssen. Das ist vor allem relevant, da ARM-basierte Systeme zunehmend auch im Desktop- und Server-Bereich Verbreitung finden.

Praktisch eröffnet Asahi Linux neue Möglichkeiten: Dual-Boot-Systeme für Nutzer, die beide Welten benötigen: vollwertige Linux-Entwicklungsumgebungen auf leistungsstarker und mobiler Hardware oder die Weiternutzung älterer Apple-Hardware mit aktuellen Linux-Distributionen, auch wenn Apple den macOS-Support eingestellt hat.

Projektstruktur

Das Projekt wurde 2020 von Hector Martin [5] ins Leben gerufen, einem Reverse-Engineering-Spezialisten mit langjähriger Erfahrung bei Linux-Portierungen auf proprietäre Hardware. Zu seinen früheren Projekten gehören Linux auf der PlayStation 4 und Beiträge zum Wii-Homebrew-Ökosystem. Anfang 2025 zog sich Martin zurück, nachdem ihn die intensive Arbeit an den Rand eines Burn-outs getrieben hatte.

Heute leitet ein siebenköpfiges Board das Projekt, das die Governance, Infrastruktur und Finanzen verwaltet. Die Entwicklung selbst folgt einem Lazy-Consensus-Modell: Wer etwas implementieren möchte, tut es einfach. Code-Änderungen werden von anderen Entwicklern überprüft. Ein Veto erzwingt eine Diskussion bei kontroversen Themen. Dieses Modell ermöglicht schnelle Fortschritte ohne bürokratische Hürden.

Das Board trifft sich monatlich in einem Videocall und stellt die Protokolle anschließend öffentlich zur Verfügung. Finanzielle Entscheidungen fallen per Mehrheitsbeschluss, wobei betroffene Board-Mitglieder nicht abstimmen dürfen. Die Finanzierung läuft über Open Collective, was vollständige Transparenz über alle Transaktionen gewährleistet.

Wichtige Entwickler

Das Asahi-Projekt lebt von den Beiträgen talentierter Entwickler mit unterschiedlichen Spezialisierungen. Alyssa Rosenzweig [6] leitete die GPU-Entwicklung und ist bekannt für ihre Arbeit am Panfrost-Treiber für ARM Mali GPUs. Sie implementierte die weltweit ersten konformen OpenGL 4.6 und Vulkan 1.4 Treiber für Apple-Silicon-Macs. Im August 2025 verabschiedete sie sich vom Projekt, nachdem sie ihre Ziele als erfüllt ansah. Ihre Treiber sind vollständig in Mesa integriert und werden von der Community nun gepflegt. Sie bleibt dem Projekt als Board-Mitglied erhalten.

Dougall Johnson reverse-engineerte große Teile des Apple GPU Instruction Sets und analysierte das Mikroarchitektur-Timing der M1-CPU-Kerne. Sein Tun bildete die Grundlage für effiziente Compiler und Optimierungen. Eileen Yoon fokussierte sich auf Multimedia-Komponenten und Beschleuniger. Sie baute die Unterstützung für die Neural Engine ein, den Image Signal Processor für Kameras und arbeitet an Hardware-Videobeschleunigung.

James Calligeros ergänzte Energy-Aware Scheduling (EAS) für die heterogenen CPU-Cores, entwickelte DSP-Profile für die Lautsprecher und erweiterte PipeWire um Utilization Clamping, um den Energieverbrauch zu optimieren. Er pflegt auch asahi-gentoo. Janne Grunau lieferte Touchpad- und Tastatur-Unterstützung für die M1-Serie und wartet den Display Controller (DCP) Treiber. Kürzlich fügte er HDMI-Ausgabeunterstützung hinzu und ist an Device Trees und Upstream-Submission beteiligt.

Mark Kettenis vom OpenBSD-Projekt schrieb m1n1- und U-Boot-Treiber für Apple-M1-Peripherie, einschließlich der PCIe- und NVMe-Initialisierung. Seine parallele Arbeit an OpenBSD-Treibern zeigt die plattformübergreifende Relevanz von Reverse-Engineering. Sven Peter befasste sich mit der Upstream-Linux-Unterstützung für Apples Device Address Resolution Table (DART), die es für USB, PCIe, Ethernet und Wifi braucht. Er fügte USB-Gadget-Support zu m1n1 hinzu und beschäftigt sich darüber hinaus mit DisplayPort und Thunderbolt.

