Diese Ausgabe der Projekteküche beleuchtet den Wettkampf zwischen Mensch und (Schach-)Maschine sowie den freien Klon von Colonization. Außerdem geht es um Hilfsmittel für Linux-Benutzer, die sich in die Windows-Eingabeaufforderung verirrt haben.
Es gab wohl selten ein so viel beachtetes Schachspiel wie das zwischen Weltmeister Wladimir Borissowitsch Kramnik und dem Computer namens Deep Fritz (Mensch : Maschine ? 2:4), auf dem das Schachprogramm Fritz [1] abläuft. Bei dieser weltmeisterlichen Software handelt es sich zwar um ein kommerzielles Windows-Programm. Spieler, deren Ansprüche etwas niedriger ausfallen, finden jedoch auch in freien beziehungsweise kostenlosen Schach-Engines wie Gnuchess [2] oder Crafty [3] einen würdigen Gegner.
Mensch gegen Maschine
Anders als Puristen werden sich wenigsten Schachästheten mit der Idee anfreunden können, ihre Züge auf der Kommandozeile einzutippen. Auch das schon etwas angegraute Xboard [4] kommt kaum über pure Funktionalität hinaus. Etwas mehr fürs Auge bietet Glchess ([5], siehe Abbildung 1). Wie bei Xboard handelt es sich dabei um eine grafische Oberfläche, auf der ein Mensch gegen einen anderen oder einen Computer-Gegner spielt, die auf vorhandene Engines zurückgreift.

Abbildung 1: Glchess greift auf gängige Schach-Engines zurück, um einen Spieler auf dreidimensionalem Schachbrett gegen einen Computer antreten zu lassen.
Mit seiner optional dreidimensionalen Darstellung soll Glchess es Spielern leichter machen, sich ein reales Schachbrett vorzustellen. Wer auf solchen Augenschmaus verzichten möchte, schaltet auf den herkömmlichen 2D-Modus um (Abbildung 2). Dem Schachtraining steht also nichts im Wege und bis zur von Weltmeister Kramnik angekündigten Revanche gegen Deep Fritz in zwei bis drei Jahren bleibt noch Zeit, die menschliche Schachspielerehre zumindest gegen Gnuchess, Crafty & Co. zu verteidigen.

Abbildung 2: Wer sich von der 3D-Grafik abgelenkt fühlt, stellt Glchess auf 2D-Ansicht um, die der im Druck üblichen symbolischen Darstellung ähnelt.
Kommandos für Windows
Auch Linux-Exklusivbenutzer können es kaum leugnen: Auf Windows stößt man außerhalb der eigenen vier Wände immer mal wieder. Aber wer den Umgang mit einer Linux-Shell gewohnt ist, findet unter dem fremden System selbst einfachste Aufgabe wie das Betrachten einer Textdatei oder das Kopieren mehrer Verzeichnisse mit ähnlichen Namen äußerst umständlich. Für das Programm Less fehlt ein gleichwertiges Äquivalent ebenso wie für die meisten anderen GNU-Werkzeuge.
Wer ein komplettes Linux-System unter Windows simulieren möchte, verwendet beispielsweise Cygwin [6]. Es liefert eine Linux-Umgebung mit den wichtigsten GNU-Entwicklungswerkzeugen, mit denen sich Linux-Anwendungen kompilieren und unter Windows ausführen lassen. Sogar ein X-Server läuft unter Cygwin, sodass auf Wunsch vom darunter liegenden Microsoft-System nichts mehr zu sehen bleibt.
Wer allerdings lediglich die GNU-Werkzeuge auf der Windows-Eingabeaufforderung benötigt, kann die Cygwin-Installation umgehen: Das Projekt Gnuwin32 [7] bietet für 32-Bit-Windows-Systeme portierte Versionen der wichtigsten Tools an. Darunter fallen zum Beispiel die Coreutils, die aus den Fileutils wie »cp«, »dd«, »df« sowie »touch« und den praktischen Textutils mit »cat«, »tail«, »sort« und vielen mehr bestehen.
Darüber hinaus enthält Gnuwin32 noch Windows-Ports der unter Unix gebräuchlichen Archiv- und Kompressionstools »tar«, »bzip2« und »gzip« ? und auch sonst lässt die freie Werkzeugsammlung Windows-Benutzer kaum einen der gewohnten Alltagshelfer aus der Linux-Welt vermissen.
Freie Übersetzer
Wem die zahlreichen bereits auf Windows portierten Gnu-Programme nicht ausreichen, kann mit der Windows-Version der Gnu Compiler Collection (GCC) namens WGCC [8] weitere Anwendungen selbst übersetzen. WGCC produziert native Windows-Binaries, die ohne Windows-fremde Hilfsmittel funktionieren. Das Verhalten der WGCC-Compiler gleicht denen ihrer Unix-Entsprechungen, auch die meisten der Kommandozeilenparameter funktionieren wie von Linux her gewohnt.
Kolonisierung
Wer Strategiespiele mag, kennt Civilization von Starprogrammierer Sid Meier. Bei diesem rundenbasierten Klassiker des Genres geht es darum, eine Zivilisation von der Prähistorie über die Antike, das Mittelalter und die Gegenwart bis in die Zukunft zu leiten. Ähnlich funktioniert auch das Spiel Colonization vom selben Entwickler: Mit einer der großen Kolonialmächte landet der Spieler in der neuen Welt und baut dort in kriegerischer oder Handel treibender Konkurrenz zu den Ureinwohnern und anderen Eroberern eine Kolonie auf, um sie zum Schluss in die ersehnte Unabhängigkeit zu führen.
Von Civilization gibt es bereits seit 1998 einen freien Klon namens Freeciv [10], unter anderem für Linux, Mac OS und Windows. Nun haben auch die Fans von Colonization nachgelegt und das beliebte Spielprinzip ebenfalls als freie Software nachprogrammiert. Sie können inzwischen erste Ergebnisse unter dem Namen Freecol [11] vorweisen (Abbildungen 3 und 4).

