Aus Linux-Magazin 10/2019

News

Die außerirdischen Klimaretter kommen in 400 Jahren wieder. (Quelle: Limbitech, 123-RF)

Rückschlag: Stallman vertreibt Aliens

Nach hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik lud die auf der Erde gelandete Alien-Delegation vom Planeten Ross 128b nun auch GNU-Gründer Richard Stallman (90) in die brasilianische Wüste ein. Dabei kam es zum Eklat. Die per Ufo angereisten Wesen hatten den Wunsch geäußert, möglichst viele Vertreter des Planeten kennenzulernen, bevor sie die Erde mit Hilfe ihrer fortgeschrittenen Technologie von der Klimakatastrophe befreien.

GNU-Gründer und Free-Software-Advokat Richard Stallman war zwar eingeladen, erschien aber nicht selbst in dem Raumschiff, sondern schickte den staunenden Aliens einen Telepräsenzroboter auf Basis des mittlerweile veralteten GNU/Debian 18. Er wolle nicht mit einer Technologie in Berührung kommen, von der nicht klar sei, unter welcher Lizenz sie stehe, begründete Stallman seine physische Abwesenheit.

Der Aktivist für freie Software stellte den außerirdischen Besuchern eine Reihe von Fragen zu ihrer fortgeschrittenen Antriebstechnologie und zur Software, mit der die Aliens dafür sorgen wollen, die Erderwärmung rückgängig zu machen. Anschließend hielt er einen Vortrag vor der versammelten Alien-Delegation und sprach über freie Software, Hardware und über seinen Kaufboykott für Harry-Potter-Bücher.

Stallman lobte dabei die selbstlosen Anstrengungen der Aliens, die Menschheit aus den Fängen der Klimakatastrophe zu befreien. Er wies auf seine eigenen Anstrengungen und die Widerstände hin, auf die er stieß, als er begann, die Welt mit Hilfe des GNU-Projekts von proprietärer Software zu befreien.

Zum Eklat kam es dann allerdings, als Stallman erfuhr, dass die Software der Aliens zwar quelloffen sei, aber nicht unter einer Copyleft-Lizenz wie der GPL stehe, es sich also streng genommen um Open-Source-Software und nicht um freie Software handelte. Stallmans Telepräsenzroboter verließ daraufhin das Raumschiff.

Zuvor gelang es dem zugeschalteten Aktivisten jedoch, einige der anwesenden technisch versierten Aliens zu überzeugen, GNU Hurd 2.3 auf dem Kontrollsystem des Raumschiffs zu installieren. Dabei stellte sich jedoch nicht nur heraus, dass Hurd keinen einzigen Treiber für die Raumschiff-Technologie mitbrachte, sondern die Installation zerstörte auch den Bootloader für die Klimarettungs-Technologie.

Daiuepoi, der Leiter der Delegation, versprach daraufhin, die Technologie auf seinem Heimatplaneten Ross 128b reparieren zu lassen. Spätestens in 400 Jahren werde das Raumschiff erneut auf der Erde eintreffen. Während wütende Demonstranten Stallmans Telepräsenzroboter zerstörten, ließ dieser verlauten, er werde die Aliens und ihre Technologie auf seine Boykott-Liste setzen.

Digital Versatile Disc zum Jubiläum

Der Leser Peter K. staunte nicht schlecht: Zum 50-jährigen Jubiläum des Linux-Magazins überreichte ihm die Redaktion eine so genannte Digital Versatile Disc mit bis dato sämtlichen Inhalten der erfolgreichen Publikation.

K. hatte sich an einem Preisausschreiben zu den Jubiläumsfeierlichkeiten beteiligt und diese Gabe als Preis gewonnen. In einer ersten Reaktion zeigte sich der 18-jährige Entwickler verblüfft: “Ich hatte von einer solchen Disc noch nie etwas gehört”, sagte er. Die Redaktion habe ihm zusätzlich ein so genanntes Notebook mit einem Einschub für die Disc überreicht, so K. Anfangs sei er erschrocken, weil das Gerät nach dem Start seltsame Geräusche machte und noch seltsamere nach dem Einlegen der Silberscheibe. Er habe das Präsent jetzt seinem Großvater überreicht. Der wolle mit dem Rechner einen Druckerserver einrichten, so K: “Keine Ahnung was er damit wieder meint.”

