In der aktuellen Klimadiskussion wird es gern schamhaft verschwiegen: Die IT zählt zu den größten Emittenden des Treibhausgases CO2. Ohne auch hier anzusetzen, lässt sich dem Klimawandel kaum entgegentreten.
Ich bin aus dem Schneider: Mein Laptop tankt keinen Diesel und er emittiert kein CO2. Vielleicht erwärmt er die Luft im Umkreis einer Armeslänge um wenige Zehntelgrad, aber nicht das Klima. Überhaupt: Haben Klimasünden nicht immer irgendwelche stofflichen Ursachen? Wie sollen Bits und Bytes denn die Umwelt verpesten? Ist der Rechner nicht allein schon deswegen unverdächtig, weil er in einer virtuellen Welt zu Hause ist?
Diese Annahme führt in die Irre. Und das hat sogar konkret mit dem Laptop zu tun, auf dem ich zum Beispiel häufig eine Google-Suche starte. Um die beantworten zu können, betreibt Google riesige Rechenzentren rund um den Globus, in denen stromfressende Server zu Tausenden laufen. Eine einzelne Abfrage mag nur eine winzige Menge CO2 produzieren – die Schätzungen reichen von 0,2 Gramm (sagt Google) bis zu um die 10 Gramm –, doch Google prozessiert täglich 3,5 Milliarden solcher Abfragen, mehr als 40 000 in jeder Sekunde. Diese unfassbare Menge summiert sich auch bei konservativster Schätzung zu Aberhunderten Tonnen Kohlenstoffdioxid am Tag. Wen das nicht erschreckt, der rufe einmal http://www.janavirgin.com/CO2 auf.
Nun stehen energiehungrige Server nicht nur in Googles Rechenzentren. Für eine besonders groteske Verschwendung ist etwa die Kryptowährung Bitcoin verantwortlich. Teilnehmer, die sich darum bewerben, Transaktionen für die Blockchain zu beglaubigen (die sogenannten Miner), müssen dort um die Wette an sinnlosen Rätseln rechnen (“Proof of Work”), die man noch künstlich verkompliziert. Warum? Nur, um die Frequenz, mit der die Miner neue Blöcke validieren können, auf einen in zehn Minuten einzubremsen. Bei der gegenwärtigen Vergütung von 12,5 Bitcoin pro Block wäre andernfalls das endliche Kryptogeld in kürzester Zeit alle. Der niederländische Ökonom Alex de Vries hat errechnet, dass dieses Mining wenigstens 2,55 Gigawatt pro Jahr verpulvert, also fast so viel, wie ganz Irland in dieser Zeit braucht. Es könnten aber auch bis zu 7,67 Gigawatt/Jahr sein – etwas weniger als alle Österreicher im selben Zeitraum in Anspruch nehmen.
Aber auch sinnhafte Aufgaben schlucken immense Mengen an Energie und produzieren damit CO2. Bis 2025 könnte das Internet für ein Fünftel des globalen Stromverbrauchs verantwortlich sein, sagen Forscher. Und bei Supercomputern entpuppt sich der Energieverbrauch mittlerweile als einer der limitierenden Faktoren: Immer mehr Rechenkerne fressen immer mehr Strom und produzieren damit immer mehr Wärme, weshalb für jedes dritte Watt zusätzlich ein Watt für Kühlung anfällt. Der aktuelle Spitzenreiter der Top-500-Liste, der Supercomputer Summit aus dem Oak Ridge National Laboratory in den USA, nimmt, obwohl er gleichzeitig der drittenergieeffizienteste der Welt ist, volle 13 Megawatt auf. Das ist mehr, als 7800 Durchschnittsdeutsche verbrauchen – eine Kleinstadt. Auf Supercomputern werden übrigens auch Klimamodelle gerechnet, was zu dem Paradoxon führt, dass das Abschätzen der Klimafolgen das Klima zusätzlich schädigt.
Auch das Training großer neuronaler Netze, wie sie beim maschinellen Lernen zum Einsatz kommen, verursacht den Ausstoß enormer CO2-Mengen. Einer aktuellen Studie der University of Massachusetts Amherst zufolge emittierte das Trainieren eines einzigen KI-Modells für maschinelle Übersetzungen 284 Tonnen Kohlenstoffdioxid, so viel wie fünf Autos während ihres gesamten Lebens.
Alles in allem hat die IT in der Klimafrage mitnichten eine weiße Weste. An dem CO2, das jahrzehntelang zu viel in die Luft geblasen wurde, haben auch Computer einen Anteil. Man muss sie also mit einbeziehen, wenn es jetzt gilt, in letzter Minute umzusteuern. Überdimensionierte Hardware meiden, nichts unnötig doppelt speichern oder rechnen, effiziente Software nutzen, Virtualisierung, Geräte zentralisieren und Prozesse automatisieren – das sind Wege hin zu einer grüneren IT. Eine kleine Maßnahme könnte schließlich auch das Selberdenken sein. IBMs Supercomputer Watson, der unter anderem die Quizshow Jeopardy gewann, nahm dabei 85 000 Watt auf. Das menschliche Hirn kommt mit rund 20 Watt aus.





