Die Free Software Foundation Europe (FSFE) protestiert gegen die Pläne der Bundesnetzagentur, Providern den Einsatz von Zwangsroutern zu ermöglichen.
Als Zwangsrouter bezeichnet die FSFE Router, deren Einsatz die Anbieter ihren Nutzern vorschreiben. Ein Entwurf für die so genannte Transparenzverordnung der Bundesnetzagentur erlaube dies, kritisiert nun die FSFE. Damit ignoriere sie eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag und falle hinter einem vorherigen Entwurf zurück. Im Koalitionsvertrag heißt es auf Seite 49: “Wir wollen eine gesetzliche Klarstellung für den Netzzugang von Telekommunikationsanbietern. Nutzerinnen und Nutzer müssen die freie Auswahl an Routern behalten. Daher lehnen wir den Routerzwang ab. Die zur Anmeldung der Router (TK-Endeinrichtungen) am Netz erforderlichen Zugangsdaten sind den Kundinnen und Kunden unaufgefordert mitzuteilen.”
Die neue Reglung schreibe den Providern lediglich vor, die Kunden über das Verbot eines Routeraustausches zu informieren. Ignorieren sie diese Informationspflicht, ziehe dies laut FSFE kein Bußgeld nach sich. Weitere Details und der Entwurf zur Transparenzverordnung selbst lassen sich auf Netzpolitik.org nachlesen, im nächsten Schritt müssen die zuständigen Ministerien über den Entwurf abstimmen.
Die FSFE sieht beim Einsatz von Zwangsroutern gleich mehrere Probleme. Indem sie den Einsatz eines elektronischen Gerätes vorschreiben, nehmen die Anbieter den Kunden die Freiheit der Entscheidung. Zugleich müssen die Anwender dem Gerät vertrauen: Kunden haben in der Vergangenheit alternative Router eingesetzt, weil es immer wieder Sicherheitslücken in den Routern der großen Unternehmen gab.
Des Weiteren kritisiert die FSFE, dass die neue Reglung den Wettbewerb verzerre, weil kleinere Router-Anbieter in diesem Szenario eventuell leer ausgehen. Mit ihnen verschwinden auch Geräte mit nützlichen Features. Kommt die gelieferte Router-Hardware zudem nicht mit den (mobilen) externen Geräten des Kunden zurecht, steht dieser im Regen. Nicht zuletzt macht es eine Monokultur Hackern wesentlich einfacher, auf einen Streich in sehr viele Router einzubrechen, um etwa Malware zu verbreiten.





