Mehr als viermal so viele Teilnehmer wie sonst folgten der diesjährigen Open-Source-Konferenz Fosdem – ausschließlich virtuell.
Die jährliche Open-Source-Konferenz Fosdem hat wegen der weltweiten Coronapandemie in diesem Jahr virtuell stattgefunden und dabei deutlich mehr Teilnehmer angezogen als die jährliche physische Veranstaltung, die sonst auf einem Universitätscampus in Brüssel stattfindet. Die freiwilligen Organisatoren sprechen dabei von rund 33.000 Teilnehmern. In den vergangenen Jahren lag die Anzahl mit etwa 8.000 Teilnehmern deutlich darunter.
Umgesetzt wurde die Konferenz dabei ausschließlich mit Open-Source-Software, wobei für die Vorträge und Videostreams auf Jitsi gesetzt wurde. Die etwa zum rC3 vielfach berichteten Probleme mit den Streams scheinen bei der Fosdem größtenteils kein Problem gewesen zu sein. Das Team der Matrix-Entwickler führt dies vor allem darauf zurück, dass das Matrix-Chat-Protokoll von Anfang an dafür entwickelt wurde, von einer riesigen Anzahl Clients benutzt zu werden. Tatsächlich gibt es mit den Matrix-Servern von Mozilla oder Gitlabs Gitter sowie auch den Servern der französischen Verwaltung oder Bundeswehr inzwischen zahlreiche Instanzen mit mehreren Zehntausend Clients.
Für die Fosdem-Konferenz hat das Matrix-Team dabei einige neue Techniken für seine eigene Instanz umgesetzt. Dazu gehört unter anderem die sogenannte Jitsi-Videobridge, die als Widget wie eine Art iFrame in die Chaträume integriert wurde. Die Vortragsstreams, die meistens vorher aufgezeichnet wurden, konnten so leicht über den Jibri-Server in die Matrix-Chats ausgestrahlt werden. Die üblichen Fragen am Ende der Vorträge wurden dann ad hoc als Videochat umgesetzt. Hinzu gekommen sind Matrix-Chaträume für die sonst üblichen Stände der Community sowie scherzhaft auch für die sonst überforderten Food-Truck-Stände oder die Garderobe.
Wie der Matrix-Entwickler Matthews Hodgson dazu im Vortrag auf der Fosdem selbst erklärte, nutzte das Team für jeden der Vortragsräume einen eigenen Jibri-Server. Die eigene Infrastruktur für die Chaträume skalieren die Verantwortlichen zudem mit Kubernetes, was schnelle Anpassungen ermöglicht. Dabei habe es nur am Anfang kurz das Problem gegeben, dass das Team falsch eingeschätzt habe, welche Vorträge auf das größte Interesse von Teilnehmern stoßen. Das erinnert stark an die physische Fosdem.



