Aus Linux-Magazin 05/2008

Neues bei Debian

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Frühjahrsputz bei den Debian-Mailinglisten: Die Maintainer haben in den vergangenen Wochen eine Menge Zeit in die Verbesserung ihres Kommunikationsmediums investiert.

Neues Zuhause

Nach dem Update im letzten Oktober ist der Heimatserver der Debian-Listen auf einen neuen Rechner umgezogen. Die Maintainer wollen so einige Probleme mit dem so genannten Real Time Blacklisting (RBL) lösen. Der alte Server hatte auf ein paar dieser Blacklists unrühmliche Einträge, was häufig zu Schwierigkeiten bei der Zustellung von Listen-Mails führte. Thomas Viehmann, einer der Listen-Administratoren, bat die anderen Admins nun, die neue IP-Adresse des Servers in ihre Whitelists einzutragen.

Mit dem Umzug verarbeitet erstmals derselbe Rechner sowohl die Mailinglisten als auch deren Archive. Die verzögerte Synchronisation der Listen mit dem Webarchiv soll damit der Vergangenheit angehören. Besonders für jene Nutzer dürfte das ein großer Vorteil sein, die die Listen nicht abonnieren und nur einzelne Mails lesen möchten. Sie haben künftig praktisch sofort auf alle aktuellen Mails Zugriff.

Die Suchfunktion der Listen-Archive haben die Listenadministratoren ebenfalls aufgepeppt. Zum Einsatz kommt jetzt die Xapian-Bibliothek mit dem eigens für sie entwickelten Frontend Omega. Die Bibliothek soll die Suche im Archiv schneller und zuverlässiger machen. Derzeit indiziert die Suchbibliothek rund 3,5 Millionen Mails, beziffert Viehmann. Die Entwickler schätzen, dass rund 100000 dieser Mails Spam sind.

Kampf dem Spam

Des Themas Spam nehmen sich die Entwickler an, indem sie das Archiv von Müll säubern wollen. Seit geraumer Zeit bietet das Webarchiv die Möglichkeit, Spam per Klick den Maintainern zu melden. Viehmann bittet darum, Geduld zu haben, denn die Meldung einer Archiv-Nachricht als Spam führt nicht automatisch zu ihrer Löschung. Vielmehr muss ein Listen-Admin jede gemeldete Mail kontrollieren. Wer Ideen zur effektiveren Gestaltung der Spamjagd hat, den laden die Maintainer explizit zum Dialog ein.

Schließlich haben die Entwickler auch die Behandlung von Bounce-Mails verbessert, also von unzustellbaren Mails. Sie fanden heraus, dass viele Mailserver beim Zustellen von Listen-Mails so genannte False Positives produzieren, indem sie Mails als Spam abweisen und sie zurück an die Mailingliste schicken. Das verstoße laut Viehmann nicht nur gegen das entsprechende RFC, sondern störe auch. Die Mailinglisten-Software soll dieses Problem nun dadurch lösen, dass sie Benutzer mit kaputtem Mail-Setup über ihre falsche Konfiguration informiert. Nötigenfalls entfernt sie den Empfänger aus den Listen, bis er oder sein Internetprovider den Ablauf des Mailversands korrigiert hat.

Und wieder lockt der Lenny

Marc Brockschmidt ist Mitglied des Release-Teams der Debian-Distribution. Auf der für Entwicklermeldungen vorgesehene Liste Debian-Devel-Announce meldete er das Neueste zum Status von Lenny, der nächsten Version. Die meisten Entwicklungen laufen demnach zurzeit ganz nach Wunsch des Release-Teams. Brockschmidt stellte sogar in Aussicht, dass Lenny KDE 4.1 enthält. Eine Überraschung erwartet den Leser ganz am Ende der E-Mail: Die neue Debian-Version wird die Versionsnummer 5.0 tragen (Abbildung 1) und am Ende des Jahres erscheinen. (ake)

Abbildung 1: Das Release-Team der neuen Debian-Version Lenny hat den Versionssprung auf die Nummer fünf verkündet und legt sich auf einen Termin fest.

Abbildung 1: Das Release-Team der neuen Debian-Version Lenny hat den Versionssprung auf die Nummer fünf verkündet und legt sich auf einen Termin fest.

Infos

[1] Statement von Thomas Viehmann: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2008/03/msg00003.html]

[2] News von Marc Brockschmidt: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2008/03/msg00001.html]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und studiert zurzeit in Wien.

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