Vielen Anhängern freier Software gefällt das Look & Feel von Mac OS X. Die Icon- und Sound-Themes aus Mac4Lin emulieren es zusammen mit dem Dock-Klon Avant Window Navigator. Der Entwickler von PDFsam liefert ein Modell, wie sich Programmierer für freie Software entlohnen lassen können.
Wenn es plötzlich kein Linux mehr gäbe, welches System würden die trauernden Vollwaisen dann wählen? Windows trotz seiner Verbreitung nicht. Wer die Vorteile eines Unix-artigen Systems schätzen gelernt hat, tendiert eher zum Unix-Derivat Mac OS X.
Usability unter Unix
Was die Usability eines Desktop-Systems ausmacht, lässt sich schwer auf den Punkt bringen. Apple-Liebhaber schwören jedoch auf die bei Mac OS X integrierten Anwendungen, das reibungslose Zusammenspiel zwischen Software und Hardware, aber nicht zuletzt auch auf das Look & Feel des besonders unter Grafikern verbreiteten Systems. Letzteres basiert auf einem komplett OpenGL-beschleunigten Desktop, der lange vor Compiz und Windows Vista performant und stabil funktionierte und daher auch neidische Blicke aus der Open-Source-Gemeinde auf sich zog.
Zumindest die Optik von Mac OS X können dank des Projekts Mac4Lin [1] auch Linux-Anwender genießen, ohne sich die kostspielige Apple-Hardware anzuschaffen. Der Entwickler Anirudh Acharya fasst im Mac4Lin-Paket Grafiken, Sounds und Werkzeuge zusammen, die die Mac-OS-Oberfläche so täuschend echt nachbilden, dass der Unterschied auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist (siehe Abbildung 1). Nach einem guten Jahr Entwicklung liegt nun ein Release Candidate für Version 1.0 vor.

Abbildung 1: Die grafische Oberfläche von Mac OS X gilt manchem Linux-User als vorbildlich – Mac4Lin bringt sie inklusive des Mac-OS-Standardhintergrundbilds auf den Linux-Desktop.
Anpassen und erweitern
Mac4Lin richtet sich an Gnome-Nutzer. Die GTK-Themes für die Anwendungsfenster bilden eine Kernkomponente des Pakets. Dabei stehen zwei Varianten zur Auswahl: Eine verziert Fensterrahmen und Anwendungsoberflächen im an den Mac-OS-Standard Aqua angelehnten Stil. Die Variante Graphite gibt sich dagegen weniger farbenfroh als ihr Vorbild.
Neben dem GTK-Theme und der Fensterdekoration liefert Mac4Lin Icons, Truetype-Schriftarten und den Mauszeiger, der die Sanduhr durch den bekannten, sich um die eigene Achse drehenden bunten Ball ersetzt. Auch die Systemklänge des Mac-Rechners fehlen nicht. Sogar der Login-Manager GDM lässt sich mit Mac4Lin an die Optik des Apple-Systems anpassen. Ein Hintergrundbild für das Grub-Menü sorgt schon beim Systemstart für Apple-Look, ein Usplash-Theme beim Hochfahren unter Ubuntu für die perfekte Verkleidung. Mac4Lin widmet sich auch einzelnen Anwendungen: So liegt dem Paket für Firefox eine Erweiterung bei, die den Browser Safari angleicht.
Angedockt
Besonders charakteristisch für den Mac-OS-Desktop ist das so genannte Dock: Es enthält ein Icon für jede geöffnete Anwendung oder Datei sowie Startbuttons für weitere Programme und Funktionen, beispielsweise den Mülleimer. Es dient also sowohl zum Wechsel zwischen den verfügbaren Fenstern und Arbeitsflächen als auch zum Starten und Beenden von Programmen. Um diese Desktop-Komponente nachzubilden, bedient sich Mac4Lin des Avant Window Navigators (AWN, [2]), siehe Abbildung 2.

Abbildung 2: Der Avant Window Navigator stellt das Dock von Mac OS X nach. Animierte Icons und zahlreiche Applets lassen es in Stil und Funktion seinem Vorbild in nichts nachstehen.
