Im “Wizard of Oz schlägt das Mädchen Dorothy dreimal die Hacken ihrer Schuhe zusammen, murmelt den Satz “There’s no place like home” und kehrt so aus dem Zauberland Oz zurück in ihre Heimat Kansas. Wer hingegen auf einem verschlüsselten Linux-System dreimal das Passwort falsch eingibt, landet unter Umständen nicht im geliebten “/home”, sondern auf der Initramfs-Debug-Shell.
So jedenfalls erging es dem Autor auf einem Debian 9 mit verschlüsseltem Swap-Bereich, “/home” und “/” ohne LVM. Statt einer freundlichen Begrüßung wiederholte sich nach dem Entsperren des “/”-Bereichs (“/dev/mapper/sda3_crypt”) recht eintönig die Fehlermeldung “lvm is not available”. Nach einiger Zeit fand sich der verwunderte User schließlich auf einer Initramfs-Debug-Shell wieder. “I think we’re not in Kansas anymore.”
Offenbar verursacht der verschlüsselte Swap-Bereich den Fehler. Systemd überschreibt dessen LUKS-Header mit einem “mkswap” und zerstört ihn damit. Ob es sich nun um einen Bug oder Bedienfehler handelt, diskutieren Interessierte ausführlich in einem Debian-Forum. Wer aber sein Krypto-Setup mit dem Debian-Installer anlegt, dürfte dieses Verhalten nicht unbedingt erwarten. Die gute Nachricht ist, dass der sich über ein Rescue-System auch für Anfänger beheben lässt.
Die Aufteilung des betroffenen Systems ist
/dev/sda1 /boot
/dev/sda2 Swap
/dev/sda3 /
/dev/sda4 /home
wobei der Autor die Verschlüsselung mit dem Debian-Installer eingerichtet hat. Es gibt nun die Möglichkeit, das Swap zu deaktivieren. Auf modernen Systemen mit genügend Arbeitsspeicher kommt der Swap-Bereich ohnehin nicht oder nur selten zum Einsatz, er ließe sich also theoretisch auch weglassen. Der Nachteil: Suspend-to-disk klappt anschließend nicht mehr. Nutzer, die ihre Gerät mitsamt Swap verschlüsseln wollen, sollten die verschlüsselten Partitionen am besten in einem LVM anlegen.
Deswap
Um den Swap-Bereich zu deaktivieren, hilft es, vom Installationsmedium zu booten. Wer das nicht mehr hat, kann eine neue Debian-DVD brennen oder ein Debian-Image mit “dd” (oder einem grafischen Programm) auf einen USB-Stick schreiben und diese dann booten. Im Grub-Bootmenü wählt der Nutzer entweder den Menüpunkt “Rescue Modus” direkt aus oder drückt [ESC] und gibt dann “rescue” ein.
Nun folgen einige Bildschirme mit Auswahlmenüs, wie sie auch der Installer anbietet. Nach der Auswahl von Sprache, Land und Tastaturlayout erscheint oben links ein Schriftzug “Rettungsmodus”. Das Netzwerk kann der Admin “unkonfiguriert lassen”, auch externe Treiber braucht er vermutlich nicht. Es folgt eine Abfrage der Passphrases für die verschlüsselten Partitionen. Anschließend wählt der Reparateur in einem weiteren Dialogfenster ein “Gerät für das Root-Dateisystem” aus. Im hier geschilderten Fall wäre das “/dev/mapper/sda3_crypt”, das auf “/dev/sda3” verweist. Da es in diesem Setup ein separates “/boot”-verzeichnis gibt, gilt es auch dieses über “Yes” einzubinden.
Handarbeit
Dann folgt ein wenig Handarbeit. Im anschließenden Fenster kann der Admin die Option “Eine Shell in /dev/mapper/sda3_crypt” auswählen und landet so im Root-Verzeichnis. Über “vi /etc/crypttab” und “vi /etc/fstab” öffnet er die beiden Konfigurationsdateien, gelangt über [I] in den interaktiven Modus und kommentiert jeweils die Einträge für den Swap-Bereich (hier “/dev/mapper/sda2_crypt”) mit einem “#” aus. Ein “:wq” speichert die Dateien jeweils. Ist das getan, kann er die Initrd neu erzeugen. Das gelingt über “update-initramfs -u -k all”. Über die Eingabe von “exit” landet der Nutzer wieder im grafischen Menü. Hier wählt er “System neu starten” und entfernt den USB-Stick oder die DVD.
Nach dem Neustart des Rechners und einer Eingabe des Passworts für das Root-Dateisystem “/dev/sda3” gilt es nun, 30 Sekunden zu pausieren. Das System wartet in dieser Zeit vergeblich auf den Swapbereich und bringt den User dann zurück nach Kansas. Wie so oft unter Linux ist das nur ein möglicher Weg, das Problem zu beheben, aber er erschien dem Autor recht anfängerfreundlich. Es gibt noch weitere, die über die Kommandozeile und “chroot” führen, eine Suche nach “lvm is not available” und “Debian” fördert sie zutage.





