Aus Linux-Magazin 02/2007

Neues bei Debian

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Etch alias Debian 4.0 wird nicht pünktlich fertig, Dunc-Tank ist aber nicht schuld; die Debconf 7 naht mit Riesenschritten; Martin Schulze hat keine Lust mehr auf die Debian Weekly News.

Just not in Time

Eigentlich sollte beim Erscheinen dieses Magazins Debian GNU/Linux 4.0 alias Etch fertig sein, aber Pustekuchen: Der für die Release zuständige Entwickler Steve Langasek gestand Ende November zähneknirschend, ungefähr drei Monate hinter dem offiziellen Zeitplan hinterherzuhinken. Hatte Langasek sich noch vor einigen Wochen kämpferisch gezeigt, gab er jetzt zu, dass der Rückstand zum ursprünglich geplanten Datum im Dezember nicht aufzuholen sei.

Die Verzögerung sei aber nicht allein den fehlenden Kapazitäten geschuldet. Langasek erklärte, dass es in vielen Bereichen Verbesserungen gegeben habe, die der Distribution zugute kämen. Exemplarisch sei der Ende November veröffentlichte erste Release Candidate des Debian-Installers erwähnt, mit dem einem Großteil der Benutzer eine problemlose Installation gelang. Besonders erfreulich fand Langasek, dass die Zahl der kritischen Fehler in den Wochen seit dem letzten Status-Update kontinuierlich gesunken ist. Das Release-Team sortiert nun gezielt fehlerhafte Pakete aus, um der Veröffentlichung näher zu kommen.

Häme für Dunc-Tank

Die “Debian-wird-nicht-fertig”-Mail provozierte hämische Kommentare über Dunc-Tank, jenes von Projektleiter Anthony Towns maßgeblich initiierte Unternehmen, das die Release-Manager Steve Langasek und Andreas Barth für zwei Monate Vollzeitarbeit an Etch mit jeweils 6000 US-Dollar entlohnte. Selbst prominente Debian-Entwickler wie Josselin Mouette mischten mit. Doch trotz aller Kritik: Dass sich das Dunc-Tank-Konzept auf die Dauer durchsetzt, scheinen nur noch wenige zu bezweifeln. Dass sich auf Planet Debian [1] in den letzten Wochen häufig – wenn auch vorsichtig formulierte – positive Kommentare zu Dunc-Tank finden, ist ein Indiz dafür.

Link mit dem Zaunpfahl

Unversöhnlich zeigt sich der Verfasser der Debian Weekly News (DWN) Martin Schulze. Die DWN sind im Oktober (das Linux-Magazin berichtete) und November nicht wöchentlich, sondern nur einmal erschienen. Die im November veröffentlichte Ausgabe des Newsletters enthielt in der Einleitung den Hinweis, dass es künftig wegen “bedauerlicher Umstände” zu größeren Abständen zwischen zwei DWN-Ausgaben komme. Der hinter “Umstände” steckende Link führt auf die Dunc-Tank-Homepage.

Debconf 7 naht

Für die Debconf 7, die Mitte 2007 in Schottland stattfinden soll, hat der maßgeblich für die Organisation zuständige Moray Allan auf der Debian-Devel-Announce-Mailingliste [2] die Anmeldephase eingeläutet. Vorschläge für Vorträge und Workshops seien gleichermaßen ab sofort willkommen. Entwickler, die gerne Reisekostenunterstützung aus dem großen Topf der Sponsoren in Anspruch nehmen möchten, finden dafür ein Antragsformular. Fest steht mittlerweile auch, dass – wie bei den früheren Treffen – vor der eigentlichen Entwicklerkonferenz ein Debcamp stattfindet, das Entwicklern die Möglichkeit zum Austausch von Ideen und deren direkter Umsetzung gibt.

In den vergangenen Jahren kamen vom Debcamp viele konstruktive Vorschläge, die später in die Distribution einflossen. Legendären Ruf genießen die spontanen Debcamp-Bug-Squashing-Partys, bei denen sich mancher widerspenstige Fehler unerwartet schnell in Wohlgefallen auflöste. Man darf also durchaus gespannt sein, welche Impulse von der Konferenz in Edinburgh ausgehen. (uba)

Abbildung 1: Merklicher Geschwindigkeitsverlust macht eine Verschiebung von Etch nötig.

Abbildung 1: Merklicher Geschwindigkeitsverlust macht eine Verschiebung von Etch nötig.

Infos

[1] Planet Debian: [http://planet.debian.org/]

[2] Mail von Moray Allan: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2006/11/msg00005.html]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Debian GNU/Linux Entwickler und studiert zurzeit in Wien.

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