Asahi Lina (ebenfalls ausgeschieden) schrieb den weltweit ersten Rust-basierten GPU-Kernel-Treiber für Linux. Ihre Arbeit demonstrierte die Machbarkeit von Rust im Linux-Kernel und sie reverse-engineerte die komplexe M1-GPU-Kernel-Schnittstelle. Martin Povi¨er leitete die Audio-Kernel-Treiber-Entwicklung und integrierte Apple-spezifische SoC-Audio-Treiber sowie Treiber für proprietäre Apple-Codecs.

Unterstützte Hardware

Asahi Linux unterstützt mittlerweile eine breite Palette von Apple-Silicon-Macs. Der Support variiert je nach Modell und Chip-Generation. MacBooks der Air-Serie mit M1 und M2 bieten die beste Unterstützung: Display, Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung, Trackpad, Lautsprecher, Mikrofon, Kamera, Kopfhörerbuchse, USB-C (3.0), Wi-Fi und Bluetooth funktionieren komplett. MagSafe ist auf M2-Modellen verfügbar.

MacBook-Pro-Modelle mit M1, M1 Pro, M1 Max, M2, M2 Pro und M2 Max erhalten ebenfalls Support. Die 13-Zoll-Modelle verfügen außerdem über Touch-Bar-Unterstützung. Die 14- und 16-Zoll-Modelle bieten Local Dimming für das Display (allerdings nur mit 60 Hz, nicht mit den nativen 120 Hz ProMotion), HDMI-Ausgang und SD-Kartenleser. HDR-Unterstützung fehlt bislang.

Mac Minis mit M1, M2 und M2 Pro laufen gut, einschließlich Kopfhörerbuchse, Lautsprecher, USB Type A (3.0), USB Type C (3.0), HDMI, Ethernet (1/10 Gbps), Wi-Fi und Bluetooth. Macs aus der Studio-Reihe mit M1 Max, M1 Ultra, M2 Max und M2 Ultra bieten ähnliche Features wie der Mac Mini, plus SD-Kartenleser und 10-Gbps-Ethernet.

Der iMac mit M1 funktioniert zwar mit Asahi Linux, doch die Lautsprecher und das Mikrofon funktionieren bisher nicht. Display, Kamera, USB-C, Ethernet, Wi-Fi und Bluetooth hingegen schon. Der Mac Pro ist als “Coming Soon” gelistet, aber noch nicht offiziell unterstützt.

Funktionen

Die Liste der funktionierenden Features ist beeindruckend. Asahi Linux verspricht inzwischen Support für OpenGL 4.6, OpenGL ES 3.2, OpenCL 3.0 und Vulkan 1.4 – alle offiziell konform nach Khronos-Standards. Damit übertreffen die Projektbeteiligten sogar Apples eigene Implementierungen, die nicht konform sind. Die GPU-Performance fällt gut aus, obgleich sie nicht ganz das Niveau von macOS erreicht.

Ein besonderes Highlight ist die Audio-Unterstützung. Asahi Linux liefert nach eigener Aussage das beste Laptop-Audio-Erlebnis im Linux-Ökosystem. Das Team entwickelte eine vollständig integrierte DSP-Lösung mit PipeWire und WirePlumber. Jedes MacBook-Modell wurde individuell vermessen und kalibriert, mit spezifischen DSP-Filter-Konfigurationen. Die Bankstown Bass-Boost-Technologie und eine eigene Smart-Amp-Implementierung sorgen für volle Lautstärke und Dynamik bei optimalem Energieverbrauch.

Fedora Asahi Remix bietet KDE Plasma 6.3 und GNOME 48, beide vollständig Wayland-nativ. Das ermöglicht eine butterweiche Darstellung ohne Tearing und nahtloses HiDPI mit Display-Skalierung. Dank der Vulkan-1.4-Implementierung läuft auch Proton auf Asahi Linux, sodass Windows-Spiele sich über Steam spielen lassen. Die DirectX-12-Unterstützung via VKD3D-Proton erlaubt Gaming auf Apple-Silicon-Macs.

