Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Ambitioniert fanden viele von Anfang an das Vorhaben, Debian GNU/Linux alias Lenny noch 2008 in die Freiheit zu entlassen. Geklappt hat es bis jetzt nicht. Das ändert an der Euphorie des Projekts wenig: Auf der Entwicklernews-Mailingliste appellierte Release-Team-Mitglied Alexander Reichle-Schmehl am 6. Oktober, Lenny zumindest noch bis Ende des Jahres fertigzustellen [1]. Auch in seinem Blog und in öffentlichen Kommentaren [2] setzt er sich kämpferisch für einen Endspurt ein.
Helft Lenny!
Reichle-Schmehl bezeichnet den verpassten Release-Termin als “Schande”: Die noch im Testing-Zweig liegende Distribution habe einfach zu viele Fehler. Bei Redaktionsschluss waren es laut Bugtracker rund 250. Ungebrochenen Mutes ruft er jedoch sowohl Entwickler als auch normale Benutzer auf das Projekt bei der Jagd nach Release-kritischen Fehlern zu unterstützen: Ein gemeinsamer Endspurt könnte Lenny noch in diesem Quartal durchs Ziel bringen, ermuntert er.
Anwender, die dazu beitragen wollen, könnten zum Beispiel auf Lenny-Unstable aktualisieren, um die Funktion des Systems zu prüfen, lautet einer der Vorschläge in der Mail. Dazu installieren sie die »devscripts« aus dem Backports-Zweig und führen den Befehl »rc-alert –include-dists TU« aus. So sehen sie, welche der auf ihrem System installierten Lenny-Pakete noch fehlerhaft sind. Beim Fixen helfen Reproduktionen von Fehlern, Berichte und manchmal sogar einfaches Einsammeln bestimmter Daten.
Motivationstrommeln
Unterstützend argumentiert der Release-Manager in seinem Blog-Eintrag, nur 97 der rund 250 im Bugtracker wartenden Fehler seien tatsächlich offene Bugs, für die noch kein Patch vorliegt. Die anderen seien gefixt, aber noch nicht “in Lenny angekommen”. Das liege zum Beispiel daran, dass der Maintainer das Patch noch nicht hochgeladen habe. Oder mehrere Personen meldeten den gleichen Fehler, sodass er im Bugtracker nun mehrfach auftaucht. Oder das Patch sei vorhanden, aber noch nicht getestet. Der Motivationstrommler fasst zusammen: “Ja, es gibt noch viel zu tun. Also lasst uns doch die Sache anpacken, oder?”
In dieses ganz mit Lenny-Bugs beschäftigte Bewusstsein der Entwicklergemeinde drängte sich Mitte September ein Debian-Team, von dessen Existenz wohl nur wenige wissen: Debian Hurd sandte ein Lebenszeichen an die Newsliste für Entwickler – nach drei Jahren das erste Projektstatus-Update [3].
Seltener Gast
Michael Banck, Hauptentwickler des Hurd-Teams, bedauert einerseits den immer noch fehlenden Debian-Installer – wer Debian GNU/Hurd installieren möchte, muss sich sein System mittels »debootstrap« aufsetzen. Andererseits profitiere der Hurd-Port von dem Proc-FS-Übersetzer, den das GNU-Projekt in Googles Summer of Code erstmals fertigstellte. Damit hat der Hurd-Kernel ein mountbares Proc-Dateisystem.
Produktiv einsetzbar ist der 1990 getaufte GNU-Kernel nicht, weswegen ihn viele belächeln. Aber ohne ihn wäre die Open-Source-Welt wohl nicht das, was sie ist: Viele der in Linux verwendeten Tools entwickelte die Free Software Foundation für das 1984 gestartete GNU-Projekt, zu dem der Hurd-Kernel gehört. (ake)
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Infos |
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[1] Mail von Alexander Reichle-Schmehl:[http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2008/10/msg00000.html] [2] Reichle-Schmehls Kommentar mit Link zum Blog: [https://www.linux-magazin.de/news/debian_5_0_lenny_erst_im_juni_2009] [3] Mail von Michael Banck: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2008/09/msg00004.html] |
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Der Autor |
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Martin Loschwitz ist Entwickler bei Debian GNU/Linux und arbeitet als System Operator bei der Linbit GmbH in Wien. |





