Wenn ein Auto aus Karbonfasern und Leichtbauteilen gebaut ist und aus seinem röhrenden Zwölfzylinder-Motor 751 Pferdestärken galoppieren, dann ahnt selbst der notorische U-Bahn-Fahrer: Dieses Gefährt ist nicht zum Transport der Zwillinge zum Flötenunterricht gedacht. Dass es von 0 auf 100 in 2,8 Sekunden beschleunigt und die Tachonadel erst bei 355 km/h hängen bleibt, unterstreicht den Eindruck. Auf die Bühne rollt gerade der Lamborghini Venenodas, das mit rund 3,5 Millionen Euro derzeit teuerste straßentaugliche Serienauto der Welt.
Die Karbon gewordene Unvernunft versetzt einen Teil der Zuschauer emotional in einen Zustand, den er zuletzt als Fünfjähriger beim Anblick der Eisenbahn unter dem hell erleuchteten Christbaum hatte. Einen anderen Teil empören solche Autos als ökologische Dinosauriere, denen das Weltklima am Auspuff vorbeigeht.
Dass der Hersteller den Venenodas auf drei Stück limitiert, mildert das globale Problem vielleicht genug, um den Blick frei zu machen auf eine andere bemerkenswerte Eigenschaft der Marke: Da niemand einen Lamborghini verschrottet, sind die Vertragswerkstätten extra für die Arbeit auch mit alten Modellen geschult. Über ein Webportal können sie viele Original-Ersatzteile aus der 51-jährigen Firmengeschichte bestellen. Ist einmal ein Spezialteil nicht vorrätig, fertigen Spezialisten es nach den alten Plänen neu an. Arrivederci Wegwerfgesellschaft, willkommen in der Service-Oase!
Jetzt muss dieser Text eine gefährliche Spitzkehre nehmen. Also Fuß vom Gas, bremsen, Ideallinie nicht verlassen und beim Rausbeschleunigen auf die Traktion der Räder achten. Geschafft, es könnte aber noch etwas quietschen, wenn der Wagen auf die Zielgerade Joomla 2.5 eingeschwenkt ist. Schon die Benutzer der Version 1.7 des Content Management System kamen 2012 alle beim nötigen Umstieg auf die 2.5 heftigst in Schlingern, da die Community keinen Pfad vorgesehen hatte, um die eigenen Inhalte in die damals neue Version zu bekommen.
Jetzt wiederholt sich das Ganze in abgemilderter Form wieder: Noch vor wenigen Monaten rieten die Joomla-Leute 2.5-Benutzern, bei der Version zu bleiben, solange sie keine Features der 3er-Version vermissten. Mit dem Wartungsrelease 2.5.28 nun endet überraschend die Unterstützung des Zweiges.
Die Macher schreiben verharmlosend: “Anwender sollten nicht in Panik verfallen, vorhandene Seiten werden nicht von heute auf morgen am 31. Dezember aufhören zu funktionieren. Dennoch muss jeder Anwender der Tatsache ins Auge sehen, dass er nun auf nicht länger aktiv unterstützte Software zurückgreift. Verantwortungsbewusste Anwender können also nur kurzfristig die fällige Aktualisierung ihrer Seiten auf Joomla 3 aufschieben, mittel- und langfristig stellt dies jedoch keine ernsthafte Option dar.”
Eine Webanwendung, die sonst alle ein, zwei Monate ein Sicherheitsupdate verpasst bekam, kann man in der Tat nicht mehr lange laufen lassen. Zwar ist diesmal der Upgradeprozess geklärt. Aber praktisch jeder Anwender hat diverse Module oder andere Erweiterungen von Drittanbietern installiert, und ob es dafür 3.0-kompatible Varianten gibt und ob die im Positivfall zum vorhanden Content und Setup passen, steht in den Sternen.
Niemand stemmt sich gegen den technischen Fortschritt, nicht bei Automobilen und erst recht nicht beim Webapplikationen. Aber der Anwender sollte eine realistische Chance haben, in vernünftigen Zeiträumen die Modellwechsel mitzumachen – auch auch mal einen auszulassen. Denn Joungtimer haben auch ihren Reiz, selbst außerhalb italienischer Rennställe.