Vermögendes Rentnerpaar gesichtet

Ein jüngst aufgetauchtes Paparazzo-Foto zeigt offenbar die beiden Pensionäre Linus Torvalds (74) und Dirk Hohndel (77) in entspannter Pose unter der Sonne Kaliforniens. Der seltene fotografische Beweis für die Alltagskultur der Tech-Multimillionäre machte in den sozialen Medien wie Free Facelook oder Open Bird Speech sofort die Runde.

Die beiden prominenten Hobbytaucher hatten in den 2020er Jahren die Linux-basierten Tauchcomputer Pneumo Tux und Pneumo Tux NG entwickelt. Die weltweit meistverkauften Gründel-Gadgets der gemeinsamen Firma Aqua Git machte Torvalds und Hohndel reich. Das Besondere an der NG-Edition ist der integrierte Unterwasser-Lautsprecher, der auf Knopfdruck originale Torvalds-Zitate ins Nass sendet und so den bis dahin extrem schwer zu beobachtenden Masochisten-Wels anlockt. Ein später zu Wasser gelassenes Microsoft-Konkurrenzprodukt mit akustischen Steve-Ballmer-Wutschnaubern floppte hingegen abseits großer Hai-Populationen, da es sämtliches Getier verscheuchte.

Der im Netz kursierende Schnappschuss soll Torvalds (rechts) und Hohndel (links) an Land in einem Mercedes-Coupé zeigen. © Joschi71, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Der im Netz kursierende Schnappschuss soll Torvalds (rechts) und Hohndel (links) an Land in einem Mercedes-Coupé zeigen. © Joschi71, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Torvalds und sein Begleiter dürften nur älteren Computeranwendern noch ein Begriff sein. Der finnisch-schwedische Torvalds hatte als Student 1991 den Linux-Kernel aus der Taufe gehoben, dessen aktuelle Version 89.47.6 das einzige Betriebssystem ist, das mit aktueller Hardware klarkommt. Linus-Buddy Hohndel hatte Bojen unter anderem bei Xfree86, Suse Linux, Intel, dem Tauchsportfreunde Dachau e.V. oder VMware gesetzt, bevor er Aqua Git gründete.

Auf eine Anfrage des Linux-Magazins, ob das Foto echt sei, reagierte Torvalds bis zum Redaktionsschluss nicht. Er setzt damit eine bald 50-jährige Tradition fort, die wohl mit seinem mittlerweile abgerissenen Elternhaus zu tun hat.

Debian 21, Codename Slinky, erschienen

Die neue stabile Version von Debian basiert einmal mehr auf zwei Linux-Kerneln, Linux 11.1 und Sec-Linux 15, verwendet Systemd 314 und bringt als Desktop das aktuelle Knome CFDE mit.

Die Entwickler haben auch das Brainwave-Interface für den Desktop überarbeitet. Davon profitiert unter anderem die Gastro-App GNU Eat. Denken vegane Benutzer künftig an Salat, erzeugt der angeschlossene 3-D-Replikator fortan keine Salat-Imitate aus Schinken mehr. Das behebt Bug 165899. Auch das VR-Interface läuft in der neuen und stabilen Version besser: Ließ die vorherige Version die VR-Benutzer standardmäßig in einer aus dem Herrn der Ringe entlehnten Trollhöhle aufwachen, befindet sich die neue Startposition nun in “Eilean Donan”, einem hübschen Schloss in den schottischen Highlands.

Über den neuen Startpunkt hatte die Community lebhaft diskutiert, um sich nach einem erbitterten Streit auf das Schloss aus dem Film Highlander zu einigen. Erboste Eltern hatten sich zuvor auf der Mailingliste über Traumata ihrer Kinder beim Erstkontakt mit Debian beschwert. Langjährige Debian-Entwickler verteidigten die Trollhöhle als liebgewonnene Debian-Tradition und Referenz an den Herrn der Ringe. Trotz des gefundenen Kompromisses verließen einige der altgedienten Entwickler das Projekt, um entweder in Rente zu gehen oder sich der Devuan-Entwicklung anzuschließen.

Auch der ehemals beliebte Messenger Whatsapp ist in einer neuen Version an Bord, die einige Neuerungen mitbringt. So wurden überflüssige Bestandteile wie Bild- und Videonachrichten, Animationen und Bots entfernt. Zugleich verteilt die Anwendung nun zufällig generierte Nutzernamen an die User, um deren Identifikation zu erschweren und der DSGVO gerecht zu werden. Das Debian-Projekt hatte die Betreuung des populären Messengers nach der Zerschlagung von Facebook übernommen und erfolgreich 90 Prozent der Nutzer von der Software entwöhnt. Auch unter der Haube hat sich einiges getan. So lassen sich mittlerweile 92 Prozent der Pakete reproduzierbar bauen.

Sec-Linux 15, der zweite Kernel, schützt Debian wie immer vor den mit Systemd einhergehenden Sicherheitsrisiken. Er schirmt vor allem »systemd-superspawn« ab, mit dem sich beliebig viele Container mit beliebigen Inhalten starten lassen, die »systemd-cloudinit« zufällig auf weltweite Server verteilt. Wem das zu unsicher ist, der kann alternativ auf Conbas 11 mit 4FA zurückgreifen. Die neue Version 12 erschien erst nach dem Feature Freeze von Debian 21.

Das Debian-Installations-Image umfasst in der Variante mit dem vereinheitlichten Desktop Knome CFDE 13.3 rund 25 Terabyte.

Conbas 12 erschienen

Mit etlichen neuen Funktionen ist dieser Tage Version 12 des Universal-OS Conbas 12 erschienen. Das Akronym soll ursprünglich auf den historischen Produktnamen “Containerbasis” zurückgehen, der aus einer Zeit stammt, als es neben Containern noch so genannte physische und auch virtuelle Maschinen gab. Beide benötigten eine damals als “Betriebssystem” bezeichnete Software, die es in verschiedenen, miteinander konkurrierenden Ausführungen gegeben zu haben scheint.

Heutige Conbas-Nutzer können sich allerdings kaum mehr vorstellen, dass Ressourcen wie CPU-Zeit, Memory oder Massenspeicher extra verwaltet werden mussten, weil sie nur beschränkt verfügbar waren.

Zu den hervorstechenden Neuerungen der aktuellen Release gehört die Abschaffung des so genannten Installationsdoppelklicks als letzter manueller Aktion des Benutzers. Den initialen Klick, der im Zeitalter der Hyperautomatisation schon geraume Zeit als Anachronismus empfunden wurde, ersetzt nun eine selbsttätige Autostartfunktion, die von der Annäherung eines Conbas-Datenträgers an den Rechner getriggert wird.

Zu den weiteren Novitäten von Conbas 12 gehört ein neuer, siebenter Ring, der nun sensible Container umschließen kann. Er soll vor Angreifern, die die äußeren sechs Ringe überwunden haben, eine weitere Barriere errichten, indem er die Zugänge nun mit Fünf-Faktor-Authentifizierung (5FA) sichert. Auch sollen sich Container nun in Gruppen organisieren lassen, bis hinunter zu extrem vereinfachten Strukturen, die den Vorvätern einst als so genannte Clouds bekannt waren.

Zu Recht als revolutionär können auch die auf nur noch sechs Bände und 4325 Paragrafen eingedampften Lizenzbestimmungen gelten. Einzelne Absätze sollen bereits Jurastudenten im ersten Semester zugänglich sein, wenn auch der Großteil nach wie vor eine fachjuristische Weiterbildung im Anschluss an das zweite Staatsexamen erfordert.

Flughafen BER mit Linux-Quantenrechnern

Bereits zum zweiten Mal jährt sich 2044 das Jahr des Linux-Desktops – und dieses Mal kommt ein weiterer Grund zum Feiern hinzu. Der voraussichtlich im Jahr 2045 fertiggestellte Berliner Flughafen wird seine kompletten Quantenrechner mit Linux betreiben.

Nach dem überraschenden Triumphzug des Linux-Betriebssystems auf den Quantensystemen hat sich ein weiteres Großprojekt für den Einsatz des freien Systems entscheiden. Der Berliner Flughafen (BER) startet ebenfalls damit in eine, wie ein Sprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH sagte, glänzende Zukunft. Für die Integration der neuen Rechnersysteme seien lediglich noch kleinere Formalitäten bezüglich des Brandschutzes zu erledigen, teilte der Flughafenbetreiber mit.

Der Raum für die empfindlichen Quantenrechner am Flughafen ist bereit. © rawpixel, 123RF

Der Raum für die empfindlichen Quantenrechner am Flughafen ist bereit. © rawpixel, 123RF

Mit einer Investition von 100 Milliarden Euro habe sich die Flughafenleitung für den maximalen Ausbau entschieden. “Das rechnet sich von der ersten Minute an”, gibt sich die Führungsriege selbstbewusst. In den kommenden Wochen soll die äußerst empfindliche Hardware eingebaut sein. Dann stünden nur noch die Tests der Sprinkleranlagen an. Wenn diese Bagatelle abgearbeitet sei, könne der erste Flieger Linux-gesteuert in eine neue Dimension starten.