Wichtige Einschränkungen

USB-C-Displays und Thunderbolt/USB4 funktionieren noch nicht. Das ist eine der größten verbleibenden Limitierungen. Display-Port-Unterstützung ist zwar in Arbeit, aber noch nicht produktionsreif. Für externe Monitore muss man derzeit auf HDMI zurückgreifen (soweit vorhanden) oder USB-zu-HDMI-Adapter verwenden. Touch ID steht ebenfalls nicht zur Verfügung und wird es wahrscheinlich auch nie, da sie tief in Apples Secure Enclave integriert ist und deren Schnittstellen nicht dokumentiert sind.

Ein technisches Detail betrifft die Kernel Page Size: Apple-Silicon-Macs verwenden 16 KByte große Memory Pages, während die meisten anderen ARM-Systeme auf 4 KByte setzen. Das führt dazu, dass einige proprietäre Software, die speziell für 4-KByte-Systeme kompiliert wurde, nicht funktioniert. Ein prominentes Beispiel ist die Telegram Desktop-App. Der ehemalige Canonical-Mitarbeiter Alan “Popey” Pope kompiliert sie deshalb selbst aus dem Quellcode von GitHub, baut sie auf einem M1 MacBook Air und veröffentlicht sie als Snap unter dem Namen “telegram-asahi”.

Das Problem betrifft ausschließlich proprietäre Software: Bei Open-Source-Anwendungen liegt der Quellcode vor und lässt sich einfach für die 16-KByte-Page-Size neu kompilieren. Bei proprietärer Software ist man jedoch auf vorkompilierte Binaries angewiesen – wenn sie für 4-KByte-Systeme erstellt wurden, eigenen sie sich für Asahi nicht. Entwickler müssen dann entweder spezielle Builds für Asahi bereitstellen, oder die Community muss einspringen wie im Fall von Telegram.

Grafikunterstützung

Die Grafikunterstützung verdient besondere Erwähnung, da in ihr eine der größten Herausforderungen lag. Apple dokumentiert seine GPU-Architektur nicht öffentlich, das Reverse Engineering verlangte entsprechend viel Aufwand. Alyssa Rosenzweig begann Ende 2020 mit der Arbeit am Shader Instruction Set. Innerhalb weniger Wochen konnte sie ein Dreieck rendern, der klassische Meilenstein in der 3D-Grafik.

Im Lauf der nächsten beiden Jahre entwickelte sie einen vollständigen Shader-Compiler und OpenGL-Treiber. Asahi Lina implementierte parallel den Kernel-Treiber in Rust. Seit Dezember 2022 steht Grafikbeschleunigung in Asahi Linux letztlich zur Verfügung. Der Weg zu konformen Treibern war lang: OpenGL 3.2 erfordert Geometry Shader, ein Legacy-Feature, das weder ARM- noch Apple-Hardware nativ unterstützt. Das Asahi-Team baute eine Emulation via Compute Shader ein und schuf damit Infrastruktur, von der auch andere Mesa-Treiber profitieren. Im Januar 2024 bestand der Treiber die offizielle OpenGL-4.6-Konformitätsprüfung.

Die Vulkan-Implementierung folgte kurz darauf, und mit der Veröffentlichung der Vulkan-1.4-Spezifikation konnte Asahi Linux am selben Tag eine konforme Implementierung vorweisen. Das widerlegte den Mythos, dass sich Vulkan nicht für Apple-Hardware eignet – ein Eindruck, der durch Apples ausschließliche Unterstützung ihrer eigenen Metal-API auf macOS entstand. Asahi bewies, dass es keine technischen Hindernisse gibt, sondern nur eine strategische Entscheidung Apples war. Mittlerweile kommt dank der Asahi-Arbeit auch konformes Vulkan über LunarG’s KosmicKrisp-Projekt auf macOS zum Einsatz. Karol Herbst ergänzte die Arbeit mit OpenCL-3.0-Unterstützung basierend auf Rosenzweigs Compiler und seinem rusticl-Frontend. Damit lässt sich Asahi Linux auch für GPGPU-Computing-Aufgaben einsetzen.

Die Zukunft des Projekts

Die Zukunft von Asahi Linux ist ungewiss. Zwar sind das siebenköpfige Board und die Entwickler-Community weiterhin aktiv, doch die Abgänge von Hector Martin, Alyssa Rosenzweig und weiteren wiegen schwer. Man kann die Leistungen des Projekts trotzdem nur bewundern: Die technische Brillanz beim Reverse Engineering, die Qualität der Treiber und die vorbildlichen Upstreaming-Bemühungen beeindrucken.