Abbildung 3: Das freie Programm Freecol bildet den Civilization-ähnlichen Strategieklassiker Colonization nach.
Optisch erinnert das Java-Programm an das mittlerweile stolze zwölf Jahre alte Original und ähnelt damit auch dem Erscheinungsbild von Freeciv. Letzteres kann allerdings mit dem aktuellen vierten Teil von Civilization grafisch nicht mithalten, während Colonization nach der ersten Ausgabe nicht mehr weiterentwickelt wurde und daher keinen Vorsprung gegenüber der freien Alternative gewonnen hat.
Im Gameplay gibt sich Freecol gegenüber Colonization kaum eine Blöße, lediglich die künstliche Intelligenz der gegnerischen Computer sowie die Steuerung erscheinen etwas weniger ausgefeilt ? doch auch hier klafft keine so große Kluft wie zwischen dem freien Freeciv-Klon und der aktuellen kommerziellen Version von Civilization.
Überbackene Pizzabrötchen
Gut während eines Spiels zu genießen sind überbackene Pizzabrötchen. Zutaten: Brötchen, Schinken oder Salami, geraspelter Käse (Gouda, Emmentaler oder Edamer), etwas Schlagsahne und Gewürze (Pfeffer, Salz, Oregano).
Zur Zubereitung die Brötchen halbieren, den Schinkenoder die Salami fein würfeln, den Käse raspeln, mit der Schlagsahne und den Gewürzen vermengen und auf die Brötchen verteilen. Bei 200 Grad leicht braun backen. (pkr)
Infos |
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[1] Fritz: [http://www.chessbase.com/shopd/productlist.asp?product=cp&subd=Fritz] [2] Gnuchess: [http://www.gnu.org/software/chess] [3] Crafty: [ftp://ftp.limunltd.com/crafty] [4] Xboard: [http://www.tim-mann.org/xboard.html] [5] Glchess: [http://glchess.sourceforge.net] [6] Cygwin: [http://www.cygwin.com] [7] Gnuwin32: [http://gnuwin32.sourceforge.net] [8] WGCC: [http://interix-wgcc.sourceforge.net] [9] Civilization: [http://www.2kgames.de/civ/home.php] [10] Freeciv: [http://www.freeciv.org] [11] Freecol: [http://www.freecol.org] |






