Die britische Schulbehörde hat beim Office of Fair Trading (OFT) gegen Microsoft Beschwerde eingereicht wegen fortgesetzter wettbewerbsbehindernder Praktiken und mangelnder Interoperabilität bei Dokumentformaten.
Der Beschwerde vorausgegangen war ein Zwischenbericht der Schulbehörde Becta (British Educational Communications and Technology Agency), die dabei ist Microsofts Lizenzbedingungen für Bildungseinrichtungen zu untersuchen. Die Behörde äußerte grundsätzliche Bedenken hinsichtlich Software-Auswahl, Wettbewerbsbeschränkungen und Preis-/Leistungsverhältnis. Ein eigenes Papier zu Windows Vista und Microsoft Office 2007 kritisiert mangelnde Interoperabilität der Software mit Alternativprodukten und dem Dokumentenstandard Open Document Format (ODF). An den aktuellen Lizenzen stört die Becta vor allem das restriktive Abonnement-Modell, das regelmäßige Verlängerungen erfordert und einen Wechsel zu einer permanenten Lizenz schwierig und teuer mache. Zwar hätten seitdem Gespräche mit Microsoft über nötige Änderungen stattgefunden, wie die Behörde erklärt, jedoch blieben bislang wesentliche Anforderungen ungeklärt. Deshalb und weil das Amt verpflichtet sei, für Schulen gute Einkaufsbedingungen auszuhandeln, habe man nun das staatliche Marktüberwachungsorgan Office of Fair Trading eingeschaltet. Die Becta verspricht sich davon eine schnellere Reaktion des Konzerns auf seine Anliegen.
Bis zur Klärung rät die Becta Bildungseinrichtungen davon ab, die Microsoft-Academic-Lizenzen zu nutzen. Falls der Einsatz von Microsoft-Produkten unumgänglich sei, sollten diese stattdessen eher eine unbefristete Lizenz wählen. Einen Einsatz von Microsoft Office 2007 empfiehlt die Becta nur unter der Voraussetzung, dass die Anwendungen interoperabel zu Alternativen sind und nennt den Dokumentenstandard ODF. Den für Januar 2008 geplanten Abschlussbericht zu Microsofts Lizenzen für Bildungseinrichtungen verschiebt die Becta bis zur Entscheidung durch die OFT. Die abschließende Stellungnahme zu den Microsoft-Produkten Vista und Office 2007 soll im Januar 2008 veröffentlicht werden.
Derzeit versucht Microsoft, das hauseigene Format OOXML als internationalen Dokumentstandard parallel zum freien ODF durchzusetzen. Nachdem dies im ersten Abstimmungsprozess der Internationalen Standardisierungsbehörde gescheitert war, kann der Konzern bis zu einem weiteren Termin im Februar nachbessern (Linux-Magazin Online berichtete).


