Linux 4.14 unterstützt dank der Five Level Table Pages das Adressieren absurd hoher Mengen an virtuellem und physischem Speicher. Der Kernel verbessert zudem das Schlafverhalten mit Suspend-to-Idle-Support und führt mit Zstandard ein neues Kompressionsverfahren ein.
Mit dem ersten Release Candidate [1] leitet Linus Torvalds die Testphase für den Linux-Kernel 4.14 ein. Greg Kroah-Hartman hat bereits angekündigt, Linux 4.14 mit Langzeitsupport zu pflegen. Zu den großen Neuerungen gehört unterdessen der Support der Five Level Table Pages. Dank ihnen verwalten Prozessoren nun virtuellen Speicher bis zu 128 PByte und physischen Arbeitsspeicher bis zu 4 PByte. Einige Supercomputer stoßen bereits heute an die Grenzen der aktuell möglichen 256 TByte virtuellem und 64 TByte physischem Speicher.
Zusammengefaltet
Facebook-Entwickler bringen das Kompressionsverfahren Zstandard (auch Zstd) für Dateisysteme in den Kernel. Das ist in Kombination mit Btr-FS bei Facebook schon länger im Einsatz. Zstd verspricht eine ähnliche Kompressionsrate wie das gängige Zlib, bei einer deutlich schnelleren Kompression und Dekompression. Verglichen mit LZO weist es eine höhere Kompressionsrate auf. Nicht nur Btr-FS, sondern auch Squash-FS kann Zstandard im Kernel nutzen.
Optimierungen bescheren dem erst in Linux 4.12 eingeführten Scheduler Budget Fair Queuing (BFQ) wohl einen merklichen Leistungsschub. Das gilt auch für Completely Fair Queuing (CFQ), das zudem ersten Code mitbringt, um Multipathing für NVMe zu unterstützen.
Power Naps dank S2I
CPU Frequency Governors (»cpufreq«) verwalten die Taktfrequenzen von Prozessoren und sprechen neuerdings mehrere unterschiedliche CPUs an. Das verbessert nicht nur die Energieverwaltung, sondern optimiert auch die Reaktionszeit bei Änderungen der Systemlast. Intels P-State-Treiber (»intel_pstate«) haben die Entwickler generalüberholt.
Zudem soll der Linux-Kernel mehr Systeme erkennen, die den modernen Schlafmodus Suspend to Idle (S2I) beherrschen und ihn an Stelle von S3 (Suspend to RAM) verwenden. S2I weckt aktuelle Notebooks deutlich schneller auf, sobald der User den Deckel öffnet. Es hält im Schlafzustand die Netzwerkverbindung aufrecht, wenn auch auf Kosten einer höheren Leistungsaufnahme.
Das kryptographische Subsystem in Linux 4.14 kommt mit AMDs Secure-Prozessor zurecht. Der steckt als Cortex A5 in aktuellen APUs und CPUs und nutzt ARMs Trustzone. Er unterstützt RSA, XSTS-AES-128 sowie XTS-AES-256, kümmert sich um die Schlüsselverwaltung und redet mit dem in Linux 4.12 eingeführten Trusted Execution Environment (TEE).
Vulkanier danken
Der AMDGPU-Treiber kommt mit größeren Speicherseiten (Huge Pages) klar, was insbesondere den Umgang mit dem Vulkan-API verbessert. Der freie Nouveau-Treiber setzt nun Kernel-gesteuert die Bildschirmauflösungen für die Geforce GT 1030, aktuell jedoch ohne Hardwarebeschleunigung. Der Treiber für Raspberry-Grafikchips beherrscht CEC (Consumer Electronics Control) über HDMI und wurde zudem optimiert.
Bleibt es bei der üblichen sechswöchigen Testphase, erscheint Linux 4.14 Ende Oktober 2017. Die aktuelle Preview wartet wie gewohnt unter [2].
Infos
- Release-Ankündigung: http://lkml.iu.edu/hypermail/linux/kernel/1709.2/00177.html
- Kernel.org: https://www.kernel.org






