Mit drei neuen Projekten möchte Red Hat seine Jboss-Plattform für Unternehmen attraktiver machen. Als strategisches Ziel seiner Unternehmensoffensive will der Linux-Distributor bis 2015 die Hälfte des weltweiten Middleware-Marktes erobern.
Mit neuen Projekten, Ausbau des Partnernetzes und einem breiteren Jboss-Angebot will Red Hat den Geschäftsbereich rund um den Application Server ausbauen. Ein Teil dieser Strategie ist ein gezielter Angriff auf den Wettbewerber BEA, der von Oracle übernommen wurde. Das neue Open-Source-Projekt namens Jboss.org BlackTie preist Red Hat als Alternative zum konkurrierenden BEA Tuxedo, einem Transaction Monitor Projekt. Jboss BlackTie soll das hauseigene Transaction-Monitor-Projekt namens Jboss Transactions ergänzen und erweitern, beispielsweise mit C, C++ und Mainframe-kompatiblen Transaktionsfunktionalitäten. Red Hat betont in seiner Ankündigung die Features, die BEA-Kunden die Migration auf BlackTie erleichtern sollen. Das Projekt unterstützt die ATMI-Entwicklungsoberfläche, womit die Migration von Altdaten vereinfacht werden sollt. Zudem emuliert BlackTie die Transaction-Processing-Anzeigen-API wie sie BEA Tuxedo verwendet. Zusätzlich zu dem Community-Projekt will Red Hat in Kürze ein Jboss-Enterprise-Middleware-Angebot auf Basis von Jboss BlackTie bringen.
Als weiteren Baustein in der Strategie nennt Red Hat eine neue Initiative für die Steuerung und Verwaltung innerhalb Service-Orientierter Architekturen (SOA). Mit einer eigenen SOA-Governance, also quasi einem Steuerungswerkzeug, sollen Unternehmen den Überblick über die Anwendungen behalten und die Software organisieren, die Sie sich im Rahmen der internen IT-Strategie als SOA-Dienst individuell zusammenstellen. Red Hat ist der Überzeugung, hier in eine Marktlücke zu stoßen und kündigt eine “Reihe von SOA-Governance-Projekten auf Jboss.org” an. Ein erstes Projekt in diesem Zusammenhang soll Jboss.org-DNA sein. Jboss DNA ist aus der Akquisition von MetaMatrix im April 2007 hervorgegangen und ein voll funktionsfähiges Repository als Grundlage für SOA-Governance liefern.
Das dritte Communityprojekt resultiert aus der Zusammenarbeit mit Hyperic, einem Anbieter von Open-Source-Infrastruktur. Das Gemeinschaftsprojekt RHQ liefert eine Plattform zur Entwicklung von Software für IT-Infrastruktur-Funktionalitäten. Beide Unternehmen wollen die Plattform über ihr jeweiliges Produktportfolio vermarkten, so dass die Entwicklergemeinde schnell wachsen soll. Als nächster Meilenstein steht auf der RHQ-Roadmap die Code-Basis für das Jboss Operations Network v2.0 (JON 2.0), angekündigt für das Frühjahr 2008.
Red Hat hatte Jboss im Jahr 2006 für 420 Millionen US-Dollar gekauft. Nach Analystenmeinung ist der Bereich bis heute im Linux-Unternehmen nicht ausreichend integriert und gilt bislang als Schwachstelle bei der Bewertung des Unternehmenswertes (Linux-Magazin Online berichtete).


