Aus Linux-Magazin 12/2014

Solche und solche

“Besonders das Internet kann allen größere Möglichkeiten der Begegnung und der Solidarität untereinander bieten, und das ist gut, es ist ein Geschenk Gottes.” (Papst Franziskus am 23.1.2014)

Ob es dieses unfehlbaren Herkunftsnachweises noch bedurft hat, um die Vatikanische Apostolische Bibliothek dazu zu bringen, ein digitales Archiv wertvoller Dokumente unter http://www.vaticanlibrary.va ins Internet zu stellen, war außerhalb der vatikanischen Mauern nicht herauszufinden. Auf jeden Fall ist die bibliophile Botschaft eine gute. Gläubige in aller Welt können sich – einen Internetzugang vorausgesetzt – virtuell im Lesesaal an zurzeit 4 000 historischen Manuskripten ergötzen (falls das Verb in diesem Zusammenhang erlaubt ist).

Die Sache mit den fehlenden Internetzugängen scheint auch lösbar. In Deutschland beispielsweise will die Politik mit einer digitale Agenda auch das letzte Kuhkaff öffentlich gefördert ins Zentrum des TCP/IP-Weltgeschehens bringen. Etwas mehr nötig vielleicht ist die informationelle Teilhabe in Südafrika. Dort schickt sich ein Brausehersteller dieser Tage an, seine Getränkeautomaten mit Hilfe der British Telecom Global Services zu kostenfreien Wifi-Accesspoints aufzurüsten. Geht doch!

Unter anderem verbessert das für die vier Millionen Katholiken am Kap der Guten Hoffnung die Chancen, auf die Apostolische Bibliothek unabhängig von ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten zuzugreifen. Coca Cola und die katholische Kirche – beide verbessern uneigennützig die Chancen Benachteiligter. (“Geben ist seliger als nehmen.” – Apostelgeschichte 20,35.) Dass beide Organisationen so nahe am Menschen sind, mag daran liegen, dass es sich um Konzerne mit viel und langer Erfahrung handelt, auch den entlegendsten Ort der Welt von ihrem Produkt nachhaltig zu überzeugen.

Wahrend sich nun der eine oder andere Leser ein prickelndes Getränk aus dem Kühlschrank oder den Kirchensteuerbescheid aus dem Briefkasten holt, bietet sich Gelegenheit, mitleidig derer Konzerne zu gedenken, denen die globale Erfahrung im Führen eines glücklichen Händchens fehlt. Nehmen wir die US-Internetfirmen als Beispiel, die ihre digitalen Dienstleistungen auch innerhalb der Europäischen Union anbieten.

Um die kleinlichen Bedenken europäischer Firmen um ihren Datenschutz Rechnung zu tragen, regelt seit der Jahrtausendwende das “Safe Harbor”-Abkommen zwischen der EU und den USA die transaltlantische Weitergabe personenbezogener Daten. Damit ein US-Unternehmen im Safe Harbor anlegen darf, muss es sich beim amerikanischen Handelsministerium registrieren und zu den Hafen-Regeln, sprich zum Datenschutz, bekennen. Dass niemand Unabhängiges die Einhaltung überprüfte, störte ein Jahrzehnt lang niemanden. Nach Enthüllungen in den letzten Monaten mussten die meisten US-Anbieter aber zugeben, freiwillig oder unter Zwang den US-Geheimdiensten Daten von Europäern waggonweise übergeben zu haben.

Jetzt kündigte die EU-Kommission an, das Zertifizierungsprogramm auf seine Gültigkeit hin zu überprüfen. Der designierte EU-Kommissar Andrus Ansip gab während einer Anhörung im EU-Parlament bekannt, dass er Safe Harbor für nicht sicher halte und erwägt die Aussetzung des Abkommens. Na dann, liebe Googles, Amazons, Yahoos, Microsofts und auch Red Hats, macht euch ‘ne Cola auf und ruft laut übers Meer: “Besonders das Internet kann allen größere Möglichkeiten der Begegnung und der Solidarität untereinander bieten, und das ist gut, es ist ein Geschenk Gottes.”

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