Doch genau dieser Diskurs rund um das Upstreaming hat einige Asahi-Maintainer ausgebrannt und letztendlich zum Verlassen des Projekts bewogen. Die Probleme in der Diskussionskultur der Linux-Kernel-Community sind bei Weitem nichts Neues. Allerdings zeigen sie hier erneut, wie schnell ein Projekt damit ausgebremst wird und wie viel wichtige Arbeit am Ökosystem dadurch nicht bei den Leuten ankommt, die davon profitieren könnten.

Es bleibt abzuwarten, ob die Arbeit an den bereits unterstützten Geräten fortgeführt wird, und ob neuere Apple-Silicon-Generationen wie M3 und M4 noch vollständig aufgenommen werden. Je mehr Code im Mainline-Linux-Kernel landet, desto stärker vereinfacht sich die langfristige Wartung für alle Distributionen. Das Asahi-Team hat hier bereits beachtliche Fortschritte gemacht, die meisten Treiber sind mittlerweile upstream. Doch die Frage bleibt: Genügt die verbleibende Community-Kraft für die nächsten Schritte?

Die Zusammenarbeit mit dem Fedora-Projekt hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Fedora Asahi Remix demonstriert, dass professionelle Distribution-Maintainer und Hardware-Hacker effektiv zusammenarbeiten können. Die Partnerschaft könnte als Modell für künftige Hardware-Enablement-Projekte dienen.

Server statt Desktop

Für den Server-Einsatz zeigt sich Asahi Linux schon jetzt mehr als ausgereift. Ich nutze einen M1 Mac mini mit Ubuntu Server Asahi als Homeserver und hoste darauf eine Nextcloud AIO-Instanz sowie Immich. Er ist der schnellste und energieeffizienteste Homeserver, den ich bisher besaß. Durch die Ubuntu LTS Release Upgrades und Ubuntu Pro werde ich noch lange produktiv mit dem Mac mini arbeiten können, ein Wechsel auf den M2 Mac mini wäre ebenfalls problemlos möglich.

Für die Desktop-Nutzung gibt es noch Einschränkungen, insbesondere bei USB-C-Displays und Thunderbolt. Doch für Server-Anwendungen, bei denen Stabilität, Energieeffizienz und Performance zählen, ist Asahi bereits jetzt eine ausgezeichnete Wahl. Die ARM-Architektur, die hervorragende Energieeffizienz und die vollständige Linux-Kompatibilität machen Apple-Silicon-Macs zu idealen Home- oder kleinen Firmenservern.

Ist mit dem Asahi-Support für M1- und M2-Macs nun alles erreicht? Oder gibt es noch Potenzial für weitere Generationen? Diese Fragen bleiben vorerst offen. Die Hoffnung auf bessere Zeiten beim Asahi-Projekt und eine konstruktivere Diskussionskultur in der Linux Kernel-Community bleibt bestehen.

Fazit

Asahi Linux hat in fünf Jahren Entwicklungszeit aus meiner Sicht Außergewöhnliches geleistet. Was als ambitioniertes Reverse-Engineering-Projekt begann, ist heute eine vollwertige Linux-Erfahrung auf Apple-Hardware. Die technische Brillanz, die Qualität der Treiber und die Standardkonformität stellen teilweise sogar Apples eigene Implementierungen in den Schatten.

Das Asahi-Linux-Projekt demonstriert eindrucksvoll, was engagierte Open-Source-Entwickler in Sachen proprietäre, undokumentierte Hardware erreichen können. Apple-Silicon-Macs sind dank Asahi nicht länger ein geschlossenes Ökosystem, sondern eine offene Plattform für Linux-Enthusiasten. (csi)

Infos

  1. Asahi Linux – About: https://asahilinux.org/about/
  2. Asahi Linux – Governance: https://asahilinux.org/governance/
  3. Fedora Asahi Remix: https://docs.fedoraproject.org/en-US/fedora-asahi-remix/
  4. Ubuntu Asahi: https://ubuntuasahi.org/
  5. Hector Martin resigns from Asahi Linux: https://www.phoronix.com/news/Hector-Martin-Resigns-Asahi
  6. Alyssa Rosenzweig – Dissecting the Apple M1 GPU, part N: https://rosenzweig.io/blog/asahi-gpu-part-n.html
DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 5 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben