Mit einer Reihe von Veranstaltungen zum Thema Interoperabilität will der Software-Konzern Microsoft beweisen, dass es ihm ernst ist mit der Öffnung seiner Produkte für andere Formate. Zeitgleich mit einer Pressekonferenz in München stellte das Unternehmen die neue Entwicklungsplattform Open XML SDK 1.0 vor.
Um dem Bereich größeres Gewicht zu verleihen, hat das Unternehmen eine neue Position mit Bereichsleitungsfunktion geschaffen und diese mit der Wirtschaftsingenieurin Sandra Schäfer besetzt. Als Abschluss für so genanntes Community Event, das Microsoft mit deutschen Partnern gehalten hatte, lud Microsoft zur Pressekonferenz in München.
Insgesamt war dies das vierte Treffen unter der Überschrift Interoperabilität, wie der Microsoft-Mitarbeiter Vijay Rajagopalan berichtete. Zuvor sammelte das Unternehmen Erfahrungsberichte von Partner und Wettbewerbern in den USA, Südkorea und China. Die frisch gebackene Leiterin Interoperabilitätsstrategie moderierte die Veranstaltung und bot den Partnern eine Plattform, das Thema in verschiedenen Varianten zu präsentieren. Den Einstieg in die Veranstaltung machte der Chef-Evangelist für Interoperabilität, Craig Kritterman, der das Grundkonzept von Microsofts Document Interoperability Initiative vorstellte.
Mit einer Neuigkeit konnte der National Technology Officer von Microsoft Deutschland, Michael Grözinger, aufwarten: Er verkündete, dass zeitgleich auf der US-amerikanischen Messe TechEd in Orlando eine neue Entwicklungsplattform für das hauseigenen Dokumentformat OOXML in der Version 1.0 veröffentlicht wurde. Unter dem Namen Open XML SDK 1.0 verbirgt sich ein Bibliotheken- und Klassensystem, mit dem es für Entwickler einfacher werden soll, Daten aus OOXML zu extrahieren, zusammenzubauen oder zu erweitern. Zwar konnte Grözinger nicht auf Anhieb sagen, unter welchen Lizenz die Entwicklungssoftware veröffentlicht wurde, jedoch stellt Microsoft das Paket auf seiner Webseite zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Als Beleg dafür, wie Microsoft den Anforderungen der Europäischen Kommission genügen will, zeigte Rajagopalan eine E-Government-Lösung am Beispiel des US-Bundesstaats Florida. In einer heterogenen Umgebung mit Opensuse als Basisbetriebssystem sollen beispielsweise Gesetzestexte mit Microsoft Office erstellt und nach der Verabschiedung mittels einer browserbasierten Anwendung gewandelt und plattformübergreifend veröffentlicht werden.
Für seine Präsentation breiten Raum bekam Dr. Thomas Kahlisch, Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB). Seine Demonstration eines Hörbuchs auf Basis des EDV-Standards DAISY (Digital Accessible Information System) zeigte eindrücklich einen weiteren Aspekt von Informationen, die formatübergreifend genutzt werden. Hierzu liefert Microsoft einen Konverter namens “Save as Daisy”, der OOXML-Dateien direkt in das Hörbuchformat Daisy umwandelt.
Einen E-Mail-gestützten Ansatz zur Übersetzung von Dokumenten im ISO-Standard Open Document Format (ODF) nach OOXML zeigte Wolfgang Keber vom deutschen Unternehmen Dialogika. Der ODF-Konverter soll eine Ergänzung für Microsofts Office-Paket darstellen und steht als Open-Source-Software auf dem Portal Sourceforge kostenlos zur Verfügung. Einen weiteren Schwerpunkt der Interoperabilität sieht Keber in der Langzeitarchivierung elektronischer Dokumente, nahezu unabhängig vom verwendeten Format. Unter dem Namen PLANETS finanziert die Europäische Union ein Forschungsprojekt zu diesem Zweck, das auf vier Jahre angelegt ist. Die Software, die im Rahmen dieses Projekts entsteht, soll gleichfalls unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht werden.
Als die Microsoft-Partner bei der abschließenden Diskussionsrunde einen Wunsch an den Software-Konzern äußern sollen, klingt bei allen Teilnehmern ein zentrales Anliegen durch: Alle wünschen sich, dass Microsoft den Weg zu mehr Kooperation und Zusammenarbeit über Formatgrenzen hinweg fortsetzt und ausdehnt.