Smartphone-Museum eröffnet

Man mag es kaum glauben: Noch vor 20 Jahren verunglückten Menschen, weil sie in einen kleinen rechteckigen Kasten namens Smartphone stierten, statt auf den Straßenverkehr zu achten. Ein Zeitzeuge berichtet, dass es nahezu unmöglich war, sich im öffentlichen Raum, in öffentlichen Verkehrsmitteln, ja selbst in Restaurants oder am Badestrand aufzuhalten, ohne die Mehrheit der Leute mit einem auch Handy genannten Gerät vor der Nase anzutreffen. Dem Smartphone widmet der Verein für ausrangierte Technologietrends (VAT) deshalb nun einen eigenen Flügel in seinem Museum.

Einige Exponate zeigen die in der letzten großen Welle im Jahr 2022 verbreiteten Smartphones mit dem damals neuen freien Huawei-Betriebssystem Harmony-OS. Ein Blick in die Geschichtsbücher bringt zutage, dass China und die USA seit 2018 einen Handelskrieg führten und es dem chinesischen Hersteller untersagt war, Betriebssysteme und Mobilfunkchips aus den USA zu verwenden. Dass es den Chinesen gelungen ist, das damals weit verbreitete Android-System in die Bedeutungslosigkeit zu verbannen, ist Geschichte.

Später setzten sich Projektionssysteme durch, die Informationen vor die Augen des Nutzers projizierten und dank implantierbarer Micro-Komponenten das Smartphone überflüssig machten. Dass es die Implantate nicht in glänzendem Weiß gab, führte unter den Anhängern des einst populären Herstellers Apple zur Hysterie.

Gesund nach alter Väter Sitte

Entgegen der Aussage des bekannten geflügelten Worts war früher sicher nicht alles besser, manches aber vielleicht schon. In diesem Sinne besinnt sich die Selbsthilfegruppe übergewichtiger Admins jetzt auf ein Prinzip aus grauer Vorzeit: die so genannte “Turnschuh-Administration”.

Zur Zeit der Ur-Urgroßväter gehörte es nämlich tatsächlich noch zu den Pflichten eines Administrators, Rechner, die damals über Räume, Flure, ja ganze Gebäude verteilt waren, persönlich aufzusuchen, um zum Beispiel defekte Komponenten zu tauschen. An einen Hyperloop Inside the Building (HIB) war natürlich noch lange nicht zu denken, und so mussten die Mitarbeiter oft minutenlang laufen, zuweilen sogar auf angestuften Schrägen (so genannten “Treppen”) Höhenunterschiede von fünf, gar zehn Metern überwinden. Anders als heute entsorgten sich die defekten Teile auch nicht via Selbstvernichtung, stattdessen wurden sie analysiert und geöffnet, woraufhin man einzelne Komponenten (man sprach etwa von Festplatten oder Grafikkarten) austauschte.

Mal von der beispiellosen Ineffizienz abgesehen, hatte diese Methode den gesundheitlich durchaus positiven Effekt, dem Administrator tägliche Bewegungsphasen von 15 Minuten und mehr zu verschaffen, die er heute sicherlich nirgendwo mehr hat. Offenbar waren ihm die Anstrengungen auch damals bereits lästig, denn der Terminus Turnschuh-Administration war durchaus abwertend gemeint. Da sie andererseits aber unumgänglich war, erzwang sie das Training von Muskeln jenseits der Fingergrundgelenke.

Das will sich die heutige Retro-Turnschuh-Administration zunutze machen. Eine App schickt den Admin an ein per Zufallsgenerator ausgewähltes Ziel im Gebäude, wobei die Benutzung von Rolltreppen, Fahrstühlen, HIBs und dergleichen durch Näherungssensoren automatisch unterbunden wird. Dort angekommen muss er sich einen digitalen Laufzettel elektronisch signieren lassen.

In einem ärztlich überwachten Pilotversuch war ein erhöhter Grundumsatz des Organismus, eine messbare Kräftigung der Muskulatur der unteren Extremitäten und ein positiver Effekt auf das Herz-Kreislauf-System nachweisbar. (jk/jcb/kki/uba)

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