Wird das selbstfahrende Auto Uber- und Taxifahrer ablösen? Auch Buslenker und Unfallgutachter steuern in eine neblige Zukunft, wenn die Vorhersage des Robotik-Professors Göhring eintritt, Computer-Autonome würden die besseren Fahrer (Interview ab Seite 72). Verläuft die Automatisierungsrevolution wie einst die industrielle? Sollen Taxler Autos ohne Fahrer mit Baseballschlägern traktieren wie einst die Maschinenstürmer? Oder sich zum Embedded-Linux-Spezialisten umschulen lassen, um wieder unabwendbarer Teil des ökonomischen Systems zu werden? Die gute Nachricht: Derart drastischer Mittel wird es nicht bedürfen.
Denn anders als die herz- und hirnlose Dampfmaschine, die mechanische Tätigkeiten effizienter als der Arbeiter erledigte, nie Urlaub nahm und keinen Lohn forderte, erben heutige Roboter die Softskills von denen, deren Jobs sie fortan erledigen. So paradox es klingt: Je menschenähnlicher der Roboter wird, desto fairer verläuft der Kampf Mensch gegen Maschine.
Selbst zu Freude oder Frust lässt sich mancher Blech-Schmidt hinreißen. Ob es Mitte Juli eine Unachtsamkeit, situative Überforderung oder ein finaler Akt der Verzweifelung war, der zum Ertrinken eines Roboters geführt hat, kann wohl erst die Analyse von Logdateien in der Blackbox des K5 ans Licht bringen. Die Bergung des rund 1,50 Meter hohen, 135 Kilo schweren und in der Form an ein Geschoss der Erste-Weltkriegs-Kanone Dicke Bertha erinnernden Hightech-Leichnams gestaltet sich indes leicht, da das Wasser am Auffinde-Ort nur knietief ist.
Das ist nicht verwunderlich, denn der Ort des Dramas war ein flacher, runder Springbrunnen auf dem Gelände des Mehrzweckhafens von Washington DC. Das zur Hälfte mit ein paar neoklassizistischen Säulen gesäumte Bauwerk misst vielleicht 20 Meter im Durchmesser. Bilder auf Twitter zeigen sechs ins flache Wasser führende Stufen, und drinnen den liegenden K5 am feuchten Ende seines Lebenswegs. Sein 360-Grad-Video-Array und die Thermokameras – für immer blind, die empfindlichen Mikrofone – taub, die Luft-Sensoren – ausgeschnüffelt.
Der Roboterhersteller Knightscope aus Mountain View, Kalifornien, sieht lediglich einen “isolierten Vorfall” und erinnert damit unbeabsichtigt an die Beschwichtigungen des iPhone-Produzenten Foxconn, bei dem gehäuft verzweifelte Arbeiter aus Bürofenstern stürzen. Was mag den K5 getrieben haben? War er strafversetzt oder auf Reha? Vor einem Jahr hatte ein K5 – war es derselbe? – ein 16 Monate altes Kind in einem Shopping Center umgefahren; Knightscope musste sich bei den Eltern entschuldigen. Im April diesen Jahres auf dem Parkplatz direkt vor dem Firmengelände verprügelte ein Betrunkener einen K5. War es derselbe Roboter, der noch wegen des Kindes an der posttraumatischen Belastungsstörung litt und nun zum emotionalen Wrack mutierte?
Ein Zeuge berichtete, dass der Roboter erst einige Tage auf dem Gelände patrouillierte. War der auf Sicherheitseinsätze trainierte Roboter unterfordert? Die Mikrofone des Elektro-Sheriffs können Schüsse erkennen, sein Radar und die Videotechnik Angreifer, und seine Kameras scannen die Kennzeichen von 1 500 vorbeirasenden Autos pro Minute. Solch ein Robocop stellt sich Sinnfragen, wenn am Kitsch-Springbrunnen nix passiert.
Neben Fabrikarbeitern und Fastfood-Servicepersonal gelten Sicherheitsleute als frühe Kandidaten für die digitale Transformation. So gesehen ist der K5 nicht sinnlos gestorben, sondern als Vorkämpfer einer Revolution, die uns Biobürgern neben Geisterautos, Bildungsgutscheinen und dem bedingungslosen Grundeinkommen die Erkenntnis bringen wird: Roboter sind auch nur Menschen.







