Der amerikanische Bundesstaat Massachusetts gehört wieder zu den Unterstützern von Microsofts Dokumentformat OpenXML. Vor rund zwei Jahren hatte die Regierung seine Abteilungen dazu verpflichtet, zugunsten offener Formate wie ODF keine Microsoft-Anwendungen mehr zu nutzen.
Nun hat die Abteilung für Informationstechnologie einen Entwurf veröffentlicht, der Microsofts Office-Format Open XML (OOXML) als offenen Standard bezeichnet. Das Diskussionspapier steht nun bis zum 20. Juli zur öffentlichen Diskussion. Im Herbst 2005 hatte der US-Bundesstaat seinen Wechsel zu offenen Formaten verkündet. Zu dieser Zeit hatte Microsofts Office Suite den offenen Standard Open Document Format ODF nicht unterstützt. Mit der Markteinführung von Office 2007 lancierte das Software-Unternehmen seinen eigenen Standard, OpenXML, und versuchte damit ein Gegengewicht zu dem offenen Standard zu setzen.
Die Entscheidung des Bundesstaats hatte erhebliches Aufsehen erregt, und Microsoft hatte versucht, Druck auf die Regierung auszuüben. Ein Resultat war der Rücktritt von Chief Information Officer Peter Quinn, bis dahin Leiter der Abteilung für Informationstechnologie. Als Ursache nannte er die fortgesetzten Angriffe, denen er sich seit der Pro-ODF-Entscheidung ausgesetzt sah. Auch sein Nachfolger, Louis Gutierrez, blieb weniger als ein Jahr im Amt. Beobachter vermuten, dass auch dieser Rücktritt auf die Lobby-Arbeit Microsofts zurückzuführen sei. Die aktuelle Entwicklung verantwortet der Interims-Chef Bethann Pepoli. Der neue Entwurf sieht nun vor, dass die meisten Regierungsbehörden den Wechsel auf offene Technologien wie Open Office oder Staroffice nicht tatsächlich vollziehen müssen. Unter der Überschrift “Migration” heißt es nun: “Von allen Abteilungen wird erwartet, dass sie von proprietären Verwaltungs-Formaten auf offene, XML-basierte Dokumentformate wechseln. Microsoft Office 2003, das aktuell von der Mehrzahl der Abteilungen eingesetzt wird, wird ODF-Formate mittels einer Übersetzungssoftware ermöglichen.”
Mit dieser neuen Entwicklung im Streit um offene Standards kann Microsoft einen Erfolg für seinen Standard OpenXML verbuchen. Auch die aktuelle Umarmungsstrategie mit verschiedenen Linux-Anbietern wie Novell, Xandros oder Linspire hat eine höhere Akzeptanz von OpenXML zum Thema. Mit Novell hat das Unternehmen im Zuge der Vereinbarung zu mehr Interoperabilität zwischen den Betriebssystemen auch eine Zusammenarbeit für ein Übersetzungsprogramm zwischen ODF und OpenXML vereinbart. Novell hatte Anfang März als Resultat ein Plug-In für Open Office veröffentlicht, mit dem sich Microsofts OpenXML mit der freien Office-Suite bearbeiten und speichern lässt. Die Vereinbarung mit Linux-Distributor Xandros hat diesen Konverter ebenfalls als Hauptthema. Auch Xandros arbeitet aktiv daran, dass Nutzer der freien Software-Formate den Microsoft-Standard lesen können.
Das freie Dokumentformat ODF wurde bereits im Herbst 2006 als Norm ISO/IEC 26300 zertifiziert und wird von zahlreichen Regierungsorganisationen wie beispielsweise vom deutschen Auswärtigen Amt zum verbindlichen Einsatz empfohlen. Microsoft positioniert sein hauseigenes Format gegen das freie Format und hat vor kurzem eine Zertifizierung durch die Prüforganisation ECMA erlangt.



