Frankreichs Behörden arbeiten an einem eigenen Messenger-Dienst für Mitglieder der französischen Regierung. Der soll sicher sein und auf offenem Quellcode basieren, schrieb Reuters vor knapp zwei Wochen. Nun wurde bekannt, welche Open-Source-Projekte die Komponenten dafür liefern.
Im Blog von Matrix.org kündigen die Entwickler an, dass die Wahl für einen sicheren Messenger offenbar auf eine Kombination aus der Implementierung des offenen und dezentralen Matrix-Standards mit dem sicheren und dezentralen Client Riot gefallen ist. Matrix soll dabei als Private Server dienen, die Clients selbst basieren auf einem Fork von Riot.
Der neue Messenger soll die bislang fleißig genutzten Alternativen wie Telegram und Whatsapp ersetzen. Vor allem Telegram verwendete die französische Regierung im Wahlkampf und auch danach umfangreich. Weil aber der Telegram-Besitzer Pawel Walerjewitsch Durow ein im Exil lebender Russe ist und Whatsapp zum amerikanischen Unternehmen Facebook gehört, sorgt sich die Regierung nun um die Sicherheit der verschlüsselten Kommunikation. Das führte offenbar zu der Idee, einen eigenen sicheren Client zu entwickeln.
Laut dem Reuters-Artikel testen bereits 20 ranghohe Regierungsmitglieder und Offizielle die App, die ab dem Sommer offiziell eingeführt werden soll. Geleitet wird die Entwicklung vom Ministrium für Digitales, Information und Kommunikationssysteme (DINSIC). Hilfe komme laut der offiziellen Mitteilung im Blog von der nationalen Agentur für IT-Sicherheit (ANSSI), von der IT-Abteilung des Militärs und vom Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten.
Matrix: Open-Government-Erfolg
Im Matrix-Blog freut man sich über die kostenlose PR und erhofft sich von der gesteigerten Popularität zugleich Fortschritte für das Matrix-Ökosystem und Verbesserungen am Messenger Riot. Bei der Gelegenheit rufen die Entwickler auch Open-Government-Projekte in anderen Ländern dazu auf, sie zu kontaktieren. Man könne bei Deployments helfen. Es sei eine “wundervolle Situation”, in einer Welt zu leben, in der sich “Regierungen um Offenheit, Open Source und standardbasierte Kommunikation” kümmern.
Ganz so euphorisch sieht es Mounir Mahjoubi, Staatssekretär des französischen Premierministers Édouard Philippe, offenbar nicht. Er freut sich vor allem über Kosteneinsparungen und klopft der eigenen IT auf die Schulter: “Mit der neuen französischen Lösung demonstriert der Staat seine Fähigkeit, agil zu arbeiten und spezifische Bedürfnisse zu erfüllen, indem er Open-Source-Werkzeuge verwendet und die Entwicklungskosten niedrig hält. Informationen auf sichere Weise auszutauschen ist nicht nur für Firmen essenziell, sondern fördert auch einen flüssigeren Austausch zwischen den Verwaltungen.”






