Aus Linux-Magazin 02/2015

Nach mehr als einem Jahr Wartezeit ist Fedora 21 da

© Markus Feilner, CC-BY-SA 4.0

Mehr als zwölf Monate hat es gedauert, bis die neue Fedora-Version fertig war, fast doppelt so lange wie üblich mussten die Fans warten. Doch es zahlt sich wohl aus: Fedora 21 belohnt mit topaktueller Software und vereinfachter Installation, alles erstmals in drei Flavors und unter neuer Führung.

Wenn er sich auf Linux-Entwicklerkonferenzen umschaue, sehe er entschieden zu viele Macbooks, meint Matthew Miller, der Projektleiter von Fedora (Abbildung 1, [1]). Das sei eine Schande für die freie Softwarewelt, erklärt er im Interview mit der Linux Action Show [2]. Nicht zuletzt deshalb sei es eines der vorrangigen Ziele des Desktop- und Community-Spins der größten Linux-Distribution (Red Hat), die Linux-Entwickler wieder auf den heimischen Desktop zu holen. Abseits aller technischen Neuerungen definiert Miller das als das vorrangige Ziel hinter der 21. Ausgabe von Fedora.

Abbildung 1: All die Apple-Macbook-User zurück auf den Linux-Desktop holen, das ist laut Matthew Miller das Ziel von Fedora 21.

Abbildung 1: All die Apple-Macbook-User zurück auf den Linux-Desktop holen, das ist laut Matthew Miller das Ziel von Fedora 21.

Zielgruppe: Ein Linux für Poweruser

Die Zielgruppe sind also erfahrene Linux-Anwender – dass sich Fedora traditionell nicht an Einsteiger richtet, konnten Newbees in den letzten Jahren regelmäßig berichten. Schon Anaconda (Abbildung 2), der Fedora-Installer, brachte auch geübte Anwender schnell an die Grenzen ihres Verständnisses oder der Geduld – etwa wenn die Fedora-Entwickler komplett andere GUI-Konzepte fürs Partitionieren einsetzten, ohne diese auch nur im Ansatz zu erklären.

Abbildung 2: Deutlich verbessert und klarer präsentiert sich der Installer Anaconda. Für Linux-Einsteiger ist aber auch diese Ausgabe immer noch nicht geeignet.

Abbildung 2: Deutlich verbessert und klarer präsentiert sich der Installer Anaconda. Für Linux-Einsteiger ist aber auch diese Ausgabe immer noch nicht geeignet.

Anaconda ist in Version 21 deutlich einfacher und klarer geworden, doch die Zielgruppe bleiben die Linux-Poweruser. Böse Zungen behaupteten ja gerne, Anaconda sei gar kein Installer, sondern der DAU-Filter, den Fedora schützend vor sich herschiebe.

Topaktueller Gnome- und KDE-Desktop

Dabei setzen viele Linux-Entwickler sehr wohl auf Fedora (noch vor Open Suse) – wenn sie denn einen Linux-Desktop benutzen, etwa um Software oder Treiber zu entwickeln oder Desktop-Environments zu programmieren. Sicher liegt das daran, dass Red Hat wie auch Suse deutlich mehr hochrangige Programmierer bezahlen als andere Distributoren.

Das führt dann zu interessanten Phänomenen: Obwohl man bei den roten Hüten den Gnome-Desktop favorisiert, kamen die Fedora-Versionen 19 und 20 wahlweise auch und zugleich deutlich früher mit stabilen KDE-Akonadi-Pim-Programmen auf den Markt, als es die darin traditionell starken Suse-KDE-Pakete schafften. Wer heute den Linux-Desktop im Auge behalten will oder muss und aktuelle Software braucht, darf Fedora nicht ausblenden.

Drei Spins, Kernel 3.17, Gnome 3.14, Systemd 217

Mit der neuen Version stellen die Entwickler erstmals drei Varianten bereit: Während Fedora 21 Cloud den Einsatz in der Wolke adressiert, können Administratoren mit Fedora 21 Server einen solchen aufsetzen. Auf der DELUG-DVD liegt ein ISO-Image von Fedora 21 Workstation, das für den Einsatz auf Desktop-Rechnern gedacht ist.

