Zwei Microsoft-Lizenzen sind Open Source

Die Open Source Initiative (OSI) hat zwei Microsoft-Lizenzen anerkannt und diesen damit den Status von Open-Source-Lizenzen verliehen.

Ende Juli hatte der Konzern zwei seiner Shared-Source-Lizenzen der Open-Source-Organisation zur Beurteilung eingereicht (wir berichteten), am Montag abend gab der OSI-Vorsitzende Michael Tiemann die Entscheidung bekannt: Die Microsoft Public License (Ms-PL) und die Microsoft Reciprocal License (Ms-RL) haben den Segen der OSI erhalten. Mit diesen Lizenzen ist es möglich, proprietären Quellcode zu teilen. Damit haben zwei von drei Lizenzen aus der Shared Source Initiative den Segen der Non-Profit-Organisation. Die dritte und restriktivste, die Microsoft Reference License (Ms-RL), stand nicht zur Beurteilung.

“Diese Lizenzen sind erfrischend kurz und sauber, verglichen mit beispielsweise der GPLv3 oder der Sun CDDL.” schreibt Russ Nelson, Gremiumsmitglied auf der OSI-Webseite. “Sie beinhalten eine Patent-Friedensklausel, eine ‘No-Trademark-Lizenzklausel’ und unterscheiden sich im Wesentlichen durch die essentielle Klausel zur Wechselwirkung.” Die Ms-PL gestattet Lizenznehmern, den Quellcode für kommerzielle oder nicht-kommerzielle Zwecke einzusehen, zu verändern und zu verteilen. Die Ms-RL umfaßt zusätzliche Regelungen für den Fall, wenn Lizenznehmer ihren Originalcode mit Ms-RL-lizensiertem Code kombinieren wollen.

Der Verein ist sich bewußt, dass seine Entscheidung zwiespältige Reaktionen auslösen wird. Nelson kommentiert die OSI-Entscheidung: “[Microsofts] Motive wurden während der Anerkennungsdiskussion in Frage gestellt. Wie können sie auf der einen Seite Open-Source-Projekte angreifen, und gleichzeitig nicht nur Open-Source-Methoden einsetzen, sondern sogar das OSI-Warenzeichen nutzen?” Den Linux-Entwickler und früheren Novell-Mitarbeiter Tom Hanrahan jedenfalls hatte sein neuer Arbeitgeber Microsoft mit diesem Schritt von seinen guten Absichten überzeugt. Er sah die Bemühungen des Konzerns nach OSI-Anerkennung als Beleg, dass es Microsoft mit Open Source ernst meine, wie er in seinem persönlichen Blog ausführte. Russ Nelson sieht das widersprüchliche Verhalten des Konzerns philosophisch und urteilt: “Es [Open Source] ist sowohl ihre Rettung als auch ihr Feind.”

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben