Die Dokument Foundation hat eine neue Version ihres Office-Pakets veröffentlicht. Libreoffice 6.0 bringt unter anderem eine neue Online-Hilfe mit, verbessert die sogenannte Notebook Bar, ermöglicht das Signieren von Dokumenten und wartet mit neuen Im- und Exportfiltern auf.
Die sogenannte Notebook Bar soll die Bedienung von LibreOffice erleichtern, indem sie ähnlich wie Microsoft Office die Funktionen auf Registern in einem Band am oberen Fensterrand bündelt (Ribbons). Wie in der Vorversion müssen Anwender auch in LibreOffice 6.0 die Notebook Bar noch explizit aktivieren, die Entwickler haben sie aber weiter verbessert.
So bietet die Notebook Bar in der Textverarbeitung Libreoffice Writer zwei weitere Darstellungsvarianten: Während sie in der Darstellung „Tabbed Compact“ auf einzelnen Registern nur ziemlich kompakt Symbole aufreiht, präsentiert die Ansicht „Grouped Bar Full“ sämtliche verfügbaren Funktionen in Gruppen. Letztgenannte Ansicht steht auch unter Calc und Impress bereit.

Die neuen Varianten der Navigation Bar (Quelle: Document Foundation)
Libreoffice Writer
In der Textverarbeitungskomponente haben die Entwickler das Fenster zur Eingabe von Sonderzeichen überarbeitet. Dieses merkt sich ab sofort die zuletzt ausgewählten Sonderzeichen. Anwender können zudem mehrere Sonderzeichen als persönliche Favoriten hinterlegen. Diese beiden Hilfen sollen das Einfügen von häufig benötigten Sonderzeichen beschleunigen.
Writer besitzt jetzt einen neuen Menüpunkt, der alle Formularfunktionen zusammenfasst. Damit möchte man den Anwendern und vor allem auch Behörden das Erstellen von (PDF-)Formularen erleichtern.

Das neue Formular-Menü in LibreOffice Writer (Quelle: Document Foundation)
Die Toolbar für die Suche erlaubt jetzt auch über eine Dropdown-Liste die Auswahl von Suchtypen. Zudem kennt die AutoFormat-Funktion für Tabellen mehrere neue Tabellenstile. Die Seriendruckfunktion kann ab sofort auch ein Libreoffice Writer-Dokument oder eine XLSX-Datei als Datenquelle verwenden.
Calc und Impress
Die Tabellenkalkulation kennt jetzt die vom ODF 1.2 Standard geforderten Funktionen SEARCHB, FINDB und REPLACEB. Ausgewählte Zellen lassen sich zudem als PNG- oder JPG-Bild exportieren.
Das Modul für Präsentationen verwendet in Libreoffice 6.0 standardmäßig Folien im 16:9-Format. Zudem haben die Entwickler zehn neue Vorlagen spendiert, sowie einige ältere modernisiert.
Weitere Neuheiten
Das alte Hilfe-System WikiHelp haben die Entwickler durch eine neue Online-Hilfe ersetzt. Sie hat zudem den Vorteil, dass sie auch auf Mobilgeräten gut les- und navigierbar bleibt. Gleichzeitig haben die Entwickler den Inhalt der Hilfe aktualisiert.
Benutzerwörterbücher erlauben jetzt Affixe und zusammengesetzte Wörter. Anwender müssen damit nicht alle verschiedenen Formen eines Wortes hinterlegen, was wiederum die automatische Rechtschreibkorrektur beschleunigen kann.
ODF-Dokumente lassen sich via OpenPGP signieren. Die Verschlüsselung von Dokumenten ist ebenfalls möglich, gilt aber noch als experimentell. Für beide Funktionen benötigt LibreOffice allerdings die Hilfe eines entsprechenden, externen GPG-Programms.
Import und Export
Den Datenaustausch im OOXML-Format haben die Entwickler deutlich verbessert. Unter anderem importiert LibreOffice auch SmarArt-Objekte und unterstützt eingebettete Textdokumente und Tabellen.
Auf Wunsch exportiert Writer neuerdings ein Dokument ins ePub-Format. Zudem gibt es neue Import-Filter für Quark-XPress-Dateien. Verbessert haben die Entwickler die Import-Filter für das EMF+-Format und die Export-Filter für ODF.
LibreOffice Online
Mit der Version 6.0 hat die Document Foundation den Entwicklungszyklus von Desktop-und Cloud-Ausgaben synchronisiert. LibreOffice 6.0 erscheint daher gleichzeitig in der Online- und Desktop-Fassung.

LibreOffice Online Calc (Quelle: Document Foundation)
Die Cloud-Variante von Libreoffice hat dabei weitere Features der Desktop-Fassung erhalten. Unter anderem haben die Entwickler eine „Speichern unter“-Funktion hinzugefügt. Calc kann zudem jetzt eine halbe Millionen Zeilen verarbeiten. Writer, Calc und Impress bieten allesamt das bekannte „Suchen und Ersetzen“-Fenster sowie Unterstützung für eine Rechtschreibprüfung.
LibreOffice Viewer for Android
Auch die Entwicklung einer neuen Version der Android-App ist bereits abgeschlossen. Sie durchläuft derzeit allerdings noch interne Tests, soll aber im Laufe des ersten Quartals 2018 veröffentlicht werden.
Mit der App können Anwender neue Dokumente erstellen. Zudem gibt es eine in Register gegliederte Symbolleiste mit Formatierungsoptionen. Die App kann Bilder direkt von der Kamera des Mobilgeräts aufnehmen und in das Dokument einfügen. Die überarbeitete Benutzeroberfläche von Calc zeigt jetzt auch die Spaltenüberschriften, während Impress einen Präsentationsmodus bieten wird.
Noch „frisch“
Mit Libreoffice 6.0 starten die Entwickler einen neuen Release-Zyklus. Die Version 6.0.0 richtet sich dabei explizit an Early Adopters und gilt noch nicht als stabil. Wer LibreOffice in Unternehmen einsetzt, sollte daher noch zur Vorversion 5.4.4 greifen.






Irgendwie sind die Funktionsupdates wirklich marginal, denn was den Nutzer abstoßt ist die alte Oberfläche, wenn das Design in der Menüleiste endlich Zeitgemäß ankommt wie bei MS Office, dann werde ich auch LibreOffice wieder verwenden.
Würde das nicht so pauschal sagen. Empfinde die Oberfläche zwar nicht unbedingt elegant (dafür gibt es zu viel Redundanz zwischen Menüs, Symbolleisten und Seitenleisten), aber auch nicht als hinderlich. Habe auch schon mit Symbolbändern in MS-Office gearbeitet und sehe da nicht wirklich einen Vorteil drinnen.