Alle drei Varianten basieren auf dem gleichen Linux-Kernel 3.17, um den Systemstart kümmert sich Systemd 217. Als Desktopumgebung kommt bei der Workstation-Ausgabe gewöhnlich Gnome 3.14 auf den Schirm. Wer mag, darf den designierten X11-Ersatz Wayland ausprobieren, einfach durch Einloggen in eine X-Wayland-Sitzung.

Matthew Miller löst Robyn Bergeron ab

Die drei Spins seien notwendig geworden, erklärte die ehemalige Projektleiterin Robyn Bergeron im Video-Interview mit “Eweek” [3]. Zwar sei gerade die Red-Hat-Community-Distribution Fedora in ihrer zehnjährigen Geschichte stets als Universalsystem gebaut worden, also für jeden Einsatzzweck. Das passe aber nicht mehr zusammen.

Zudem werde man die Zahl der Mitarbeiter in der Quality Assurance und im Release Management deutlich aufstocken und viel mehr Tasks automatisieren – wie genau, das “müssen wir im Detail noch klären”, so Bergeron.

Die Ex-Projektleiterin gab ihren Job auf, als bekennender Led-Zeppelin-Fan verabschiedete sie sich auf ihrem Blog passend mit einem rockigen “Ramble on!” und übergab den Stab an ihren Nachfolger Matthew Miller [4].

Aufregend

Im Interview mit dem Linux-Magazin zeigt sich der neue Projektleiter euphorisch: “Aufregend, wichtig und wegweisend” sei die neue Ausgabe. Obwohl man immer eine Desktop-Distribution entwickelt habe, gehe die 21 auch auf Server und die Cloud zu – was ja viele User schon immer gemacht hätten.

Wichtig seien auch, meint Miller, die Änderungen, die sich im Council [5] vollzogen hätten. Von der neuen Charta erhoffe man sich mehr Agilität im Vergleich zu früher und vor allem mehr Führung. “Das bisherige Board war eher passiv und durfte mehr reagieren. Wir wollen hier eine aktivere Vorreiterrolle etablieren”, erklärt der neue Leiter.

Auf der “Base” – die die “Standard-Plattform für alle Fedora-Produkte” und die Installer, aber auch alle Basis-Libraries für die anderen Produkte umfasst (etwa Kernel, Yum, RPM, Systemd und Anaconda) – bauen die Server- und Workstation-Varianten auf. Die Base ist schlank, schnell, klein und nicht als eigenständige Distribution gedacht.

Die Cloud-Variante ist dagegen für den Einsatz bei Amazon oder unter Open Stack optimiert, sie ist offensichtlich auch auf Docker-Container maßgeschneidert und bringt zwei Kernelpakete mit, ein Minimal- und ein Komplettsystem mit allen Modulen. Fedora 21 wird auch die erste Distribution sein, die einen Atomic Host für Dockers Atomic-Projekt [6] vorstellt – eine Deployment- und Managementsuite für Docker.

Atomic, Cockpit, Rolekit, Open LMI und Dev Assistant

Zu Base und Cloud gesellt sich noch Fedora 21 Server mit für Racks optimierten Tools wie der Webmin-Alternative Cockpit [7], dem API-Toolkit Rolekit [8] und einer vorkonfigurierten Domänencontroller-Rolle sowie mit dem Konfigurations- und Monitoring-Framework Open LMI [9].

In der Workstation sind wie gewohnt die aktuellen Desktops und passende Software enthalten. Der Standard bleibt zwar Gnome, aber jetzt mit Features wie Dev Assistant – eindeutig ein Fingerzeig für die Devops-Ziele der Fedora-Entwickler. Dev Assistant [10] hilft beim Einrichten einer Developerumgebung.

Im Test machte Fedora 21 einen gelungenen Eindruck. Sowohl das Update mit Fedup wie auch die Neuinstallation von USB-Sticks oder ISO-Images liefen auf vier getesteten (Hardware-)Systemen aus beinahe zehn Jahren Rechnergeschichte problemlos. Fast scheint es, als hätte sich das lange Warten gelohnt.

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