Die Software Freedom Conservancy geht mit einem neuen Programm rund um freie Firmware in die Offensive. Sie will die Einhaltung der GPL-Richtlinien notfalls gerichtlich durchsetzen und damit zugleich alternative Firmware fördern.
Der von der SFC gewählte Ansatz sei ein “holistischer” schreibt die Initiative in einem Blogpost. Einerseits will die Initiative Hersteller von IoT-Geräten dazu drängen, den Quellcode für die von ihnen verwendete Firmware plus Installationsanleitungen zu veröffentlichen, wenn diese Firmware unter der GPL steht. Andererseits will sie die Anstrengungen verstärken, diesen Quellcode als freie Firmware auf möglichst viele IoT-Geräte zu bringen.
Tatsächlich bringen die IoT-Hersteller ständig neue Geräte auf den Markt. Nicht wenige davon setzen intern auf GPL-Software, ohne dies aber explizit zu sagen oder einen Download der Firmware zu ermöglichen. Die Conservancy habe illegal eingesetzte Linux-basierte Firmware in Kühlschränken, Baby-Monitoren, virtuellen Assistenten, Soundbars, Türklingeln, Sicherheitskameras, polizeilichen Bodycams, Autos, AV-Empfängern und TV-Geräten gefunden.
Notfalls gerichtlich
Den Quellcode nicht freizugeben und keine Installationsanleitungen zu liefern, verstoße aber gegen die GPL. Diesen Hebel will die SFC nun einsetzen, um IoT-Hersteller zu mehr Offenheit zu drängen und droht mit Rechtsstreit, wenn die Anbieter nicht einlenken. Vorbild dafür liefert ein Prozess, den mehrere GPL-Aktivisten in den Nullerjahren gegen Linksys führten. Der Prozess führte damals dazu, dass Linksys den Quellcode für den WRT54G-Router offenlegte. Auf dieser Codebasis entstanden dann die OpenWRT-Firmware, die heute auf vielen Routern läuft und das OpenWRT-Projekt, das kürzlich Teil der SFC wurde.
Erfolge nutzen
Das sei aber nur der erste Schritt der neuen Strategie, eine Klage allein genüge nämlich nicht, schreibt die SFC. Wichtig sei es dann auch, auf Basis des freigeklagten Sourcecodes eigene offene Firmware zu entwickeln, mit der sich die Geräte ohne große Umstände betreiben lassen. Das aber sie nicht immer geschehen. Häufig seien um den freigeklagten oder veröffentlichten Quellcode eben keine freien Projekte entstanden. Als Grund sieht die SFC, dass es dauere, bis ein vermarktbares Minimalprodukt vorliege. Für diese erste schwierige Phase will die SFC künftig finanzielle Unterstützung bieten, um die Arbeit an der freien Firmware zu sponsern.
Zugleich, und das ist der dritte Schritt in der angekündigten Strategie, will die SFC mit anderen Projekten zusammenarbeiten, um diese Strategie in die Tat umzusetzen. Seit kurzem gibt es eine Zusammenarbeit mit dem OpenWRT-Projekt. Die neue Initiative wird zudem von der ARDC (Amateur Radio Digital Communications) finanziell unterstützt, einer gemeinnützigen Organisation rund um den Amateurfunk.


