Nach einer eher ruhigen Woche entließ Linus Torvalds den Kernel 4.17 in die Freiheit. Egal ob Power 4 oder einige obskure SoCs, einige Kernel-Entwickler nutzten den Entwicklungszyklus zum Frühjahrsputz. Aber auch neue Treiber landeten in Linux 4.17.
Auch wenn er andere Neuerungen wichtiger fand, hatte Linus Torvalds gegen den Frühjahrsputz nichts einzuwenden, wie er in seiner Release-Mitteilung schrieb. Unter anderem haben die Entwickler den Support für Power 4 eingestellt. Vermutlich wurden sie durch den Umstand bestärkt, dass der Support für Power 4 im Jahr 2016 zeitweilig nicht funktionierte, ohne dass sich irgend jemand darüber beschwerte. Mit dem Support-Ende fällt auch eine Barriere weg, um bestimmte zeitgemäßere Instruktionen zu verwenden.
Entfernt wurde auch Code für die Architekturen “blackfin”, “cris”, “frv”, “m32r”, “metag”, “mn10300”, “score” und “tile” und die zugehörigen Gerätetreiber nach Absprache mit den Maintainern. Alle acht Architekturen teilen ein Schicksal: Ein Unternehmen war für die SoC-Linie, die CPU-Mikroarchitektur und das Software-Ökosystem zuständig. Offenbar war es für Kunden aber günstiger, CPU-Kerne von der Stange zu verwenden (ARM, Mips oder Risc V). Die Produkte gebe es zwar noch, aber die angepassten CPU-Architekturen wurden seit Jahren nicht verwendet.
Risc-V, USB-C
Ansonsten geht beispielsweise die Arbeit an der neuen Architektur Risc-V weiter. Palmer Dabbelt kündigte dynamisches Ftrace für Risc-V-Targets an. Entwickler haben die Atomic- und Locking-Routinen überarbeitet, damit sie besser zum Speichermodell-Entwurf passen. Risc-V lädt Module nun zudem standardmäßig, aber es gibt noch Limitierungen.
Für den USB-Bereich berichtete Greg Kroah-Hartman über Fortschritte beim USB-C-Support. Einiger Code sei vom Staging- in den passenden Bereich des Kernel gewandert. Neue Infrastruktur soll die verschiedenen Arten von Rollen abdecken, die Type C erfordere. Wie immer gebe es auch eine Reihe von USB-Gadget-Controller- und Treiberupdates.
In-Kernel-TLS und neue Spectre-Patches
Auch im Bereich der Sicherheit gibt es Neues zu berichten: Der Kernel unterstützt nun KTLS, Linux Kernel Transport Layer Security. Ein entsprechendes Paper [PDF] kommt von David Watson, einem Facebook-Mitarbeiter und Kernel-Entwickler.
Auch auf die von Google, Microsoft und Intel neu entdeckten Spectre v3a (CVE-2018-3640) und v4 (CVE-2018-3639) getauften Sicherheitslücken, die verschiedene CPU-Architekturen betreffen, haben die Kernel-Entwickler mit Patches reagiert. Hier geht es erneut um Fehler bei der spekulativen Code-Ausführung und sind neben den Kernel-Patches auch Microcode-Upgrades notwendig, um die Lücken zu umgehen. Gegen Spectre v4 liefert Intel zum Beispiel eine Funktion namens Speculative Store Bypass Disable (SSBD) für die die Kernel-Entwickler dann die Infrastruktur vorbereitet haben.
Auf Dateisystemebene
Für Samsungs Flash-Filesystem F2FS hat Entwickler Sheng Yong ein “Lost and Found”-Feature ergänzt. Das erlaubt es, nach Abstürzen vermisste Dateien zu behalten, anstatt sie zu löschen und dient der Wiederherstellung. Den Usern wolle man Möglichkeiten an die Hand geben, die Performance zu verbessern. Außerdem arbeite man an einer “fsverity”-Implementierung, dem von Ted Ts’o eingeführten Integritätsschutz auf Dateisystemebene.
Apropos Ted Ts’o: Der brachte Patches ein, um Ext 4 robuster gegen mit in böser Absicht falsch angelegte Dateisysteme zu machen. In seinem Pull Request konnte er sich einen Kommentar an die Container-Freunde nicht verkneifen. Diese sollten sich keiner Illusion hingeben, dass das Mounten willkürlicher Abbilder sicher sei. Neben den Ext-4-Updates fand Ts’o noch Zeit für Aufräumarbeiten am “/dev/random”-Treiber.
David Sterba erweiterte Btr-FS um mehrere für Benutzer sichtbare Änderungen. Die neue Mountoption “nossd_spread” deaktiviert den SSD-Optimierungsschalter “ssd_spread”. Letzterer sorgt dafür, dass sich unter den lokalisierten freien Blöcken keine alloziierten befinden. Die Mountoption “subvolid” erkennt, wenn nach einer Zahl Müll folgt und unterbricht dann den Mount-Prozess.
Entwickler Darrick Wong hat für das Dateisystem XFS eine Runde neuer Updates geschickt. Das größte sei die Implementierung von “lazytime” als Mountoption. Beim Lesen einer Datei ändert sich jedes Mal die “atime” (Access Time), was einen Schreibvorgang auf der Festplatte auslöst. Dank Lazytime behält XFS diese Inode-Änderungen im Arbeitsspeicher und holt sie nur dann, wenn es sie benötigt. Verbesserungen gibt es bei den Checks von auf der Festplatte gespeicherten Inode-Metadaten.
Power, ARM SoCs von Nvidia und Allwinner
Auch Nvidia trägt wieder Code zum Kernel bei. Dieser unterstützt nun den Tegra194 SoC (Xavier), das Entwicklerboard “p2972” sowie das “p2888”-Modul. Der Tegra Xavier SoC bringt eine ARM-v8 64-Bit-CPU mit acht Kernen mit, eine Volta GPU mit 512-Cuda-Kernen und eine quelloffene Tensor Processing Unit, die Nvidia als DLA (Deep Learning Accelerator) bezeichnet.
Ein Debüt macht der Allwinner H6 Soc auf dem Pine-H64 Entwicklerboard. Auch Support für den H5 basierten Orange Pi Zero+ und den A64 basierten Teres-I-Laptop von Olimex haben die ARM-Entwickler in den Kernel integriert. Im 32-Bit-Bereich unterstützt der neue Kernel 4.17 aller Voraussicht nach den Olimex “som204”, dessen Design auf dem Allwinner A20 basiert sowie das Development Board Banana Pi M2 Zero.
Vega-12- und Cannonlake-Support
Zu den ersten Merges für den neuen Kernel 4.17 zählten die DRM-Updates von Dave Airlie. Dieser nannte den Support für Cannonlake, Intels 10-Nanometer-Technologie auf Basis der Kaby-Lake-Architektur und für Vega 12, AMDs Grafikkartenserie, als die wichtigsten Dinge im aktuellen Patchset. Der AMDGPU-Treiber unterstützt Vega 12 und aktiviert Display Core auf allen unterstützten GPUs.
Der Intel-Treiber “i915” kommt derweilen mit Support für Cannonlake und das Verschlüsselungssystem HDCP im Schlepptau. Die High-bandwidth Digital Content Protection ermöglicht es, verschlüsselt hochaufgelöste Daten über HDMI oder Displayport zu transportieren. Wer nun an Digital Rights Management denkt: Wayland-Entwickler Daniel Stone hatte bereits im Dezember erklärt, warum niemand Angst vor HDCP haben müsse.




