Der IT-Branchenverband SIBB e.V. schlägt Berlin vor, eine Aktion im Bereich "Standards für die Berliner Verwaltung" nach Schweizer Vorbild zu starten.
Der Verband greift damit die Idee eines gemeinsamen Standardisierungsgremiums nach dem Vorbild des Schweizer Vereins ECH auf. Der Verein ECH wird von der Universität St. Gallen geleitet. Alle ihm angehörenden Mitglieder verpflichten sich, gemeinsam erarbeitete E-Government-Standards aktiv in ihrer EDV einzusetzen. Genau solch ein Gremium soll nach Willen des SIBB nun auch in Berlin geschaffen werden.
Thomas Keup, Sprecher des Verbands der Software-, Informations- und Kommunikations-Industrie in Berlin und Brandenburg e.V. (SIBB), sagt: “Es geht nicht, dass alle ihren eigenen Kram machen.” Dieser Seitenhieb gilt der Berliner Verwaltungsstruktur. Diese untersteht zwar dem Berliner Senat, in IT-Angelegenheiten der Senatsverwaltung für Inneres, doch haben alle Berliner Behörden und Ämter weitreichende freie Entscheidungsmöglichkeiten und sind oftmals sehr verschieden organisiert. Daraus resultiert nach Ansicht des Branchenverbands ein wahres IT-Chaos, in dem es kaum Gemeinsamkeiten geschweige denn gemeinsame Standards zur Zusammenarbeit gibt.
Bereits im Mai dieses Jahres gab es eine Anhörung zur Berliner IT-Strategie, auf der jedoch nur wenig greifbares zu hören war. Auf dem Linuxtag, der 2007 erstmals in Berlin stattfand, setzten sich dann alle Beteiligten zusammen und diskutierten den Einsatz von Open-Source-Software und offenen Standards in der Hauptstadt. Ein Ergebnis der Runde war, dass der Bezirk Tempelhof-Schöneberg als Musterbezirk fungieren soll. Doch noch haben die Arbeiten nicht begonnen. Auf Nachfrage von Linux-Magazin Online teilte das IT-Kompetenzzentrum mit, am Stand der Dinge habe sich noch nichts geändert. Frühestens zum Ende der Haushaltsberatungen sei mit Neuigkeiten zu rechnen.
Die Idee des SIBB einer “Berliner Plattform” wurde zusammen mit dem IT-Kompetenzzentrum des Senats entwickelt. Die Bedeutung fasst Dr. Ortwin Wohlrab, Geschäftsführer der European IT-Consultancy EITCO GmbH und Vorsitzender des IT-Branchenverbandes SIBB e. V. wie folgt zusammen: “Die EDV in Berlin ist nicht allein Angelegenheit einiger weniger Akteure. Die Zukunft des Computereinsatzes in der Verwaltung liegt in der Verantwortung aller IT-Verantwortlichen gemeinsam mit der Wirtschaft und engagierten Berlinern. Ein gemeinsames Standardisierungsgremium nach Schweizer Vorbild bietet die Chance, bisherige Gegensätze zu gemeinsamen Stärken zu entwickeln. Der SIBB e.V. bietet der Berliner Verwaltung an, ein gemeinsames Standardisierungsgremium auf neutralem Boden zu organisieren.”
Thomas Keup betont zum Ende des Gesprächs, dass es erst eine gemeinsame Plattform geben müsse, um dann an gemeinsamen Standards arbeiten zu können. Welche das genau werden sollen, ließ er offen. Er räumte jedoch ein, dass es neben wirklich offenen Standards auch teils proprietäre geben werde. Er begründet dies mit den speziellen Anforderungen in der Verwaltung.