Die AWN-Entwicklung unter Federführung des Programmierers Mark Lee läuft weitgehend unabhängig von Mac4Lin. Wer lediglich das Gnome-Panel durch ein Mac-OS-artiges Dock ersetzen möchte, benötigt das Gesamtpaket nicht.
In der Standardeinstellung zeigt das AWN-Dock nur Symbole für die geöffneten Fenster, die sich wie mit der Taskleiste per Mausklick in den Vordergrund bringen lassen. Ein Rechtsklick auf einen freien Bereich im Dock öffnet ein Kontextmenü. Der Eintrag »Einstellungen« startet zur Konfiguration des Programms den AWN-Manager (Abbildung 3).
Designer-tauglich
Das Aussehen des Docks lässt sich detailliert an den eigenen Geschmack anpassen. Der Benutzer kann Farbe und Transparenz des Panel-Hintergrunds und den Effekt beim Überfahren der Icons mit der Maus verändern. Die Funktionalität erweitern Applets aus dem Paket Awn Extras [3]. Es enthält Miniprogramme wie Uhren, Menüstarter, Direktzugriff auf den Mülleimer, einen Arbeitsflächenwechsler, Mail-Benachrichtigungs-Applets und zahlreiche weitere, wie sie Gsdesklet- oder KDE 4 ähnlich bieten.
Die AWN-Entwicklung findet auf der von Ubuntu-Sponsor Canonical ins Leben gerufenen Plattform Launchpad statt, zur Versionsverwaltung nutzen die Programmierer Bazaar. Wer sich selbst an der Weiterentwicklung des Docks beteiligen oder neue Applets beisteuern möchte, benötigt deshalb einen Launchpad-Account. Das Wiki auf der Projektseite gibt eine Einführung in die Benutzung von Launchpad und Bazaar. Stilrichtlinien für die Programmierung sorgen für übersichtlichen Code, zahlreiche Beispiele und Tipps ermöglichen es, schon mit wenig Aufwand eigene Applets zu entwerfen.
Unabhängigkeit gefragt
Das PDF-Format steht für Unabhängigkeit vom Betriebssystem. PDFs sehen – anders als die Dateien der Textverarbeitungsprogramme, bei denen oft bereits unterschiedliche Programmversionen den Umbruch beeinflussen – auf allen Systemen gleich aus. Allerdings blieb die von Adobe schon 1993 entwickelte PDF-Spezifikation zunächst Firmengeheimnis. Auch der Betrachter war anfangs kostenpflichtig, sodass PDF als Austauschformat wenig attraktiv schien, wenn auch nicht aus technischen Gründen. Die technischen Qualitäten für den Dokumententausch erkannte sofort die amerikanische Bundessteuerbehörde IRS, die das Recht für die kostenlose Verteilung des Adobe Readers kaufte.
Schon Ende 1994 verteilte jedoch Adobe selbst den Acrobat Reader in Version 2.0 kostenlos. Ein Grund für die nun folgende schnelle Verbreitung war wohl auch, dass gerade die verbreitetste Textverarbeitung, Microsoft Word, Dokumente auf verschiedenen Rechnern aus schwer nachvollziehbaren Gründen anders formatierte. Adobe hält Patente zum PDF-Standard, legte diesen jedoch von Anfang an offen und erlaubte die kostenlose Nutzung in Fremdanwendungen [4]. Seit Juli 2008 ist PDF 1.7 als ISO-Standard 32000 zertifiziert.
Nach wie vor ist allerdings das Bearbeiten fertiger PDF-Dokumente wegen des großen Umfangs des PDF-Standards schwierig [5]. Kaum eine freie Software kann mit dem kostenpflichtigen Adobe Acrobat [6], mithalten. Die Firma verdient daher indirekt gut mit dem kostenlos bereitgestellten Format.
Teilen und herrschen
Mit PDFsam ([7], Abbildung 4) gibt es ein quelloffenes Werkzeug, das sich zwar auf nur einen Teilbereich der PDF-Bearbeitung spezialisiert hat, hier aber sehr zuverlässig arbeitet. Der italienische Programmierer Andrea Vacondio hat seine Software nun in Version 1.0 veröffentlicht. Der Name steht für PDF Split and Merge. Das Programm vereint PDF-Dateien oder spaltet sie in mehrere Dateien auf.
Die Bedienung ist einfach: Zum Aufteilen gibt der Benutzer eine PDF-Datei an und legt fest, wie die Software sie trennen soll. So lassen sich beispielsweise ungerade Seiten extrahieren oder das PDF in Einzelseiten aufteilen. Das Zusammenführen mehrerer PDFs funktioniert ähnlich flexibel.
Die in Java geschriebene Software läuft unter Linux, Windows sowie Mac OS und liegt in über 30 Lokalisierungen vor. Eine Liste der Sprachen ist unter »Settings« zu finden, das Verändern der Einstellung erfordert einen Neustart.
Frei oder unbezahlt?
Andrea Vacondio stellt PDFsam nicht nur unentgeltlich, sondern mit der GPLv2 auch unter einer freien Lizenz zur Verfügung. Vacondio hat sich jedoch ein Geschäftsmodell ausgedacht, mit dem er an der freien Software dennoch wenigstens ein bisschen verdienen kann: Von den vorkompilierten Binaries gibt es eine Basic- und eine Enhanced-Variante. Letztere beherrscht zusätzliche Funktionen, etwa das Erzeugen verschlüsselter PDFs, das Hinzufügen von Kopf- und Fußzeilen und das Zusammenfügen vorhandener PDFs in beliebiger Reihenfolge. Das Binary in der Enhanced-Variante ist nur nach einer Spende von mindestens einem Euro erhältlich.
Dieser Betrag ist natürlich eher symbolischer Natur und mit der Bitte verbunden, die Entwicklung des Programms mit einer höheren Summe zu fördern. Spender erhalten Zugang zu den Support-Foren, wo der Entwickler selbst Hilfestellung bietet. Windows-Benutzer dürfen sich zudem über den in der Enhanced-Version enthaltenen Installer freuen. Wer nicht spenden möchte, lädt den Quellcode herunter. Kompiliert er ihn selbst, so entsteht ein Binary ohne die funktionalen Einschränkungen der Basic-Version.
Kräuter-Aubergine
Nicht nur PDFs sind verdaulicher, wenn man sie in kleine Stückchen zerschneidet. Mit Auberginen beispielsweise entseht beim Zerkleinern und Braten in der Pfanne ein leckeres Gemüse. Für mediterranen Geschmack sorgen Weißwein und Basilikum. Die Zutaten: zwei kleine Auberginen (etwa 500 Gramm), 0,1 Liter Weißwein, ein halbes Bund Basilikum, 25 Gramm Speck, Salz und Öl zum Braten, ein Becher Crème fraîche (150 Gramm), etwas Muskatnuss, eine halbe Zitrone, etwas Weinbrand.
Zur Zubereitung die Auberginen in dicke Scheiben schneiden. Den Wein mit der Hälfte der fein gehackten Basilikumblätter und etwas Salz mischen und über die Auberginenscheiben gießen und dreißig Minuten stehen lassen. Nach 15 Minuten die Scheiben wenden. Dann abtropfen lassen und bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Dabei den fein gewürfelten Speck unterrühren.
Für die Sauce die verbleibende Hälfte des Basilikums fein hacken und mit der Crème fraîche vermischen. Mit Zitronensaft, Salz, einem Hauch Muskat und Weinbrand abschmecken. Zusammen mit den gebratenen Auberginenscheiben servieren. Auch kalt ist das Gericht noch köstlich. Wer es vegetarisch liebt, kann den Speck weglassen. Salzkartoffeln ergänzen die Auberginenscheiben zur vollständigen Mahlzeit. (pkr)
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Infos |
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[1] Mac4Lin: [http://sourceforge.net/projects/mac4lin] [2] Avant Window Manager: [http://awn-project.org] [3] Awn Extras: [http://wiki.awn-project.org/Awn-extras] [4] PDF-Nutzung: [http://partners.adobe.com/public/developer/support/topic_legal_notices.html] [5] Peter Kreußel, “Endstation PDF”: Linux-Magazin 09/08, S. 56 [6] Adobe Acrobat: [http://www.adobe.com/de/products/acrobat/] [7] PDFsam: [http://www.pdfsam.org] |







